Zugang zu sauberem Trinkwasser: Privileg statt Normalität

Für uns gehört der Gebrauch von Wasser zum Alltag, bei der wir uns nur sehr selten fragen, was wir tun würden, wenn Wasser eine begrenzte Ressource wäre. Für viele Menschen weltweit sieht das ganz anders aus: Ihre Versorgung mit sauberem Trinkwasser ist katastrophal. Aus diesem Grund sollten wir nicht nur am Weltwassertag über Konsum und Wasserverbrauch nachdenken.

von Jule Krause/ Matthias Epkes
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Datum: 22.03.2019 15:32

UN-Wasserbericht beklagt: Zwei Milliarden Menschen ohne Zugang zu sauberem Trinkwasser

Laut dem UN-Wasserbericht für 2019 sieht für zwei Milliarden Menschen auf der Welt die Realität traurig aus: Sie sind vom Wassermangel betroffen und haben keinen Zugang zu sicherem Trinkwasser. Vielen Menschen stehen somit nicht einmal mindestens 50 Liter pro Tag und Kopf zur Verfügung, die es laut UNO braucht, um grundlegende Bedürfnisse zu decken (in Deutschland liegt der Verbrauch bei etwa 122 Liter). Etwa 844 Millionen Menschen müssen, um an Wasser zu gelangen, täglich eine halbe Stunde aufwenden. Über 50 Staaten sind weltweit von sogenanntem Wasser- bzw. Trockenstress betroffen.

Laut einer Studie von Mekonnen und Hoekstra (2016) sind sogar zwei Drittel der Weltbevölkerung (in etwa vier Milliarden Menschen) zumindest temporär von Wasserknappheit betroffen. Das bedeutet, dass sie zusammengerechnet mindestens einen Monat im Jahr ohne direkten Wasserzugang leben. Die Hälfte der betroffenen Menschen lebt in Indien und China. Die Nachfrage erhöhen Zuwachs, Änderungen der Lebensstandards, neue Konsummuster und die Landwirtschaft, während das (Wasser-)Angebot dies kaum noch decken kann.

Geflüchtete und benachteiligte Menschen sind vom Wassermangel besonders betroffen

Der UN-Wasserbericht mahnt zudem, dass gerade besonders Benachteiligte und Geflüchtete Versorgungsengpässe erleiden. Zu den benachteiligten Personen gehören Menschen, „die aufgrund ihres Geschlechts, Alters, sozioökonomischen Status, ethnischen, religiösen oder sprachlichen Identität benachteiligt oder diskriminiert werden“ (Def. UNESCO-Kommission). In Flüchtlingslagern sieht die Situation erwartungsgemäß nicht besser aus. Auch wenn beispielsweise im südsudanesischen Maban die paradoxe Situation herrschte, dass Flüchtlinge eine größere Ration Wasser erhielten als die dortige Bevölkerung zur Verfügung hatte, die ihr Wasser aus Brunnen holen.

Fließend Wasser auch in Europa nicht immer selbstverständlich

Selbst in Europa läuft das Wasser nicht überall wie selbstverständlich. Laut Bericht leben in Europa und Nordamerika 57 Millionen ohne Wasserleitungen. Für Deutschland hingegen sieht die Situation deutlich besser aus. Fast 100 Prozent der Haushalte sind hierzulande an die öffentliche Wasserversorgung angeschlossen. Die Deutsche UNESCO-Kommission bemängelt allerdings den schlechten Zustand der deutschen Flüsse und Bäche, denn nur sieben Prozent seien in einem guten bzw. sehr guten Zustand. Die Ursache hierfür wird in der Landwirtschaft gesehen.

Dass die Wasserversorgung längst nicht mehr nur Problem der Entwicklungsländer ist, zeigt Großbritannien. Die englische Umweltbehörde spricht von einer „existenziellen Bedrohung“, so heißt es in einem Artikel der Welt. In 20 bis 25 Jahren würde Wasser dauerhaft knapp werden. Ein Grund wie so oft: Der Klimawandel könnte für steigende Temperaturen sorgen, was zu weniger Wasser in den Flüssen führe. Bevölkerungswachstum und steigende Nachfrage befeuern die schwierige Situation.