Zukunft der Ölindustrie gefährdet

Die Ölreserven neigen sich dem Ende, so heißt es immer wieder aus verschiedenen Quellen. Bereits 2008 warnten Experten vor einer akuten Ölknappheit. Die Ereignisse rund um die explodierte Bohrinsel „Deepwater Horizon“ haben nicht nur verheerende Folgen für die Umwelt, auch die weltweite Ölindustrie ist massiv betroffen. Experten schätzen, dass der Ölpreis steigen wird und sagen eine starke Abhängigkeit der westlichen Länder von der Ölförderung in den OPEC-Staaten voraus.

Geologe Hilmar Rempel von der Bundesanstalt für Geowissenschaften und Rohstoffe (BGR) warnte vor zwei Jahren man befinde sich in einem „sehr fortgeschrittenen Stadium der Nutzung“. Es hieß, die Ampel beim Erdöl stünde auf gelb, woraus resultiert, dass zusätzliche Potentiale für Erdölvorkommen erschlossen werden müssten. BGR-Präsident Hans-Joachim Kümpel fügte hinzu, diese seien in der Arktis sowie in den Tiefwasserbereichen der Ozeane entlang der Kontinentränder zu suchen. Im August vergangenen Jahres warnte die Internationale Energieagentur (IEA) ebenfalls vor einer gewaltigen Ölkrise innerhalb der darauffolgenden fünf Jahre sowie vor einer Gefährdung der weltweiten Rezession. Aus diesem Grund war die Freude über die Entdeckung von dem Ölfeld im Golf von New Mexiko zunächst sehr groß. Der Untergang der Insel hat nun auf mehreren Ebenen Konsequenzen: Nicht nur Großteile der Umwelt sterben, auch die Ölbranche muss sich Sorgen machen um ihre Zukunft.

Ölkonzerne bangen um Existenz

Die größte Quelle für die westlichen Ölkonzerne war bisher der Meeresgrund. Aus diesem erzielten sie zuletzt einen Großteil ihres Wachstums. Jetzt bangen die Konzerne um ihre Zukunft. Christof Rühl, Chefvolkswirt des britischen Ölmultis BP sagte, dass die Ölproduktion in den USA - vor allem im Golf von Mexiko - im vergangenen Jahr um sieben Prozent gestiegen sei. Er berichtet, dass dies die weltweit größte Produktionssteigerung gewesen sei, während gleichzeitig die Produktion in den Opec-Ländern um mehr als sieben Prozent sank.
Vor dem Golfunglück sagte die US-Energiebehörde voraus, dass bis 2015 die Ölproduktion auf knapp 90 und bis 2025 auf knapp 100 Millionen Barrel gesteigert werden könne. Ob dies immer noch der Fall sein wird, ist stark zu bezweifeln, da Bohrungen in der Tiefsee zukünftig hoffentlich nur noch mit Vorsicht und genannten Sicherheitsbestimmungen durchgeführt werden. Lediglich der Irak konnte nach dem Krieg seine Produktion vergrößern. Bagdad hat verkündet, dass diese von drei auf zwölf Millionen Barrel täglich bis zum Jahr 2017 steigen soll.

Öl wird teuerer werden

Die aktuellen Ereignisse werden starke Auswirkungen auf die gesamte Ölbranche haben. Die Katastrophe wird den Wachstum der Ölproduktion nicht nur ins Stocken bringen, sondern auch um ein Vielfaches reduzieren. Folgen der Katastrophe könnte auch „eine Umstellung des Energiemix mit einer etwas geringeren Nutzung der traditionellen Ölquellen“ sein, vermutet Markus Mezger von der auf Rohstoffe spezialisierten Vermögensverwaltungsgesellschaft Tiberius.

Neue Sicherheitsregeln für Mineralölkonzerne in der Zukunft werden auch steigende Kosten für die Verbraucher nach sich ziehen. Der Analyst Sven Diermeier von Independent Research sagt: die Konzerne „werden detaillierte Pläne vorlegen müssen, wie sie im Katastrophenfall reagieren würden. Das verteuert Projekte erheblich“. Und auch Carsten Fritsch von der Commerzbank erwartet, dass Sicherheitsauflagen und Knappheit die Produktionskosten der Unternehmen und damit die Ölpreise nach oben treiben werden. Commerzbank-Experten erwarten, dass der Preis von derzeit gut 70 auf 80 bis 90 Dollar je Barrel (159 Liter) bis 2012/13 steigen wird.

Die jüngste nicht enden wollende Ölkatastrophe hat der gesamten Ölbranche einen faden Beigeschmack verliehen. Die Frage, ob nicht alles anders gekommen wäre, wenn bereits zu Beginn bessere Vorsichtsmaßnahmen getroffen worden wären, wird wohl in allen Köpfen für sehr lange Zeit hängen bleiben.

Von: Kerstin Kirchner

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