Energiekonzerne versuchen die Trendwende

Die Energieriesen Eon und RWE sind angesichts großer Verluste in den aktuellen Geschäftszahlen gezwungen, sich nach Alternativen umzusehen. Die erneuerbaren Energien geraten endlich weiter ins Blickfeld der bisher atomar- und kohlegeprägten Konzerne.

von Bente Löhndorf
News

Datum: 13.11.2015 17:30


Angesichts der weiterhin schlechten Entwicklung der Geschäftszahlen satteln die Energieriesen Eon und RWE langsam auf erneuerbare Energien um. Am Mittwoch legte Eon seinen dritten Quartalsbericht vor, RWE folgte am Donnerstag mit den Geschäftszahlen der letzten neun Monate. Darin ist zu lesen, dass RWE mittlerweile ein Zehntel seiner betrieblichen Erlöse durch das Geschäft mit erneuerbaren Energien macht. Obwohl in diesen Geschäftsbereich ein leichter Gewinn gegenüber dem Vorjahr festzustellen ist, kann diesen Rückgang im Gesamtgeschäft nicht auffangen.

Trotz Ausbau des Ökostromsegments große Verluste zu verzeichnen


Die Grünstrom-Tochter RWE Innogy weist mit 280 Millionen Euro einen Gewinn auf, der rund 30 Millionen Euro über den Zahlen aus dem Vorjahreszeitraum liegt. Dieser geht insbesondere auf die Inbetriebnahme der neuen Offshore-Windparks Gwynt y Môr vor der Küste Wales sowie des knapp halb so großen Parks Nordsee Ost nahe Helgoland zurück. Zusammen haben sie eine Gesamtleistung von 871 Megawatt, die Investitionskosten betragen rund 3 Milliarden Euro.

Bei einem Rückgang im betrieblichen Ergebnis von RWE um neun Prozent auf 2,6 Milliarden Euro ist der Gewinn der Ökostromsparte jedoch nur ein Tropfen auf den heißen Stein. Dem Plus von 30 Millionen Euro steht ein Rückgang von 230 Millionen Euro im Gesamtgeschäft gegenüber. Der milliardenschwere Verkauf der Öl- und Gasfördertochter Dea im ersten Quartal ließ immerhin die Schuldenlast um gut fünf Milliarden auf 25,8 Milliarden Euro sinken. Noch schlechter steht es um die Geschäftszahlen beim Konkurrenten Eon. In den ersten neun Monaten verbuchte der Energiekonzern einen Rekordverlust von knapp 5,7 Milliarden Euro. Die beiden DAX-Versorger gehören an der Börse innerhalb des Leitindex der deutschen Wirtschaft zu den fünf Verlierern im Hinblick auf die Risikokennzahl Volatilität. Zusammen mit dem krisengebeutelten Autobauer VW bilden die Energieriesen das Verlierertrio.

Auch RWE muss Umstrukturierungen ins Auge fassen


Sowohl Eon als auch RWE schieben die Entwicklung auf die stetig fallenden Strompreise an der Börse. Dass sie teilweise selbst an dieser Misere verantwortlich sind, findet hingegen keine Erwähnung. Mit der steigenden Produktion von Kohle- und Windstrom sinkt der Börsenpreis seit Jahren, auch in diesem Jahr sind wieder Rekordeinspeisungen zu erwarten.

Angesichts der Zahlen ist eine Aufspaltung von RWE nach dem Vorbild des Konkurrenten Eon in eine atomar-fossile und in eine "grüne" Sparte nicht auszuschließen. „Damit muss man sich ernsthaft befassen“, sagte Finanzvorstand Bernhard Günther. Nach jetzigem Stand bleibt es aber bei der Strategie, den Konzern als Ganzes zu erhalten.

Quelle:
klimaretter.info
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finanzen.net