Politik & Wirtschaft

ALEGrO: Deutschland schließt letzte Strom-Lücke zu Belgien

/ Sven Ebbing

Grenzüberschreitende Stromtrassen verbinden Deutschland mit fast all seinen Nachbarländern. Nur eines fehlte bis jetzt: Belgien. Diese Lücke wird nun geschlossen. Unter dem Namen „ALEGrO“ nimmt dieser Tage eine 1000-Megawatt-Höchstspannungsleitung ihren Betrieb auf. Auch Verbraucher könnten von der neuen Strombrücke profitieren.

Oberzier in der Nähe von Düren und das belgische Städtchen Visé nahe Lüttich sind nicht gerade die bekanntesten Orte. Wohl kaum jemand würde sie auf Anhieb auf einer Landkarte finden. Und doch erhalten sie gerade zumindest ein wenig überregionale Aufmerksamkeit. Oberzier und Visé sind nämlich die jeweiligen Endpunkte der ersten Hochspannungsleitung zwischen Deutschland und Belgien. Insgesamt 90 Kilometer ist das neue Erdkabel lang. Davon verläuft es auf einer Strecke von 40 Kilometern in bis zu 12 Metern Tiefe durch deutschen Boden, hauptsächlich entlang von Autobahnen. Die Leitung schließt die letzte Strom-Lücke zwischen Deutschland und seinen Nachbarländern.

Stromtrasse schafft 1000 Megawatt

Am 9. November wollen NRW-Ministerpräsident Armin Laschet und der belgische Energieminister die Trasse nach zwei Jahren Bauzeit in Aachen offiziell einweihen. Wenige Tage später nehmen die für das Bauvorhaben zuständigen Übertragungsnetzbetreiber Elia aus Belgien und Amprion mit Sitz in Dortmund, der für das westdeutsche Stromnetz zuständig ist, den kommerziellen Betrieb auf. Getauft haben sie das 550 Millionen Euro teure Projekt auf den Namen ALEGrO. Das steht für „Aachen Liège Electricity Grid Overlay“. Da die Trasse auch die Umgebung der Großstädte Aachen und Lüttich (frz. Liège) durchquert, musste man bei der Namenswahl also nicht auf die No-Names Oberzier und Visé zurückgreifen.

Interessant ist neben der Namenswahl die Technik hinter der Strombrücke. Die grenzüberschreitende Trasse, auch Interkonnektor genannt, hat eine sehr hohe Transportkapazität von 1000 Megawatt, was der Leistung eines konventionellen Braunkohle- oder Kernkraftwerks entspricht. Es handelt sich um eine Gleichstromleitung, das sich besonders für die elektrische Übertragung höherer Leistungen über große Entfernungen eignet. An zwei großen Konverter-Stationen in Oberzier und Visé wird der Strom aus dem Gleichstromkabel dann ins herkömmliche Wechselstromnetz eingespeist und umgekehrt.

Ziel: Versorgungssicherheit und mehr Wettbewerb

Doch wozu eigentlich der ganze Aufwand? Schließlich haben Deutschland und Belgien für sich genommen ausreichend Stromnetzte zur Verfügung. In Belgien hat sich die Versorgungssicherheit in den letzten Jahren sogar erhöht, sodass eine Abschaltung der umstrittenen Atomreaktoren Doel 1 und Doel 2 möglich erscheint. Auch auf Stromimporte aus Frankreich und den Niederlanden greifen Flamen und Wallonen häufig zurück.

Zunächst einmal soll die neue ALEGrO-Leitung die Versorgungssicherheit beiderseits der Grenze weiter erhöhen. Weil sich die Anforderungen an das Stromnetz durch die Energiewende stark verändern und es durch die unregelmäßige Einspeisung erneuerbarer Energien zu Schwankungen im Stromnetz kommen kann, muss das Netz ohnehin ausgebaut werden. Aber auch darüber hinaus ist die Stromverbindung von Bedeutung, wie Amprion-Geschäftsführer Klaus Kleinekorte schon im Oktober 2018 zum Spatenstich sagte: „ALEGrO wird Teil des Strom-Autobahn-Systems der EU, das die Stromerzeugungszentren aus erneuerbaren Energien mit den großen Verbrauchszentren in Europa verbindet“. Die EU will, dass das europäische Stromnetz weiter zusammenwächst, damit auch der Wettbewerb im Stromhandel zunimmt – und dadurch letztlich die Strompreise für Privathaushalte sinken.

Weitere Quellen:
Informationen über das Projekt bei Amprion
Videopräsentation des Projekts bei Amprion
Karte des deutschen Hochspannungsnetzes des VDE

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