Globaler Mindestpreis für CO2: Klimarettung durch künstliche Verteuerung?

Das Pariser Klimaabkommen droht an unverbindlichen, nationalen Verpflichtungen zu scheitern. Statt in individuellen Klimaplänen, sehen Forscher und Berater des Wirtschaftsministeriums die Lösung deshalb in der Einführung eines internationalen Mindestpreises für CO2.

von Katharina Korczok
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Datum: 08.02.2017 12:49

Pariser Klimaabkommen: Flickwerk für Trittbrettfahrer


Über ein Jahr nach Verabschiedung des Klimaabkommens zeigt sich der wissenschaftliche Beirat des Bundesministeriums für Wirtschaft (BMWi) unzufrieden. In einer Stellungnahme zeichnen die Berater ein düsteres Bild: Paris sei ein „Flickwerk freiwilliger Selbstverpflichtungen“, das selbst bei vollständiger Einhaltung bis 2030 nicht in der Lage sei, CO2-Emissionen zu reduzieren. Vielmehr prognostizieren die Forscher einen noch schnelleren Anstieg von Treibhausgasen in den nächsten Jahren.
Das Problem sei, dass Klima als Gemeinschaftsgut nicht national differenziert werden könne. Denn wo Güter gemeinschaftlich genutzt werden, bestünde immer das Risiko des Trittbrettfahrens. Reduziert etwa Deutschland seinen Öl- und Kohleverbrauch, fällt mit der sinkenden Nachfrage auch der Weltmarktpreis – ein Anreiz für andere Länder wieder vermehrt auf die konventionellen Energieträger zu setzen, anstatt in erneuerbare Technologien zu investieren. Das heißt, auch unkooperative Staaten profitieren von den Bemühungen einzelner Länder, ohne dabei Anreize für eigene Projekte zu erhalten. „Die Soziale Marktwirtschaft muss CO2 einen Preis zuweisen, der die Knappheit der Aufnahmekapazität der Atmosphäre widerspiegelt“, erklärt der Klimawissenschaftler Ottmar Edenhofer, ein Verfechter einer staatlichen Regulation des CO2-Handels.

G20 als mögliche Koalition der Willigen


Ein Mindestpreis für CO2 würde Kosten für engagierte Staaten reduzieren und global Anreize für Einsparungen schaffen. Doch das Hauptproblem ist weniger die Umsetzung des Vorhabens als vielmehr die internationale Einigung auf eine einheitliche Strategie. Eine gemeinsame Zielsetzung, die es Staaten offenlässt die Umsetzung individuell zu gestalten, scheint vor dem Hintergrund des Pariser Abkommens der einstmögliche Kompromiss auf internationaler Ebene zu sein. Statt einer UN-weiten Regelung schlagen die Forscher daher eine „Koalition der Willigen“ vor, die beispielhaft einen CO2-Mindestpreis initiieren solle. Möglich wäre eine Einführung im Rahmen der G20 Staaten. 2017 hält Deutschland die Präsidentschaft und vereint damit die Produzenten von mehr als drei Viertel des weltweiten CO2-Ausstoßes an einem Tisch.

Prognose: Knapp ein Viertel weniger Emissionen in der EU


Einen klaren Unterstützer dürfte Deutschland bereits in den Reihen der Industrienationen finden. Kanada wird ab 2018 erstmals einen Mindestpreis für CO2 einführen. Beginnend bei zehn Dollar pro Tonne, soll der Preis bis 2022 auf fünfzig Dollar steigen. Auch Frankreich diskutiert bereits über die Regelung eines Mindestpreises, der bis 2030 bei 100 Euro pro Tonne liegen soll. Erste Schritte in Richtung Mindestpreis will ebenfalls die EU gehen, die die Menge an gehandelten Emissionsscheinen schneller verringern möchte, von 1,7 Prozent auf 2,2 bis 2,4 Prozent jährlich. Eine Studie des energiewirtschaftlichen Instituts der Universität Köln (EWI) beziffert die zu erwartenden EU-weiten Einsparungen durch eine Bepreisung auf knapp eine Milliarde Tonnen, wovon allein auf Deutschland ein Viertel fallen würden. Die Effizienz der Maßnahme zeigt sich auch in der einhergehenden Reduzierung von Kohlestrom. 20 Prozent weniger würden in Deutschland produziert werden und einen harten Einschnitt für die Kohleindustrie bedeuten.
Eine aktuelle Studie von Energy Brainpool kommt zu ähnlichen Ergebnissen: Ein nationaler Mindestpreis von 75 Euro würde in Deutschland das Erreichen des Klimaziels 2030 wieder in greifbare Nähe rücken. Ohne eine europäische Zusammenarbeit würde der positive Effekt für das Klima jedoch hinfällig.

Quellen:
energybrainpool.com
Presseportal.de
Trendsderzukunft.de
Research-Scenarios.de
Energate-Messenger.de
Welt.de
FAZ.net