Konjunktur und Treibhausgasemissionen – hat die Energiewende wirklich eine Chance?

Nach Meinung der Experten der Arbeitsgemeinschaft Energiebilanzen verfehlt Deutschland das eigens erklärte Ziel, den Treibhausgasausstoß im vorgegebenen Zeitrahmen zu reduzieren. Das Umweltbundesamt hingegen legte letzten Monat Berechnungen vor, die exakt das Gegenteil beweisen sollen. Was genau nun stimmt, ist hierbei schwierig abzuschätzen.

Beide Verbände beziehen sich auf den zurzeit beobachteten Konjunkturaufschwung in Deutschland, bewerten die Thematik jedoch sehr unterschiedlich. Der Vorsitzende der Arbeitsgemeinschaft Energiebilanzen Hans-Joachim Ziesing etwa prangerte im Fachmagazin „Energiewirtschaftliche Tagesfragen“ das Wirtschaftswachstum und den damit verbundenen Emissionsanstieg als den Hauptfaktor für das Verfehlen der Klimaschutzziele an. Die Energiebilanz  des Umweltbundesamts projiziert hingegen ein optimistischeres Zukunftsbild: Trotz sehr starker Konjunktur und Atomausstiegs setze sich die Minderung von CO2-Emissionen seit 2008 unbeirrt weiter fort.

Gutachten: Konjunktur lässt die Emissionen anwachsen

Die Schätzungen der Arbeitsgemeinschaft Energiebilanzen konnten zwar ergeben, dass die CO2-Emissionen in Deutschland im Jahr 2011 im Vergleich zum Vorjahr um 2,3 % gesunken seien. Als Grund werden dabei die mildere Witterung und der damit verbundene sinkende Primärenergieverbrauch im Jahr 2011 angegeben – dem guten Wirtschaftswachstum zum Trotz. Rechnet man jedoch die Temperaturschwankungen und Energienachfrage heraus, seien die CO2-Emissionen 2011 in Deutschland um 9,3 Millionen Tonnen oder 1,2 Prozent gestiegen. Grund sei vor allem der zunehmende Anteil der Braunkohleverstromung sowie eine kräftige Expansion der Zementwerke. Dadurch habe sich die Bundesregierung laut Ziesing von ihrem CO2-Ziel „wieder etwas entfernt“. Der Experte weist in diesem Zusammenhang auf die sich stetig abschwächende Minderung der CO2-Emissionen hin: Sei die an die Atmosphäre abgegebene CO2-Fracht von 1990 bis 2000 im Jahresmittel noch um 15 Millionen Tonnen gesunken, so seien es von 2000 bis 2011 nur noch 8,5 Millionen Tonnen gewesen.

Gutachten: Emissionseinsparungen trotz Konjunktur

Geht es nach den Experten des Umweltbundesamtes, so ist derzeit kein Anstieg der Emissionen zu verzeichnen. Aus den Berechnungen geht hervor, dass die rund 1.640 emissionshandels-pflichtigen Energie- und Industrieanlagen in Deutschland im Jahr 2011 rund ein Prozent weniger klimaschädliches CO2 ausgestoßen haben im Vorjahr. Besonders deutliche Einsparungen der CO2-Emissionen seien dabei im Energiesektor zu verzeichnen. Hier lägen die Treibhausgasminderungen zwischen zwei Prozent bei Großfeuerungsanlagen und sechs Prozent bei kleineren Feuerungsanlagen.

Kann die Energiewende gelingen?

Um bis 2020 eine Reduzierung der Emissionen um 40 Prozent gegenüber 1990 zu verwirklichen, müssten in den kommenden Jahren der CO2-Ausstoß jedes Jahr um rund 20 Millionen Tonnen gemindert werden, sagte Ziesing der „Frankfurter Algemeinen Zeitung“ gegenüber. Es sei zwar möglich, die Vorgaben noch zu erreichen. Das Tempo der Emissionsminderungen jedoch in der Stromerzeugung sowie bei den großen Verbrauchern Industrie, Verkehr und Gebäude beträchtlich beschleunigt werden. Das setze voraus, dass die Nutzung regenerativer Energien erheblich gesteigert und Energie effizienter genutzt werde. Präsident des Umweltbundesamtes, Jochen Flasbarth, sieht das ähnlich, nur optimistischer: „Mit Blick auf das starke deutsche Wirtschaftswachstum von rund drei Prozent in 2011 zeigt sich, dass auch der Emissionshandelssektor zur Verbesserung der Kohlenstoffintensität beigetragen hat. Dieser Trend stimmt hoffnungsvoll für die dritte Handelsperiode 2013-2020 und belegt den Spielraum für eine mögliche Anpassung des europäischen Klimaziels“.

Von: Redaktion

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