AKW Brunsbüttel: Atomkraft als Störfall

Lange waren die Sicherheitsmängel im Kernkraftwerk Brunsbüttel Staatsgeheimnis bis es 2007 als Konsequenz zahlreicher Störanfälle vom Netz genommen werden musste. Doch auch stillgelegt gilt die Anlage als eine der gefährlichsten in Deutschland. Der Betreiber, Vattenfall Europe meldete kürzlich eine neue Panne.

Der schwedische Energiekonzern hält am AKW Brunsbüttel 2/3 der Anteile, E.ON Kernkraft GmbH ist zu 1/3 beteiligt. Beide Konzerne hatten im letzten Jahr die Erarbeitung tragfähiger Lösungen angekündigt. Auf der To-do-Liste stand vor allem die Verbesserung technischer Gegebenheiten, wie beispielsweise die Nachrüstung des maroden Notstromsystems. Der Vollzug dieses Versprechens wurde bislang jedoch nicht bestätigt. Experten bemängeln zunehmend, wie erschreckend wenig am fragwürdigen Sicherheitszustand der Anlage geändert wurde.

Lange Kette an Sicherheitsdefiziten

Brunsbüttel war in den letzten Jahren sehr häufig ein Schauplatz nuklearer Störfälle. Erstmal kritisch wurde es in fast 30 Jahre alte Kraftwerk bereits am 23. Juni 1976. Auch machte es in den 90er Jahren aufgrund deutlicher Risse in den Rohrleitungen negative Schlagzeilen. Eine besonders kritische Situation ereignete sich am 14. Dezember 2001: Eine Wasserstoffexplosion zerstörte damals eine Rohrleitung in unmittelbarer Nähe der Reaktorkerns auf mehr als zwei Metern Länge. Der Schaden blieb zunächst unentdeckt, weil die Betreiber (damals noch die Hamburgischen Electricitätswerke (HEW)) es ablehnten, den Reaktor für eine Sonderinspektion herunter zu fahren. Die Untersuchungskommission, die erst zwei Monate nach dem Unfall ihre Arbeit aufnehmen durfte, stellte jedoch prompt das eigentliche Ausmaß des Störfalls fest. Daraufhin wurde die Anlage ganz abgeschaltet. Die Aufdeckung der meldepflichtigen und dennoch verschwiegenen Panne bedeutete einen immensen Imageschaden für die HEW, welche 2002 vom Vattenfall Europe aufgekauft wurden.
Doch auch dieser Betreiber blockierte die notwendige und wichtige Akteneinsicht, so beispielsweise als es 2004 einen Brand an „gealterten“ Kabeln innerhalb der Anlage gegeben hatte. Der Vorfall legte die Strom-Eigenversorgung des Reaktors lahm und löste ein Reaktorschnellabschaltung aus. Die Folge: erneuter Stillstand der Anlage von 63 Tagen und umfangreiche Austauscharbeiten. Nach einem Kurzschluss in einem Umspannwerk im Juli 2007 wurde das AKW Brunsbüttel schließlich endgültig vom Netz genommen. Seitdem ist der Reaktor nicht wieder in Betrieb gegangen.

Auch im Nicht-Betrieb nichts als Ärger

Die Aneinanderreihung der Störfälle im Brunsbüttel findet kein Ende. Trotz des langjährigen Stillstands der Anlage ereignen sich immer neue „Zwischenfälle“, die an der vermeintlichen Sicherheit der Atommeiler zweifeln lassen. Eine erneute technische Störung vom 6. April 2011 kann dies anschaulich bestätigen. An diesem Datum teilten Vattenfall und das für die Atomaufsicht zuständige schleswig-holsteinische Justizministerium in Brunsbüttel und Kiel mit, dass es ein Leck im Kühlsystem des Antriebs einer Kühlpumpe gegeben habe. Dabei trat aus dem Gehäuse eines Umluftkühlers Wasser aus. Als Folge war die Motorluftkühlung einer Kühlwasserpumpe im unabhängigen Notstandssystem nicht mehr funktionsfähig. Die zweite Kühlwasserpumpe, welche die Umluft des Elektroantriebs der eigentlichen Kühlwasserpumpe kühlen kann, stand jedoch nach Angaben des Betreibers uneingeschränkt zur Verfügung. Ferner würde der betroffene Wasserkreislauf in keiner Verbindung zur Reaktorkühlung stehen. Der Vorfall lag unter der siebenstufigen Störfallskala der internationalen Atomenergiebehörde IAEA und wurde nach Konzernangaben durch externe Sachverständige bewertet. Handelt es sich dabei um erneute Verharmlosung der eigentlichen Gefahr? Grund zur Besorgnis besteht alle mal, bedenkt man die dichte Abfolge an ähnlichen Ereignissen. Denn: noch am 30. März hatte Vattenfall eine Panne in Brunsbüttel gemeldet. Ein defektes Relais einer Schaltanlage hatte ausgetauscht werden müssen.

Von: Beata Mazuryk

Diesen Artikel bookmarken bei...

del.icio.us Mister Wong BlinkList Google YiGG Furl Webnews Folkd Linkarena Yahoo MyWeb oneview