Der 100-jährige Schutzmantel von Tschernobyl

30 Jahre nachdem das Kernkraftwerk bei Tschernobyl explodierte, strahlt die schädliche Radioaktivität vor Ort immer noch. Damals waren fünf Prozent radioaktiver Strahlung entwichen und verunreinigten große Teile Europas nuklear. Seit Ende November 2016 nun umhüllt eine neue Schutzhülle die Atomruine.

von Christina Schröder
News

Datum: 29.11.2016 17:10

100 Jahre lang soll die neue Hülle den Austritt von Strahlen verhindern und das AKW vor Umwelteinflüssen schützen. Das oft als Sarkophag betitelte Konstrukt wurde innerhalb von sechs Jahren erbaut und gilt als größtes bewegliches Bauwerk der Welt. Zwei Milliarden Euro kostete das Stahlobjekt, an dessen Finanzierung unteranderem auch Deutschland beteiligt ist.

Neuer Mantel ersetzt mürbes Konstrukt


Die 86.000 m2 große Hülle ist der Nachfolger der ersten Schutzmaßnahme, die sowjetische Arbeiter aus Beton und Stahl kurz nach dem Unfall am 26. April 1986 durchführten, um den strahlenden Reaktor abzudichten. Die 30 Jahre alte Notlösung steht nach dauerhafter Bestrahlung vor dem Zerfall. Der neue Mantel aus Beton und Stahl soll nun die Außenwelt vor dem Inneren (circa 180 Tonnen strahlendes Material, von dem niemand weiß, wo es liegt und in welchem Zustand es ist) schützen.

Strahlenbelastete Baustelle und keine endgültige Lösung


Doch so beruhigend wie es klingt, ist es nicht unbedingt. Trotz Nuklearsicherheit durch Spezialisten der ganzen Welt sind die Bedingungen auf der Baustelle alles andere als gut. Die 1500 AKW-Arbeiter sind einem hohen Risiko und damit einem ähnlichen Schicksal ausgesetzt, wie die ehemaligen Arbeiter. Von ihnen ist mittlerweile ein Viertel verstorben. Haupttodesursache: Leukämie.

Ausblick mit vielen Fragezeichen


Die neue Metallhülle soll es nun zusätzlich ermöglichen, radioaktiven Müll zu bergen und zu entsorgen. Wie das Vorhaben konkret umgesetzt werden soll, weiß allerdings niemand. Es fehlt nicht nur die nötige Technologie, sondern auch der Geldgeber.100 Jahre soll der stillgelegte Atomriese schlafen. Zeit für die Experten, eine Strategie zu entwickeln, durch die der Rückbau der gefährlichen Stoffe im Inneren ermöglicht wird. Hoffentlich wacht der Riese nie wieder auf.

Quellen:
Zeit
morgenpost.de
Zeit