Norwegen stoppt Tiefsee-Bohrungen, USA erlaubt neue Öl-Bohrungen im Golf von Mexiko
Die Ölkatastrophe im Golf von Mexiko erschüttert Millionen von Menschen. Die Ausmaße des "Deepwater Horizon"-Desasters auf die Umwelt werden immer dramatischer. Alle Bemühungen das Leck abzudichten, scheiterten bisher. Auch der letzte Versucht brachte nur einen Teilerfolg. Norwegen zieht seine Konsequenzen und stoppt vor seiner Küste alle Tiefsee-Bohrungen, bis der Hintergrund der Katastrophe geklärt ist. Die Konsequenzen der US-Regierung sind deutlich schärfere Sicherheitsregeln. Dennoch erlaubt sie aktuell neue Öl-Bohrungen im Golf von Mexiko.
Seit der Explosion der Ölbohrinsel im April treten nach offiziellen Angaben täglich bis zu zwei Millionen Liter Öl aus. Alle Versuche, das Leck vollständig abzudichten haben noch keinen Erfolg gezeigt. So wie es aktuell aussieht, wird die endgültige Lösung erst im August möglich sein, wenn die eingeleiteten Entlastungsbohrungen abgeschlossen sind. Bis dahin werden weiter Millionen Liter von Öl ungehindert ins Meer laufen. Es handelt sich bereits jetzt um die bisher schlimmste Ölkatastrophe aller Zeiten.
Norwegen zieht seine Konsequenzen
Norwegens Politiker handeln bezüglich der aktuellen Ölkatastrophe. Vor wenigen Tagen teilte Energie-Minister Terje Riis-Johansen mit, dass die Gewinnung von Erdöl aus dem Nordatlantik und der Barentssee vorerst gestoppt werden soll. Erst müsse herausgefunden werden, was das Drama auf der Bohrplattform im Golf von Mexiko ausgelöst habe. Auch müssen neue Sicherheitsstandards erarbeitet werden. Riis-Johansen kündigte an, sich ein eigenes Bild von der Katastrophe machen zu wollen und somit im Sommer selbst in die USA zu reisen. Bei einer Erdöl-Konferenz äußerte er, persönlich dafür Sorge zu tragen, dass alle - auch private - Erdölgesellschaften Lehren aus dem Unglück der Bohrinsel "Deepwater Horizon" ziehen würden.
USA: Verschärfte Regeln für Ölbohrungen vor der Küste
Auch in den USA sind neue Sicherheitsregeln und -vorkehrungen verkündet und getroffen worden. Angaben zufolge hatte bei der Ölplattform „Deepwater Horizon“ ein Abdichtkopf versagt. Zukünftig müssen Bohranlagen für den Fall eines Stromausfalls mit einem Notfall-Schließsystem ausgestattet sein sowie mit einem zweiten Kontrollsystem, welches die Möglichkeit bietet, auch ferngesteuert eingreifen zu können.
Das Innenministerium in Washington gab weiter bekannt, dass zukünftig jeder neue Bohreinsatz im Meer durch einen Ingenieur abgenommen werden müsse. Bezüglich der Verschalung und Zementierung der Bohrlöcher heißt es, dass diese ab sofort von mindestens zwei Schutzschichten umgeben sein müssten und der Abdichtkopf zusätzlich einer Prüfung durch unabhängige Dritte bedürfe.
Zukunft der Ölbohrungen
Präsident Barack Obama verhängte nach der Explosion ein sechsmonatiges Verbot für alle Bohrungen. Damit hagelte es aber immer mehr Einsprüche von Politikern in der Region, da diese wirtschaftliche Einbußen und Verluste vieler Arbeitsplätze in der lokalen Ölindustrie befürchteten. Aktuell reagierte die US-Regierung darauf und erlaubt - nun schneller als geplant - unter deutlich verschärften Regeln, neue Öl-Bohrungen im Golf von Mexiko. Den US-Medien zufolge dürfen in Gewässern, die flacher als 150 Meter sind, wieder Quellen erschlossen werden. Washington äußert jedoch, dass bei Verstößen gegen die Sicherheitsvorschriften die Bohranlagen sofort geschlossen würden. Neu ist auch die Regel, dass künftig Öl-Manager unterschreiben müssen, dass das eingesetzte Material bei den Bohrungen korrekt ist. Diese Regel soll helfen, Unternehmen bei fehlerhaften Papieren rechtlich besser belangen zu können. Laut "Washington Post" ist die Regel darauf zurückzuführen, dass Öl-Unternehmen oft bei dem Material gespart hätten. So wurde laut US-Berichten beispielsweise auf der gesunkenen BP-Plattform Billigzement verwendet und nur eine Schutzschicht statt zwei um das Bohrloch gelegt.

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