Vakuumzug, Magnetkapsel oder Fahrrad – Was bewegt uns in Zukunft?

Wie kommen wir in Zukunft zur Arbeit? Wird sich unser Stadtverkehr vollkommen verändern oder genügen schon ein paar Apps, um unsere Wege zu erleichtern? Das Energieverbraucherportal stellt die Mobilitäts-Innovationen der Zukunft vor.

von Christina Schröder/Katharina Korczok
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Datum: 21.02.2017 17:20

Die norwegische Hauptstadt Oslo hat ihr Radwegnetz bereits um 56 Kilometer erweitert, der Kauf von E-Bikes soll subventioniert werden und bis 2019 keine Privatautos mehr in der Stadt fahren. Außerdem soll der bereits gutausgebaute ÖPNV weiter optimiert werden, um ab 2030 nur noch emissionsfreie Fahrzeuge erlauben zu können. Damit gilt Oslo als eine der Vorzeige- und Vorreiterstädte in Sachen zukunftsorientierter Mobilität. Die Ziele sind dabei vielseitig: eine emissionsarme Stadt garantieren, Staus verhindern und eine Infrastruktur schaffen, die Zeit spart und gleichzeitig kostengünstig ist.

Einige Ideen, wie beispielsweise das gemeinsame Nutzen von Autos oder Fahrrädern, werden bereits in vielen Städten umgesetzt. Einige Länder gehen noch weiter: So bauen die Vereinigten Arabischen Emirate unweit von Abu Dhabi ein Stadtviertel, das ein CO2-neutrales Zentrum für Wissenschaft, Arbeiten und Wohnen werden soll. Das Vorhaben des Golfstaats ist eine Superlative, die noch in den Kinderschuhen steckt. Ähnlich steht es auch um die Innovation des Hyperloops, der uns in ein paar Jahren vielleicht eine Reise von Berlin nach München innerhalb von 30 Minuten ermöglichen könnte. Etwas weiter ist die Entwicklung der magnetischen Schwebebahn Skytran, die in Nigeria das Verkehrschaos entlasten soll. Immer mehr solcher Ideen und Angebote kommen weltweit auf den Markt oder starten als Pilotprojekte, die den Stadtverkehr revolutionieren könnten.

Sharing: Kostenersparnis und trotzdem flexibel mobil


Eine mittlerweile weit verbreitete Variante der zukunftsorientierten Fortbewegung ist das gemeinsame Nutzen von Fahrzeugen - vor allem in den Metropolen dieser Welt. Egal ob Fahrrad, Roller oder Auto, meistens sind die Fahrzeuge über ein Städtegebiet verteilt und können in einem eingegrenzten Umkreis genutzt werden. Über die Homepage des Anbieters oder per App kann der Nutzer einsehen, wo sich in der Nähe ein Fahrzeug befindet und kann es reservieren bzw. buchen. Nach der Nutzung kann das Fahrzeug überall im Nutzungsgebiet frei oder an angegebenen Stationen abgestellt werden. Das Sharing entlastet dabei nicht nur den Straßenverkehr, es kommt auch der Umwelt zu Gute.

Bike-Sharing: Wandel der Konsum- und Lebenskultur


Der Mensch setzt immer mehr auf eine bewusste Lebensweise, die eigene Lebensqualität wird wichtiger als große Statussymbole. Neben gesunder und ausgewogener Ernährung gehört dazu auch Bewegung. So verändert sich auch im städtischen Verkehr das Bild dahingehend, dass die Bevölkerung sich wieder vermehrt auf den altbewehrten Drahtesel schwingt. Neben Kopenhagen, Amsterdam und New York machen sich auch deutsche Städte die umweltfreundliche Art der Fortbewegung zu Nutze und bieten Bike-Sharing an. Zu den Vorteilen der Fahrrad-Leihsysteme zählen vor allem die Transportflexibilität, die Reduktion der Fahrzeugemissionen, gesundheitliche Vorteile, weniger Staus und Treibstoffverbrauch und nicht zuletzt finanzielle Ersparnisse für den Einzelnen. In Deutschland fallen die Kosten je nach Anbieter unterschiedlich aus. Während die ersten 30 Minuten mit dem Rad der Deutschen Bahn für jeden in Hamburg, Lüneburg und Stuttgart frei ist (24h:15 Euro), bietet Nextbike die ersten vier Stunden für je 2 Euro pro Stunde an, danach folgt die 24-Stunden-Gebühr von 9 Euro. Für 48 Euro im Jahr fahren Abo-Kunden die erste halbe Stunde kostenlos.

