Hier steh‘ ich, also park‘ ich – ein Kommentar zur Überlastung der Städte

Nun gibt es auch Fahrverbote in Köln und Bonn. Und der Diesel steht wieder im Fokus der medialen Berichterstattung. Aber was ist mit den restlichen Autos? Besonders das Parken führt immer wieder zu Problemen und trägt – wie nun in Hannover – seltsame Blüten.

von Matthias Epkes
News

Datum: 09.11.2018 14:23

Folgende Situation: In einer Nebenstraße in Hannover parken Anwohner auf dem Gehweg. Parkmöglichkeiten sind rar gesät, es scheint der letzte Ausweg zu sein, denn wo soll man denn sonst noch parken? Es klingt fast nach Notwehr. Nun hat die Stadt aber entschieden, Poller so zu positionieren, dass man als Autofahrer nicht mehr auf die Gehwege kommt, um dort zu parken. Die Stadt schiebt einer Handlung, die nicht erlaubt ist, den Riegel vor und bekommt dafür Ärger.

Die Argumentation auf Seiten der Besitzer folgt meist einem bekannten Muster. Sobald der Autoverkehr – egal ob parkend oder fahrend – in irgendeiner Art und Weise zugunsten anderer Mobilität beschnitten werden soll, gibt es die immer gleichen Argumente. Die Situation sei sowieso schon schwierig, man dürfe nicht Verkehrsteilnehmer gegeneinander ausspielen oder man würde mit solchen Maßnahmen für noch mehr Verärgerung im Straßenverkehr sorgen. Dass Fußgänger und Fahrradfahrer über Jahrzehnte an den Rand des öffentlichen Raums gedrängt wurden und werden, ist offensichtlich weniger problematisch. Aber: Wenn der Raum für Autos in der Stadt eng wird, ist es keinesfalls in Ordnung einfach die Bereiche der anderen zu beschneiden. Gehweg ist halt nun mal ein Gehweg und ein Radstreifen ein Radstreifen.

Feuerwehr, Müllabfuhr, ÖPNV – Falschparken wird zum Problem

Das Beispiel aus Hannover zeigt anschaulich, dass in deutschen Städten einige Dinge in den letzten Jahren bzw. Jahrzehnten schiefgelaufen sind. Die Meldungen darüber, dass vor allem die Anzahl an PKW zu Problemen führe, finden sich überall. In Essen beispielsweise drückt man beim Falschparken gerne mal ein Auge zu, weil man wisse, wie schwierig es ist mittlerweile ist, ein Parkplatz zu finden.

Die Berliner Verkehrsbetriebe (BVG) sollen indes selber Knöllchen verteilen dürfen. Wenn sie beispielsweise aufgrund von zugeparkten Wegen mit Bus und Bahn nicht weiterkommen, kommt der hauseigene Abschleppdienst. Derweil beklagen in einigen Städten Abfallentsorgungsunternehmen, dass sie in ihrer Arbeit behindert werden. Allein in Stuttgart sollen 1,5 Millionen Euro an Mehrkosten darauf entfallen, dass sie ihre Touren nicht planmäßig fahren können. Und last but not least: Feuerwehr und sonstige Einsatzfahrzeuge scheitern bei ihren Einsätzen immer wieder daran, nicht zu ihren Einsatzorten zu kommen.

Das Auto und das Autofahren an sich ist eine schöne Art der Fortbewegung. Das zeigt nicht allein die große Beliebtheit des Verkehrsmittels. Dennoch darf man die Augen nicht davor verschließen, dass Städte nicht auf wundersame Weise mehr Platz für sie schaffen können. Daher ist der Wunsch nach mehr Parkraum ebenfalls unsinnig.

Immerhin: Die Mehrheit der Bevölkerung wünscht sich sogar autofreie Innenstädte. Da ist nicht mal die Rede von „weniger“. Der Anteil derer, die allein eine Reduzierung wünschen, dürfte wohl noch höher sein. Wenn also Städte auch in Zukunft mehr im Bereich Mobilitätsalternativen machen möchte, dürfte sie sich über Rückhalt in der Bevölkerung sicher sein.