Radioaktivität mal anders: Zwischen Gesundheitsgefahr und Beschwerdelinderung

Radioaktive Strahlung ist gefährlich, denn sie kann die Körperzellen des Menschen schädigen und so zu schwerwiegenden Erkrankungen führen. So viel ist spätestens seit den Atomunfällen von Tschernobyl und Fukushima mit ihren katastrophalen Ausmaßen bekannt. Radioaktivität geht allerdings nicht nur von Atomkraftwerken aus, sondern gelangt auch auf anderer Weise in die Umwelt des Menschen.

von Jule Krause
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Datum: 23.01.2018 16:54

In Deutschland sind etwa 7 Prozent aller Lungenkrebserkrankungen auf das Edelgas Radon oder dessen in der Lunge entstehende Zerfallsprodukte zurückzuführen - und dennoch wird das radioaktive Element als Heilmittel angewendet. Die richtige Dosis scheint der Schlüssel zum Erfolg zu sein.

Natürliches Radonvorkommen als Gefahr für den Menschen

Anders als ionisierende Strahlung aus künstlichen Strahlenquellen, wie Röntgenstrahlen, ist Radon ein radioaktives Zerfallsprodukt des natürlich vorkommenden Urans. Seine deutlichste Konzentration ist in Bergwerken, Höhlen und radioaktiven Gewässern nachweisbar. Doch das Gas dringt auch durch den Erdboden und bahnt sich unbemerkt seinen Weg durch Risse im Mauerwerk von Wohnhäusern. In Deutschland sind davon vor allem die Gebiete des Fichtel- und Erzgebirges, sowie die des Bayerischen Walds und des Schwarzwalds betroffen, da sich die Hauptlagerstätte des Urans in den Böden von Mittelgebirgen mit Granitstein befindet. Die Radonkonzentration erhöht sich zudem bei der Verwendung bestimmter Baustoffe, wie Granit oder vulkanischen Gesteinen.

Das Bundesministerium für Umwelt, Naturschutz, Bau und Reaktorsicherheit informiert auf seiner Homepage über die belastende Wirkung des Radons in Wohnräumen und stellt sogar einen Leitfaden zur Senkung der Radonkonzentration bereit. Es wird unter anderem empfohlen, die Wohnräume häufig zu Lüften und auf die Verwendung bestimmter Gestein-Platten beim Bau zu verzichten. Grund dafür: für den Menschen kann das durchsichtige, geruch- und geschmacklose Gas schnell zur Gefahr werden, denn das Lungenkrebsrisiko steigt durch eine hohe Strahlenbelastung nachweislich an. In der Vergangenheit sind vor allem im Bergbau häufig derartige negative Folgen verzeichnet worden.

Bereits in den 90er-Jahren wurde in Studien das Ausmaß des Lungenkrebsrisikos durch häusliche Radonexposition untersucht. Trotz Messunsicherheiten konnte ein klarer Zusammenhang zwischen dem Ausgesetztsein mit Radon und dem Lungenkrebsrisiko festgestellt werden. Die Strahlenschutzkommission hat die Untersuchungen in einer Stellungnahme zusammengefasst. Forscher des Umweltinstituts München e.V. fanden außerdem heraus, dass die Säuglingssterblichkeit und die Krebsmortalität auf der eine Seite und das Aufkommen natürlicher Radioaktivität auf der anderen Seite signifikant zusammenhängen. In ihrer Studie konnte gezeigt werden, dass eine Steigerung der Strahlenbelastung die Krebsrate und die Sterblichkeit der Säuglinge erhöht.

Die richtige Strahlendosis als erfolgreiches Heilmittel

Menschen mit Rheumabeschwerden oder chronischen Schmerzen berichten dennoch von einer Linderung ihrer Schmerzen durch die Behandlung mit dem radioaktiven Stoff. Wie ist es möglich, dass die Strahlung, trotz aller Gesundheitsrisiken, eine therapeutische Wirkung entfalten kann? Radon zerfällt spontan in mehreren Schritten und sendet dabei stark energiereiche Alphastrahlen aus. In der richtigen Dosierung haben diese eine heilende Wirkung auf den Körper, da sie das Immunsystem stimulieren. Professor Dr. Claudia Fournier vom GSI Helmholtzzentrum für Schwerionenforschung hat die Wirkungen und Risiken der Radonstrahlentherapie untersucht. In einer Radonkammer beobachteten sie und ihr Forscherteam die Bestrahlung rheumatischer Mäuse. Das Ergebnis: die Gelenke der Mäuse waren nach der Bestrahlung tatsächlich beweglicher. Somit scheint sich die gesundheitsfördernde Wirkung des Radons zu bestätigen.

Behandlungen in sogenannten Heil- bzw. Radonstollen versprechen daher eine effektive Schmerzlinderung und Entzündungshemmung. Dabei wird das Edelgas, welches im Fels eingelagert ist, über die Luft inhaliert. Auch spezielle Radonbäder in Gewässern der Heilquellen in verschiedenen Kurorten enthalten eine höhere Radonkonzentration und sollen so die Schmerzen der Patienten lindern. Ein Kurzfilm des Auswärtigen Amtes informiert über die heilende Wirkung und Funktionsweise des Radons.

Somit wird deutlich: die Aussetzung radioaktiver Substanzen stellt ein beträchtliches Gesundheitsrisiko für den Menschen dar, das es zu minimieren gilt. In niedrigen Dosen kann natürlich vorkommendes Radon jedoch tatsächlich eine heilende Wirkung besitzen, die nicht zu unterschätzen ist.

 

Weitere Quellen:

http://www.seilnacht.com/Lexikon/86Radon.htm

https://www.mdr.de/wissen/radon-natuerliche-radioaktivitaet-krebsgefahr-100.html