Car-Sharing: Endlich Schluss mit hohen Kosten und elendiger Parkplatzsuche


Im Gegensatz zum Bike-Sharing wird das Car-Sharing von Autoherstellern bisher nur in deutschen Großstädten angeboten. Mit der Idee, Autos zu teilen, sollen nicht nur Emissionen in Städten reduziert, sondern auch Staus vermieden werden. Jeder deutsche Autofahrer steht im Schnitt rund 39 Stunden jährlich im Stau und verbraucht damit ein Fünftel des Benzins nutzlos. Ohne Kosten der monatlichen Steuern, Versicherungen und Unterhaltskosten für ein eigenes Auto, kann der Nutzer mit seiner Mitgliedschaft bei einem der Anbieter individuell mobil sein. Er zahlt die Nutzungszeit oder Kilometer, meistens auch eine einmalige Anmeldegebühr. Zusätzlich bieten die Autohersteller neben ihren herkömmlichen Sharing-Angeboten auch emissionsfreie Fahrzeuge an.
So wie das (E-)Car-Sharing funktioniert in Städten wie Köln und Berlin auch das Scooter-Sharing. Das Teilen der Roller ist zwar noch nicht so verbreitet wie das Teilen der Autos, aber deutlich günstiger und auch in der Elektrovariante anzufinden.

Peer-to-peer: Gemeinsam Nutzen statt alleine rumstehen


Im Durchschnitt steht ein privates Auto 23 Stunden am Tag ungenutzt herum. Warum dann nicht das eigene Fahrzeug mit Anderen teilen? Immer mehr Privatpersonen stellen ihr Auto auch für andere Fahrer zeitweise zur Verfügung. Internetplattformen sind auf die Vermittlung zwischen Autobesitzern und Mietern spezialisiert. Dort können Besitzer ihr Fahrzeug und die bereitgestellte Nutzungszeit sowie den Preis für die Anmietung eintragen. Der Suchende gibt den betreffenden Zeitraum auf der Webseite ein und findet so das passende Angebot. Bei der Anmietung wird zwischen beiden Parteien ein sogenannter Nachbarschaftsauto-Vertrag abgeschlossen. Bei dem derzeit größten deutschen Anbieter drivy.de ist die Allianz als Partner für Versicherung und Mobilitätsschutz verzeichnet. „Wenn die Anmietung auf Drivy gebucht ist, ersetzt unsere Versicherung für die Dauer der Anmietung automatisch die Versicherung des Autobesitzers.“, heißt es auf drivy.de. Die Prämie für den Schutz sei bereits in den angezeigten Mietpreisen enthalten.
Der Vorteil gegenüber dem Car-Sharing-Angebot großer Hersteller: das Fahrgebiet ist nicht begrenzt, es gibt eine Vielzahl an Fahrzeugtypen und auch in kleinen Städten kann jeder sein Auto zur Vermietung anbieten.

Nie wieder an der Haltestelle warten: virtuelle Haltestellen passen sich an


Das Essen vom Lieblingsitaliener wird per Internet nach Hause geliefert, auch die Steuererklärung wird online geregelt. Unser Leben gewinnt zunehmend an Erleichterungen. Nur im Straßenverkehr gilt das tägliche Stressmuster: Ob mit dem Auto durch die Stopp-and-Go-Rushhour oder mit dem zeitweise unzuverlässigen ÖPNV: In Zukunft soll sich etwas ändern. Apps wie „Ally“ des Unternehmens Door2Door oder „call-a-bus“ wollen den Straßenverkehr revolutionieren.

Hinter „Ally“ steckt das Konzep, Individual- mit Personenverkehr zu vernetzen. Über Smartphones und Algorithmen navigiert die App Pendler mit den besten Verbindungen durch die Stadt. Dabei berücksichtigt sie nicht nur die Nahverkehrsverbindungen, sondern auch Car-Sharing, Uber oder das klassische Taxi. Durch die Daten der Nutzer wird das Angebot ständig optimiert und ist bereits in mehr als 35 Ländern inklusive 200 Metropolen im Einsatz. Es geht vor allem darum, dass der bestehende Nahverkehr auf die Bedürfnisse der Kunden reagieren kann. Die Vision: ein Pendler wird an einem Ort abgeholt und kann aussteigen, wo er möchte. Geschäftsführer Tom Kirschbaum ist sich sicher: "Dadurch wird Nahverkehr effizienter, spart Zeit und Energie und schont die Umwelt."

Ähnlich soll das Konzept des Deutschen Zentrums für Luft- und Raumfahrt funktionieren. Im baden-württembergischen Schorndorf entwickelt man ein Verkehrskonzept, bei dem sich der Nahverkehr an die Ansprüche der Nutzer anpasst und auf feste Haltestellen verzichtet wird. Die Fahrtwünsche sollen per Smartphone-App „call-a-bus“, PC oder per Telefon mitgeteilt werden. Durch das System ohne Linien und Fahrpläne entstehen jedoch neue Herausforderungen, wie die Kommunikation zwischen Fahrgast, Busfahrer und Leitstelle, die in dem voraussichtlich 2018 startenden Pilotprojekt bewältigt werden müssen.
Wenn auch beide Vorhaben noch Entwicklungszeit benötigen, könnten sie den städtischen Nahverkehr, sowie Fahrgäste und Umwelt massiv entlasten. Problematisch könnte hierzulande die strikte Regulierung des Personenverkehrs werden.

