Nachhaltigkeit & Innovation

Tag der Bienen: Bienen als Helfer der Energiewende

Das wichtigste Nutztier ist nicht etwa die Kuh oder das Schwein, sondern die Biene. Als einer der Hauptbestäuber von Blühpflanzen sorgt sie mit ihrer Arbeit dafür, dass wir mit nährstoff- und vitaminreichen Lebensmitteln versorgt werden. Doch der Bienenpopulation geht es derzeit schlecht - richtig schlecht. Die Stadtwerke Nürtingen bieten zur Rettung einen besonderen Tarif an.

Erst 2017 hat der Krefelder Entomologische Verein die Biomasse fliegender Insekten der letzten 27 Jahre kontrolliert und einen Rückgang von 75% festgestellt. Etwas überspitzt formuliert könnte man sagen, dass wir gerade dabei sind, unsere komplette Insektenvielfalt zu verlieren. Damit eingeschlossen sind natürlich auch Bienen und Co.

Tag der Biene: Kleine Lebewesen haben es oft nicht leicht

Deshalb gab es in den vergangenen Jahren viele Diskussionen um Verbote verschiedener Herbizide (Unkrautvernichter), wie zum Beispiel Glyphosat, auf das mittlerweile 181 Städte und Gemeinden verzichten. Ebenfalls im Verdacht, besonders schädlich auf die Bienenwelt einzuwirken, sind Neonicotinoide. Im Gegensatz zu Glyphosat sind Neonicotinoide Insektizide, die den Befall von Nutzpflanzen durch Schädlinge verhindern sollen. Mittlerweile weiß man, dass auch Bienen darunter leiden können. Die Europäische Behörde für Lebesmittelsicherheit (efsa) hat in einem Gutachten die schädliche Wirkung von Clothianidin, Imidacloprid sowie Thiamethoxam festgestellt und damit Zulassungsbeschränkungen für eben diese Neonicotinoide möglich gemacht.

Doch nicht nur der Einsatz von gefährlichen und giftigen Cocktails aus verschiedenen Chemie-Präparaten ist gefährlich für die Insektenwelt. Die Vielfalt unserer Landschaften macht den Bienen Probleme, unterschiedliche Nahrungsquellen sowie geeignete Orte für ihre Nester zu finden. Neben der Landwirtschaft mit ihren großflächigen Monokulturen sind auch die Gärten hierzulande für Bienen und Co. eher unattraktiv geworden, da sie überwiegend aus Rasen und einfachen Hecken bestehen oder gleich hauptsächlich Stein und Beton verwendet werden.

Mit Bienenstrom zum Bienenretter

Doch es gibt Projekte, die Abhilfe schaffen können. Dass dabei auch die Energiebranche eine Rolle gegen das akute Bienen- und Insektensterben spielen kann, ist zunächst nicht sehr naheliegend. Die Stadtwerke Nürtingen bieten jedoch den Tarif „Bienenstrom“ an. Die kleinen Honigproduzenten werden hierfür weder genutzt noch „verheizt“. Sie haben mit der Stromgewinnung direkt eher weniger zu tun – stattdessen sind sie die Profiteure. Für jede verbrauchte Kilowattstunde Strom wird ein Cent als „Blühhilfe-Beitrag“ in ein Projekt investiert, bei dem Blühflächen geschaffen werden, auf denen statt Mais Wildpflanzen angebaut werden sollen. Landwirte, die am Projekt beteiligt sind, bekommen als Entschädigung für höhere Anbaukosten und Ertragsminderungen einen finanziellen Ausgleich. Der Clou an der Sache: Die Wildpflanzen können im Anschluss ihrer „Lebenszeit“ zu Biogas weiterverarbeitet werden. Dass der Methan-Ertrag gegenüber dem Biomasse-Primus Mais etwas geringer ist, nimmt man aufgrund der Vorteile gerne in Kauf.

Natürlich liegt der Tarif preislich minimal über dem eines Grundversorgers und etwas über denen einiger Billigstromanbieter, allerdings geht es den Kunden, die diesen Tarif wählen, weniger um den günstigsten Strom als um eine nachhaltige Energieversorgung. Und wenn man mal ehrlich ist, sehen Wildblumenbeete einfach richtig schön aus.

 

Weitere Quellen:
Artikel zum Bienenstrom auf topagrar.com
Zum Bienensterben ein Artikel auf zeit.de
Tipps für einen bienenfreundlichen Garten
Beitrag des LWG Bayern zum Methan-Ertrag