Energiewende unterirdisch – Sollten Stromkabel in die Erde?

Freileitungen sind vielen Bürgern ein Graus. Allerorts schließen sich Betroffene zu Bürgerinitiativen zusammen. Sie beklagen die Verschandelung der Landschaft und die Gefahren für die Gesundheit durch Elektro-Smog. Viele sehen in unterirdischen Erdkabeln die Lösung – doch auch hier gibt es noch viele Probleme. Das Energieverbraucherportal wagt einen Blick auf die Thematik.

von Matthias Epkes
News

Datum: 11.11.2015 13:51

Viel Aufwand beim Bau von unterirdischen Stromtrassen


Derzeit baut der Stromnetz-Betreiber Amprion im Münsterland eine Stromtrasse als Pilotprojekt. Die 3,4 Kilometer lange Teststrecke bei Raesfeld ist Teil der Stromleitung zwischen Wesel in Nordrhein-Westfalen und Meppen in Niedersachsen. Ein etwa 20 Meter breiter Graben durchbricht dabei die idyllische Landschaft. Die für diesen Bau benötigte Fläche ist sogar über 40 Meter breit. Einige Dutzend Bauarbeiter sind mit zahlreichen Gerätschaften mit der Arbeit beschäftigt. In nur zwei Meter Tiefe liegen am Ende dann die Leitungen, die bis zu 380.000 Volt leiten können. Dabei sind sie eingebettet in einer Art Flüssigboden, ein Mix aus Erde, Tonmineral und Zement, der für jeden Abschnitt neu gemischt werden muss – immer den jeweiligen Besonderheiten angepasst.

Es steckt also eine Menge Arbeit dahinter, wenn es darum geht, sich ungeliebte oberirdische Freileitungen zu ersparen. Allerdings werden die Trassen auch nach Fertigstellung der Bauarbeiten mit bloßem Auge zu sehen sein. Bei Schnee etwa wird eine Schneise entstehen. Die Starkstromkabel geben beim Leiten von Strom eine Temperatur von ungefähr 50 Grad ab, was den Schnee darüber schmelzen lässt. Das Gleiche gilt für bewaldete Teilstücke. Aber auch sonst lassen sich die tiefergelegten Stromkabel erkennen. Da die Kabeleinheiten nur maximal 1000 Meter lang sein können, braucht es spezielle Grabenbauwerke für Verbindungsmuffen, die dann selbstverständlich oberirdisch liegen.

Finanziell hoher Aufwand für die Erdkabel


Nichtsdestotrotz erscheint für viele Bürgerinitiativen und Anwohner dieser Aufwand angemessen zu sein. Die Netzbetreiber begehen mit dem Bau unterirdischer Trassen allerdings Neuland. Es ist über den Betrieb solcher Leitungen bis dato wenig bekannt. Man geht davon aus, dass die Lebensdauer bei etwa 40 Jahren liegt, im Gegensatz zu Freileitungen, die in der Regel eine mehr als doppelt so lange Lebensdauer haben. Man nimmt an, dass Probleme bei Kabeln insgesamt seltener auftauchen, diese allerdings müssen sorgfältig analysiert werden. Die Behebung kann dann mehrere Monate dauern. Freileitungen können sogar binnen Stunden repariert werden, sind dafür aber anfällig für Wind, Eis und Blitzeinschläge.

Am Ende spielt in der Diskussion um das für und wider von Stromtrassen die Finanzierung eine große Rolle. Die Erdkabel sind deutlich teurer als die Freileitungen. Für jeden Kilometer, der verlegt wird, werden je nach Beschaffenheit zwischen 4 und 16 Millionen Euro fällig, dazu kommen erhöhte Reparatur- und Ausfallkosten. Die Kosten, die für die Stromleitungen entstehen, werden auf alle verteilt, die von diesen Trassen profitieren und dazu zählen neben der Wirtschaft auch die Verbraucher.

Strom komplett unterirdisch wird es nicht geben


Erdkabel werden bisher kaum verwendet, können aber für den Ausbau und die Akzeptanz der großen Stromautobahnen und somit für die Energiewende enorm wichtig werden. Allerdings müssen für die Energiewende mehrere tausend Kilometer Hochspannungsleitungen gebaut werden. Es scheint absurd, diese komplett zu vergraben. Wo der Strom unter die Erde kommen soll, darf die Politik allerdings nicht alleine entscheiden. Die Anwohner sollten hierbei ein Wörtchen mitreden dürfen.

Quellen:
Welt
Handelsblatt
Wirtschaftswoche Green
Netzausbau.de