Der EVP-Weihnachtsgrinch: Smartphones & Co: Rohstoffe und Müllberge sorgen für Probleme

Wenn es um die Produkte aus der Unterhaltungs- und Elektroniksparte geht, sind zwei Tage ganz besonders dick im Kalender der Handelsketten und Konsumenten markiert: Black Friday und Cy-ber-Monday. Allein an diesen beiden Tagen werden durch wahre Rabattschlachten bis zu 2,4 Milli-arden Euro umgesetzt. Doch der steigende, weltweite Konsum von Elektronikgütern sorgt in vielerlei Hinsicht für Probleme – für Mensch und Umwelt.

von Matthias Epkes
News

Datum: 07.12.2018 15:02

Rohstoffe gefährden Mensch und Umwelt in Entwicklungsländern

Das Problem bei Elektroprodukten kann man aus zweierlei Perspektiven betrachten. Der erste Blick richtet sich auf die benötigten Rohstoffe für Smartphones, Tablets und weitere Produkte. Kaum einer macht sich Gedanken darum, was alles in einem Handy verbaut worden ist und woher es stammt. Allein in unseren Smartphones finden sich Metalle wie Gold, Silber, Aluminium, Kupfer, Iridium, usw. Den Abbau von Rohstoffen, wie z.B. Tantal oder Cobalt findet vor allen Dingen in Entwicklungsländern statt, wo neben der Gesundheit der Menschen auch der Umwelt schwer geschadet wird. Arbeitskleidung oder besonderer Schutz für die teilweise gefährlichen Arbeiten existieren oftmals nicht. Auch Kinder werden immer wieder eingesetzt.

Die Löhne für die körperlich schwere Arbeit übersteigen meist nicht mal ein paar Euro pro Tag, was kaum zum Leben reicht. Immer wieder werden Kriege um die wertvollen und endlichen Ressourcen entfacht. Soziale Missstände, Umwelt- und Gesundheitsschäden stecken somit in vielen unserer digitalen Geräte. Internationale Richtlinien sollen zwar die Ausbeutung von Mensch und Natur eindämmen, allerdings werden diese nicht stark genug verfolgt bzw. bei Missachtung zu selten geahndet. Wer es drastisch möchte, kann sich über die Seite von Slavery Footprint ausrechnen lassen, wie viele Personen für das eigene Leben ausgebeutet werden. Ein wichtiger Baustein in dieser Berechnung: Die Nutzung von elektronischen Produkten.

Elektroschrott als Müllberg: Viele Rohstoffe gehen verloren

Das zusätzliche Problem: Es fehlt an Siegeln und Labeln, die einem Nutzer oder einer Nutzerin klar signalisieren, dass er oder sie ein einwandfreies Gerät in den Händen hält. Immerhin kann man sich über Stiftung Warentest über die Langlebigkeit eines Produktes informieren, um gezielt Produkte zu verwenden, die längerfristig genutzt werden können.

Die zweite Perspektive richtet sich auf das Lebensende vieler Produkte. Obwohl viele Geräte noch genutzt bzw.  relativ unkompliziert repariert werden könnten, landen sie auf dem Müll. Sollte man meinen. Allerdings wird nur ein Drittel recycelt. Viele der wertvollen Rohstoffe werden schlicht verschwendet. Allein in München müssten laut Bericht des BR 20kg Schrott im Jahr abgegeben werden, die Münchener bringen allerdings nur 7kg in die Wertstoffanlagen. 1kg wird sogar über den Hausmüll entsorgt und am Ende verbrannt. Ähnliche Zahlen gibt es auch für ganz Europa. Elektroschrott gilt als der größte wachsende Müllberg. Ein großer Teil des Müllbergs landet wiederum in Afrika, wo er nicht ordnungsgemäß entsorgt wird. Hier schließt sich wiederum der Kreis – mit neuerlichen Folgen für Umwelt und Menschen.

Umdenken in der Bevölkerung vonnöten

Doch es hilft alles nichts, wenn sich Leute jedes Jahr das neueste Handy holen, weil es einfach „schick“ ist. Geräte, die nicht mehr up-to-date sind, sollten zumindest aber ordnungsgemäß abgegeben werden, damit die Rohstoffe recycelt werden können. Außerdem gilt es den Druck auf die Produzenten und die Politik zu erhöhen, dem Verbraucher zu signalisieren, dass bei der Kaufentscheidung auch die Herkunft und Produktion Gründe für Kauf oder Nicht-Kauf sein können.

Es gibt also durchaus Stellschrauben: Längere Nutzung der Geräte, auch mal etwas reparieren und bei Ende ordnungsgemäß abgeben – dann kann man die Geräte auch mit guten Gewissen nutzen und sich an ihnen erfreuen.

Weitere Informationen aus und zu diesem Artikel finden Sie unter:
Verbraucherzentrale NRW
Beitrag des BR


DER EVP-WEIHNACHTSGRINCH

Weihnachten steht vor der Tür und das bedeutet für viele nicht nur eine besinnliche Zeit, sondern auch eine besonders stressige. Denn es heißt wie jedes Jahr: Was nur soll ich schenken? In dieser Zeit des Jahres werden Rekordumsätze an den Kassen erzielt. Der Handelsverband Deutschland (HDE) rechnet erstmals damit, dass die Schwelle von 100 Milliarden Euro überstiegen wird. Besonders der Handel über Online-Kanäle nimmt zu.

Schenken und vor allem Beschenkt-werden ist sicher eine schöne Sache und gehört zu Weihnachten dazu wie die Soße zum Festtagsbraten. Doch bei einigen Produktgruppen ist maßloser Konsum mit Folgen für Mensch und Umwelt verbunden. Daher spielen wir in diesen Wochen die Rolle des Grinch und machen in einigen Artikeln auf verschiedene Probleme aufmerksam. Nicht, um die Lust auf Weihnachten zu vermiesen, sondern zum Nachdenken anzuregen.