Nicht immer vorbildlich: Manchmal tricksen auch Stadtwerke beim Strom

Bei Stromdiscountern ist oftmals besondere Vorsicht geboten. Über die verschiedenen Maschen haben wir auf dem Energieverbraucherportal schon berichtet. Kommunale Stadtwerke versuchen, mit unterschiedlichen Strategien auf die Konkurrenz der Billiganbieter zu reagieren. Manchmal lassen sich jedoch auch Grundversorger dazu hinreißen, sich mit fragwürdigen Methoden Vorteile zu verschaffen.

von Sven Ebbing
News

Datum: 28.06.2018 16:38

Ein aktuelles Beispiel aus der Nähe von Hannover: Dort ermittelt zurzeit das niedersächsische Wirtschaftsministerium gegen die Stadtwerke der Gemeinde Springe. Das Unternehmen steht laut Ministerium „im Verdacht, missbräuchlich überhöhte Preise von ihren Kunden zu verlangen“. Es geht dabei um jene sieben Prozent aller belieferten Haushalte, die den Grundversorgungstarif bezahlen. Die Landeskartellbehörde hat die Stadtwerke Springe nun ins Visier genommen. Dagegen wehrt sich das Unternehmen, genau wie die neun weiteren beschuldigten Grundversorger in Niedersachsen. Sollten die Anbieter ihre Preisgestaltung allerdings nicht plausibel begründen können, darf die Kartellbehörde eine Preissenkung anordnen. Der Fall wirft ein Schlaglicht darauf, dass auch Stadtwerke nicht immer ausschließlich im Sinne der Kunden handeln.

Des Neukunden Freud ist des Bestandskunden Leid

Um die Preispolitik der Grundversorger geht es auch bei einem häufig gehörten Vorwurf, den die Verbraucherzentrale NRW genauer untersucht hat. So ist es für Bestandskunden bisweilen ärgerlich, dass sie mit Preiserhöhungen konfrontiert werden, während Neukunden mit teilweise deutlich günstigeren Tarifen gelockt werden. Neben zahlreichen Stromdiscountern verfahren (oder verfuhren) offenbar auch einige kommunale Anbieter nach dieser Praxis. Wenn Grundversorger ankündigen, die Preise zu erhöhen, sollten Bestandskunden also genau prüfen, ob Neukunden weniger bezahlen. In diesem Fall sollten sie vom Stromanbieter den Neukunden-Tarif verlangen und einen Wechsel androhen. Willigt der Anbieter nicht ein, kann der Kunden einen günstigeren Konkurrenten wählen.

Bei Problemen sind die Stadtwerke besser zu erreichen

Dubiose Vertriebspraktiken, wie unerlaubte Werbeanrufe oder unzulässige Vertragslaufzeiten, sind bei Stadtwerken im Gegensatz zu Stromdiscountern die Ausnahme. Dennoch sollten Verbraucher nicht nur bei Billiganbietern, sondern auch bei Grundversorgern aufmerksam sein und insbesondere Preiserhöhungen stets hinterfragen. Falls es zu Unstimmigkeiten kommt, haben Stadtwerke aber in der Regel einen großen Vorteil: Sie sind viel besser zu erreichen. Neben Online-Portalen und Telefon-Hotlines betreiben sie meistens auch Kundenzentren, in denen Verbraucher vor Ort ihre Anliegen äußern können.

 

SCHWERPUNKTTHEMA: DURCHBLICK IM STROMMARKT

Im Tarifdschungel des Strommarktes mit all seinen Anbietern und Tarifangeboten seit der Liberalisierung kann es leicht zu Verwirrung und Unsicherheit beim Verbraucher kommen. Schließlich gibt es beim Wechsel einiges zu beachten, um die eigenen Präferenzen – sei es ein günstiger Preis oder bestimmte Umweltkriterien- langfristig zu decken. In unserem Schwerpunktthema beleuchten wir gängige Praktiken und Auswüchse des Strommarktes, werfen einen Blick zurück und schaffen und versuchen Tipps zu geben, wie ein Anbieterwechsel zufriedenstellend gelingt.

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