Bundesregierung verschläft Regelungen für Smart Meter

Die Bundesregierung möchte bis 2020 in fast allen Häusern intelligente Stromzähler, sogenannte Smart Meter, installieren lassen. Eine Pflicht gilt bereits heute – allgemein gültige Regelungen für die Geräte fehlen dagegen. Auch Wirtschaftlichkeit und Datenschutz werfen Fragezeichen auf.

von Matthias Epkes
News

Datum: 11.11.2015 13:58

Stromzähler sollen beim Stromsparen helfen


Erneuerbare Energien haben die Angewohnheit, dass ihr Stromangebot gewissen natürlichen Schwankungen unterliegt. So gibt es Zeiten, in denen sie besonders viel Strom produzieren, wohingegen in anderen Momenten eher wenig Strom ins Netz eingespeist wird. Deshalb ist nicht nur die optimale Einspeisung des Stroms entscheidend, sondern auch die Seite der Endverbraucher. Für Unternehmen gibt es bereits erste Ideen, im Sinne eines Lastenmanagements flexibel auf unsichere Versorgungslagen reagieren zu können. Mit sogenannten Smart Metern, oder auch intelligenten Stromzählern, sollen auch kleine, private Haushalte in der Lage sein, Strom zu günstigen Bedingungen einzukaufen. Darüber hinaus lässt sich mit diesem System angeblich Geld verdienen, wenn Besitzer von eigenen Stromspeichergeräten Strom ins Netz einfließen lassen, wenn der Preis gerade hoch ist.

Doch damit dies funktionieren kann, sind allgemein gültige Regelungen von Seiten der Bundesregierung wichtig. So können derzeit noch nicht alle Smart Meter mit allen Versorgern kommunizieren. Ein Austausch zwischen den Geräten und den Versorgern ist aber zwingend notwendig, damit eine smarte und effiziente Energieversorgung funktionieren kann. Interessant ist zudem, dass die eigentliche zentrale Behörde, die Bundesnetzagentur, über die Anzahl der derzeit aktiven Smart Meter keine Auskunft geben kann.

Bis 2020 möchte die Bundesregierung, dass 80% aller Haushalte in Deutschland über ein solches Gerät verfügen. Für Neubauten und Totalsanierungen gilt bereits eine Pflicht. Die Schaffung allgemein gültiger Regelungen hat man dabei jedoch vergessen, obwohl bereits ca. eine halbe Millionen Smart Meter – teilweise in Pilotprojekten – in Betrieb ist.

Studie besagt: Smart Meter bringen wenig für den Geldbeutel


Der Einsatz der Stromzähler soll es also möglich machen, deutlich an Energie einzusparen. Ob sich dies aber für die Verbraucher lohnt, ist fraglich. Eine 2013 vom Bundeswirtschaftsministerium in Auftrag gegebene Studie gibt dem Konzept mit Smart Meter sehr schlechte Noten. Der Normalverbraucher würde laut dem Gutachten von Ernest & Young kaum von der Installierung eines intelligenten Stromzählers profitieren. Im Gegenteil seien Verbraucher mit einem geringen Stromverbrauch kaum in der Lage, „selbst bei sehr starken Stromeinsparbemühungen und erheblichen Lastverlagerungen“ die anfallen Kosten zu kompensieren.

Datenschutz ist in Gefahr


Ein weiterer Kritikpunkt am Einsatz von Smart Metern sind die anfallenden Daten und deren Umgang mit ihnen. Anhand der Daten, die die Geräte an die Stromproduzenten senden, könnte man durchaus erkennen, wie die Bürger ihren Alltag strukturieren und wie sie leben. Ob sie am gestrigen Abend noch länger wach waren, wann sie zur Arbeit gehen, wann sie geduscht haben usw.. Dies wäre ein großer Eingriff in die Privatsphäre. Ernest & Young schlägt in ihrer Studie sogar vor, dass die Stromerzeuger die Daten an Dritte verkaufen sollen, um zusätzliche Einnahmen zu erwirtschaften. Spätestens hier sollte der Unmut der Bevölkerung groß werden.

Quellen:
Zeit
Spiegel
Spiegel