Hybride Stromnetze als Retter der Energiewende?

Durch die Energiewende wurde die Erzeugung von neuem Strom regional verschoben - vor allem der Norden produziert durch die boomende Windkraft derzeit sehr viel. Mit riesigen Stromtrassen bestehen zwar Möglichkeiten den Strom bundesweit zu verteilen, diese sorgen aber auch für eine Menge Ärger. Schweizer Forscher wollen sich eine weitere Lösung nun näher anschauen: Hybride Stromnetze.

von Matthias Epkes
News

Datum: 11.11.2015 14:00

Die Energiewende bietet nicht immer nur harmonische Vorstellungen einer CO2- und atomfreien Zukunft, sondern auch deutliche Konfliktpotentiale. Neben den Diskussionen, ob und inwieweit Kohle und Gas als Energieträger die Energiewende unterstützen sollen, wird über die geplanten Stromtrassen gerne und oft debattiert. Allerdings steht außer Frage, dass vor allem im Norden unseres Landes durch intensivere Nutzung von Windkraft Energie produziert wird, welche auch der Süden benötigt.

Die Kombination von Drehstrom und Gleichstrom


Einen neuen Ansatz, den Strom verlust- und vor allem konfliktfrei in den Süden zu bekommen, verfolgt derzeit die Eidgenössische Technische Hochschule (ETH) in Zürich. Hier erforscht man die Möglichkeit ein hybrides Stromnetz zu schaffen, d.h. in einigen Leitungen Wechselstrom, in anderen Gleichstrom zu führen. Heutzutage besteht das Stromnetz fast nur aus dem Dreiphasenwechselstrom (oder auch Drehstrom). Es hat sich als simple und vor allem robuste Methode bewährt, Strom zu übertragen. Allerdings hat diese Übertragung einen großen Nachteil: bei längeren Wegen, die der Strom zurücklegt, muss mit deutlichen Verlusten gerechnet werden.

Leitungen, die Gleichstrom übertragen, haben hier ihre Vorteile. Die Hochspannungsgleichstromübertragung (kurz: HGÜ) kann fast ohne irgendwelche Verluste Strom über tausende von Kilometer leiten. Dies passiert heute vor allem, wenn es um Seekabel geht, die den von Offshore-Windrädern produzierten Strom zum Festland führen. Das Problem bei der HGÜ sind die vergleichsweise teuren Konverterstationen, die den Gleichstrom in Drehstrom und später wieder rückumwandeln können. Schließlich produzieren die meisten Kraftwerke Drehstrom.

Nutzbarkeit hybrider Stromnetze noch zu überprüfen


Ob eine Kombination dieser beiden Methoden möglich ist, will die ETH Zürich ermitteln. So könnte Strom mit einer Gleichstromleitung von Nord nach Süd gebracht werden. Dafür müssten laut Hochschule nicht mal neue Trassen errichtet werden. Stattdessen würde man bestehende Strommasten dafür umbauen. Für andere Übertragungswege würde man dann wieder auf die Drehstromtechnik setzen.
Die Forscher stehen nach eigenen Aussagen am Anfang. Auch sie wissen noch nicht, wie sicher dieses System funktionieren kann und ob es sichbei bestimmten Witterungen anders verhält als angenommen. Allerdings ist die Planung in diese Richtung durchaus sinnig, da die Bevölkerung einen Fortschritt der Energiewende ohne ungeliebte neuer Stromtrassen sicherlich befürworten würde.

Quellen:
ethz.ch
siemens.com