Politik & Wirtschaft

Steigende Energiepreise - Haushalte zahlen Großteil der Energiewende

Ende des Jahres können sich Verbraucher auf Ankündigungen zu steigenden Energiepreisen einstellen – wie in den letzten Jahren eigentlich immer. Gerade der Strompreis ist in den letzten 20 Jahren kontinuierlich gestiegen, nicht zuletzt durch die vielen enthaltenen Umlagen und Steuern. Besonders im Fokus steht die EEG-Umlage zum Ausbau regenerativer Energie.

Es klingt eigentlich unglaublich. Vor 19 Jahren kostete die Kilowattstunde Strom noch gerade 14 Cent. Mittlerweile liegt der Strompreis durchschnittlich bei 30 Cent. Somit hat sich in dieser Zeit der Preis mehr als verdoppelt. Die Kostentreiber der vergangenen Jahre sind dabei verschiedene Abschläge, Steuern und Umlagen, die den Verbrauchern auferlegt wurden. Mittlerweile bezahlen wir nur noch ein Viertel des Strompreises an den jeweiligen Versorger. Besonders im Fokus liegt die Umlage des Erneuerbare-Energien-Gesetz (EEG). Die Umlage wird für jedes Jahr von den großen Netzbetreibern festgelegt und beträgt für 2019 ungefähr 6,4 Cent pro Kilowattstunde.

Die EEG-Umlage wurde 2000 initiiert, um die Energiewende zu unterstützen. 2008 betrug sie noch 1,17 Cent pro Kilowattstunde. Davon kann man heute nur träumen. Doch wie genau berechnet sich diese Umlage?

Produzenten von Ökostrom verkaufen ihren Strom an Netzbetreiber und bekommen dafür eine Einspeisevergütung - quasi als Förderung dafür, dass sie grünen Strom produzieren. Die Netzbetreiber verkaufen an der Börse diesen grünen Strom allerdings zu einem Marktpreis, der niedriger als die Einspeisevergütung ist. Diese Differenz wird mit der EEG-Umlage finanziert. Dadurch entsteht die paradoxe Situation, dass die EEG-Umlage steigt und damit auch der Preis, den Endverbraucher zahlen müssen, während der Preis an der Strombörse eigentlich sinkt. Die Versorgungsunternehmen geben den Anteil an Abgaben und Steuern des Strompreises in der Regel komplett an den Endverbraucher weitergeben. So weit so ärgerlich, aber für die Förderung der Energiewende ein wichtiger Baustein.

Konzerne werden bevorteilt – Haushalte sind bei EEG „nicht privilegiert“

Solange alle die Umlage zahlen wird die Last gemeinsam getragen, damit wir grüneren Strom bekommen. Aber zahlen es alle? Die besondere Krux: Großkonzerne mit gewaltigem Stromverbrauch werden von der Umlage befreit, während der Verbraucher die vollen Kosten trägt. Stromgerechtigkeit sieht anders aus.

Insgesamt wurden in Deutschland 2100 Konzerne von der EEG zu großen Teilen befreit. Diese Konzerne gelten als besonders energieintensive Konzerne. Privilegierte Letztverbraucher heißen die dann. 2017 wurden insgesamt 468.000 Gigawatt an Strom letztverbraucht, davon entfallen auf die privilegierten Konzerne 113.000 Gigawatt. Also gut ein Viertel des verbrauchten Stroms wird privilegiert. Da diese Großverbraucher die EEG-Umlage nicht zahlen brauchen, fehlen Milliardenbeträge, die von den privaten und nicht-privilegierten Unternehmen, bezahlt werden müssen.

Wer sich nun denkt „Dann lasse ich einfach öfter mal das Licht an und werde auch Großverbraucher“ wird das nur schwerlich erreichen. Als Grenze für den Privilegierten-Status liegt bei 1 Gigawatt/h. Im EEG ist unter anderem in zwei Listen festgehalten, welche Branchen Konzerne zugehören müssen, um befreit zu werden. Als Grund wird von der Wirtschaft eine mögliche Abwanderung der Produktion ins Ausland und somit Arbeitsplatzverluste genannt. Und wird oftmals Kritik laut. Kritiker vermissen bei dieser Regelung die Kostengerechtigkeit und sehen die Vergünstigungen als Industriesubventionen, die vor allem zu Lasten der Haushalte gehen. Zudem sei es nicht einzusehen, dass „beispielsweise Großschlachtereien, Hersteller von Plastikverpackungen oder Erfrischungsgetränken“ von der Umlage befreit würden, so Julia Verlinden, Sprecherin für Energiepolitik der Grünen-Fraktion im Bundestag. Nur Branchen, die tatsächlich im internationalen Wettbewerb stehen würden, sollten befreit werden.

Energiepreise: EEG-Umlage 2020 steigt wieder mal

Und dann gleich eine andere Hiobsbotschaft für Haushalte: Für 2020 gilt als wahrscheinlich, dass die EEG-Umlage wieder leicht ansteigen wird. Laut der Denkfabrik Agora Energiewende wird die Umlage irgendwo zwischen 6,5 und 6,7 Cent liegen. Allerdings ist ein Kostengipfel absehbar. Die Denkfabrik geht für 2021 vom höchsten Wert 7 Cent aus, danach dürfte die Umlage sinken. Das läge vor allem daran, dass die ersten kostenintensiven Anlagen aus dieser Förderung fallen werden.

Mit Spannung wurde ebenfalls das Maßnahmenpaket des von der Bundesregierung initiierten Klimakabinetts erwartet. Ein zentrales Element dieses Pakets ist die Einführung einer CO2-Bepreisung. Für Verbraucher können dadurch an ein zwei Stellen eine höhere finanzielle Belastung entstehen. Für Entlastung sollen verschiedene Dinge sorgen, so zum Beispiel eine schrittweise Reduzierung der EEG-Umlage. „Ab 2021 wird die EEG-Umlage um 0,25 Cent pro kWh gesenkt. Entlang des CO2- Bepreisungspfades beträgt die Entlastung 2022 0,5 Cent pro kWh und 2023 0,625 Cent pro kWh“, heißt es dazu in der Erklärung der Bundesregierung. Damit werden wir auch 2023 über 6 Cent für die EEG-Umlage liegen, was gefühlt kaum eine Entlastung bedeutet.

Umlagen sinken? Davon sehen Haushalte wenig

Und ob diese Entlastung am Ende wirklich bei den Verbrauchern ankommt, ist wiederum mehr als fraglich. In der Vergangenheit sind Stromversorger eher damit aufgefallen, dass sie Erhöhungen in vollen Umfang an ihre Kunden weitergegeben haben, bei geringeren Umlagen gaben sie diese finanzielle Erleichterung nicht an den Letztverbraucher weiter. Daher sollten Verbraucher genau darauf achten, wenn in ein zwei Jahren die Umlage sinken sollte, der Strompreis aber weiterhin steigt. Wer sich unsicher oder unzufrieden ist, kann jederzeit seinen Versorger wechseln. Das ist den meisten Fällen völlig unkompliziert und bringt am Ende bares Geld.

Weitere Quellen:
Artikel zu Strompreise von Finanztip
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Erläuterung Bundesnetzagentur zu Preisbestandteilen
Veröffentlichung des BMWI "EEG in Zahlen: Vergütungen, Differenzkosten und EEG-Umlage 2000 bis 2020
Beitrag von Agora Energiewende zu erhhöhung EEG-Umlage​​​​​​​

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