Industrie kauft Wissenschaft gegen den Klimawandel

Der angesehene Wissenschaftler Wie-Hock Soon gilt als einer der größten Skeptiker des Treibhauseffekts. Was nun herausgekommen ist: Die bekannten Arbeiten des Harvard-Wissenschaftlers wurde über Jahre anscheinend wesentlich stärker von der US-Energielobby gesponsert als bisher bekannt.

von Bente Löhndorf
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Datum: 11.11.2015 13:50

Über viele Jahre widersprach der anerkannte Wissenschaftler Wei-Hock Soon der verbreiteten Theorie des Treibhauseffekts: Nicht das von Menschen produzierte CO2 sondern Schwankungen in der Sonnenaktivität seien für die Erderwärmung verantwortlich. Informationen der New York Times zufolge sind die Parolen des Astrophysikers vom renommierten Harvard-Smithsonian Center jedoch gekauft. So habe der Wissenschaftler in den vergangenen zehn Jahren über 1,2 Millionen Dollar von der US-Energielobby für seine Studien erhalten, wie Greenpeace offenlegte. Das ist wesentlich mehr als bisher bekannt gewesen war.

„Lieferbare Ergebnisse“ auf allen Kanälen


Obwohl Soon in der Vergangenheit wiederholt betonte, seine Arbeit sei frei von industriellen und finanziellen Einflüssen, schreibt die US-Zeitung, es habe seit 2008 mindestens elf Aufsätze unter der Autorenschaft des Wissenschaftlers gegeben, in denen vorliegende Interessenkonflikte verschwiegen worden wären. Acht davon würden zudem die ethischen Grundsätze der Zeitschriften verletzen, in denen die Arbeiten veröffentlich worden waren. Der Chef des Haravard-Smithsonian Center bestätigte die Vorwürfe und räumte ein, Soon habe die Offenlegungsstandards seines Hauses verletzt.

Der Wissenschaftler galt bisher als Ikone unter den Zweiflern am anthropologischen Treibhauseffekt. Nicht nur in wissenschaftlichen Aufsätzen verbreitete er seine Ideen, auch in Konferenzen, Fernsehauftritten und vor dem US-Kongress trat er als prominenter Skeptiker auf. Intern soll Soon seine entlohnten Aufsätze und Auftritte als „lieferbare Ergebnisse“ bezeichnet haben.

PR für ein Saubermann-Image


Unter den Geldgebern befinden sich namenhafte Unternehmen und Gruppierungen wie die Stiftung des radikalen Industriellen Charles Koch, der Interessenverband der US-Ölindustrie sowie der amerikanische Stromversorger Southern Company. Sie fürchten eine schnelle Abnahme der Nachfrage nach Öl, Kohle und Gas, wenn sich die wissenschaftliche Mehrheitsmeinung vom Klimawandel durch erhöhten Kohlendioxidausstoß durchsetzt. Der ins Leben gerufene PR-Feldzug in den USA streut mit Hilfe wissenschaftlicher Sprecher Zweifel am Konsens der Klimaforschung. Wie-Hook Soon, dessen Arbeit von Klimaexperten als schlampig und sinnlos abgelehnt wird, scheint Teil dieses Systems gewesen zu sein.

In internationalen Ölkonzernen ist jedoch mittlerweile eine Abkehr von dem Propaganda-System zu beobachten. Der langjährigen Finanzier von Soons Arbeiten, der US-Konzern Exxon Mobil, hat seine Zahlungen laut Informationen des Manager Magazins bereits 2010 eingestellt als sie erstmals bekannt wurden. Stattdessen wechseln immer mehr Lobbyisten die Seite. So forderten in jüngster Zeit die Chefs von BP und Shell vermehrtes Engagement für Klimaschutz und traten für eine CO2-Steuer ein. In dem Versuch ihr Image aufzupolieren und als nachhaltig zu gelten, positionieren sich Öl- und Gasindustrie gegen die Kohlebranche, die weitaus mehr Kohlenstoffdioxid verursacht als andere fossile Brennstoffe.

Quellen:
Stern
New york Times
Börsen-Manager Magazin