Hyperloop: 1000 km/h und keine Emissionen


In einer halben Stunde quer durch Deutschland: Mit Schallgeschwindigkeit bräuchte man für die Strecke Berlin-München nur 30 Minuten. Ein Flugzeug schafft es in einer Stunde und zehn Minuten, An- und Abreise zum Flughafen nicht eingerechnet. Eine Zeitersparnis, die den Süden und Osten Deutschlands zusammen wachsen ließe und die 600 Kilometer zeitlich auf eine heutige Zugfahrt von 50 Kilometern zusammenschrumpfen ließe. Gleich mehrere Unternehmen arbeiten derzeit an Entwürfen von Tesla-Gründer Elon Musk.
„Be everywhere, move everything, connect everyone“, das ist die Vision des Start-Ups Hyperloop One. In einer Kapsel sollen Passagiere in Vakuumröhren über Ländergrenzen hinweg “geschossen” werden. Wie die Passagierkapseln genau aussehen sollen, ist noch offen, auch die Technologie steckt noch in der Entwicklung. Fest steht dabei bereits, dass der Hochgeschwindigkeitszug über 1.000 km/h mit einem Elektroantrieb erreichen soll. Die Energie für die Fahrt soll aus Solarzellen und regenerativen Bremsen genutzt werden, dadurch also komplett ökologisch sein. 2021 will das Unternehmen bereits erste Passagiere befördern. Zuletzt fuhr der schnellste Prototyp auf der eineinhalb Kilometer langen Teststrecke in Kalifornien aber gerade einmal 95 km/h.

Seit dem Start 2013 gewinnt das Unternehmen Hyperloop Transport Technologies international immer mehr Partner. Dazu gehören Unternehmen wie die französische Bahngesellschaft SNCF und die Deutsche Bahn, aber auch Universitäten. Neben dem Hauptsitz in Los Angeles soll jetzt in Toulouse ein europäisches Forschungs- und Entwicklungszentrum aufgebaut werden. Die Region in Südfrankreich beherbergt unter anderem auch den Hauptsitz von Airbus und gilt als das europäische „Aerospace Valley“.

Erste Interessenten an dem Projekt fand das Start-Up Ende Januar mit der Tschechischen Stadt Brünn. Konkret soll eine Studie die Umsetzbarkeit einer Hyperloop-Verbindung zwischen Brünn und Bratislava und einem möglichen Ausbau bis nach Prag untersuchen. Auch in Abu Dhabi soll die Möglichkeit für eine Hochgeschwindigkeitsverbindung betrachtet werden. In München wohnen und in Berlin arbeiten, in Zukunft vielleicht kein Problem mehr.

Skytran: Schwebende Kapsel macht Taxis überflüssig


Was Hyperloop für Langstreckenpendler lösen will, ist innerstädtisch immer noch ein Zeitfresser für millionen Bürger. Eineinhalb Stunden brauchen Kölner mit der Bahn vom Norden in den Süden der Stadt. Das Auto ist im Feierabendverkehr und abendlichen Kampf um Parkplätze keine lohnenswerte Alternative. Vielversprechend ist eine einspurige Schwebebahn, die Städter in kleinen Kapseln von A nach B transportieren könnte. Auf etwa sechs Meter hohen Stelzen will das Unternehmen Skytran Magnetschienen installieren, an denen Zwei-Personen-Fahrzeuge mit einer Geschwindigkeit von bis zu 250 km/h den städtischen öffentlichen Nahverkehr ergänzen sollen.

Per App sollen Fahrgäste eine Kabine zu einem beliebigen Stopp bestellen können, dann geht es ohne Zwischenhalt direkt zum gewünschten Ziel. Zum Einsatz soll die Technik erstmals in Lagos kommen. Als größte Stadt Nigerias und bevölkerungsreichste Stadt Afrikas erstickt die Metropole täglich im Verkehr. Ein Arbeitsweg von zwei bis drei Stunden ist für viele Einwohner Alltag. Gleichzeitig zählt Lagos zu einer der umweltbelastetsten Städte weltweit. Bei ihrem Plan, Smog zu reduzieren und Wege zu verkürzen, soll der Skytran die Regierung unterstützen. 2020 ist die Eröffnung einer ersten Strecke geplant. Auch auf der Yas-Insel in Abu Dhabi soll das System gebaut werden. Dort soll es zunächst Attraktionen eines Freizeitparkkomplexes verbinden und später auch zum Flughafen führen. Wann es soweit ist, ist bislang unklar.

Bis dahin stellen Sharing-Angebote und radfreundliche Städte eine gute Möglichkeit dar, uns flexibler und umweltfreundlicher fortzubewegen. Langfristig werden die verschiedenen Transportmittel immer individueller, die eigenen Wege intermodaler: Mit dem Rad von Haustür zum Elektroauto um die Ecke und in zehn Jahren vielleicht direkt zum Hyperloop. Ein eigenes Auto? Wäre sowieso viel langsamer als die Magnetschwebebahn an der nächsten Kreuzung.

Quellen:
thescienceexplorer.com
shz.de
carsharing-infos.com
Zeit
Greenpeace
zukunft-mobilitaet.net
carsharing-news.de
carsharing-news.de
reset.org
Süddeutsche Zeitung
hyperloop-one.com
Handelsblatt
Energiekonzept Hyperloop