Nachhaltigkeit & Innovation

Die Energieversorgung von Morgen: Wie wird Deutschland unabhängig?

Wir haben aktuell drei große Krisen zu bewältigen: Forscher schlagen Alarm, denn die bedrohliche Mischung aus Krieg, Pandemie und Klimawandel bringen die Welt zu einem Wendepunkt. Die gesellschaftlichen Herausforderungen werden immer komplexer. Politiker sind aufgefordert, auf Krisen schnell zu reagieren und konsequent zu handeln – auch in Sachen Energie.

Besonders stark ist Europa von dem russischen Angriff auf die Ukraine betroffen. Denn dieser verletzt nicht nur Völkerrechte, sondern gefährdet unter anderem die Energieversorgung in vielen europäischen Ländern. Insbesondere die deutsche Wirtschaft ist in hohem Maße von den Rohstoffen aus Russland abhängig. Und das obwohl Experten schon seit 2014 davor warnen, dass Russland Gas oder Öl als politische Waffe einsetzen könnte. Der Anteil russischer Gaslieferungen im vergangenen Jahr lag hierzulande bei 55 %. Auch der größte deutsche Gasspeicher wird seit 2015 von einer Tochterfirma des russischen Staatskonzerns Gazprom betrieben. Bei Kohleimporten spielt Russland ebenso eine große Rolle: Im Jahr 2021 wurden mehr als 20 Millionen Tonnen russischer Steinkohle importiert. Sollte Deutschland auf diese Importe verzichten, müsste händeringend nach brauchbaren Alternativen gesucht werden, um die Energieversorgung sicherzustellen.

Langfristig legt die Bundesregierung ihren Fokus auf den Ausbau der erneuerbaren Energien, insbesondere von Solar- und Windkraftanlagen. Doch das Ziel, die Abhängigkeit von russischen Energieträgern schnellmöglich zu reduzieren, bringt unter anderem die Rückkehr zur Atomenergie wieder ins Gespräch.

Die Zweifel am Atomausstieg wachsen

Die letzten drei deutschen Atomkraftwerke laufen noch. Zum Jahresende sollen sie jedoch vom Netz gehen. Dennoch bleibt die Kernkraft plötzlich ein politisches Streitthema. Wegen der hohen Energiekosten wächst der Druck auf Grüne und SPD, den Atomausstieg zu verschieben. Laut Technikhistorikerin Anna Veronika Wendland wäre dies technisch möglich, wobei Betreiberfirmen wie RWE und ENBW von dieser Idee wenig begeistert sind. Trotzdem pochen insbesondere die CDU und die FDP auf längere AKW-Laufzeiten. Auf politischer Ebene wird somit deutlich, wie solche Krisen politische Akteure zwingen, ihre Strategien und Prinzipien fundamental zu wechseln. So will der CSU-Politiker Markus Söder in der aktuellen Debatte über russische Energieimporte die letzten AKWs noch drei Jahre weiterlaufen lassen. Wobei er nach der Atomkatastrophe von Fukushima 2011 einer der ersten war, der auf einen schnelleren Kernkraft-Ausstieg drängte und eine radikale Energiewende forderte. Der Chefredakteur von „Bild.de“ Johannes Boie erörtert in einem seiner letzten Beiträge, dass der Anti-Atom-Plan Deutschlands ein Fehler sei und betont dabei, dass Atomkraftwerke nicht nur mit den günstigsten, sondern auch den sichersten Strom produzieren. Trotz breiter Kritik wollen die Grünenminister Robert Habeck und Steffi Lemke die verbliebenen AKWs wie geplant abschalten. Auch Bundeskanzler Olaf Scholz hatte sich gegen einen Weiterbetrieb von AKW ausgesprochen. Zwar ist Kernkraft sauberer als etwa Kohlestrom, doch um Klimaneutralität zu erreichen, führt kein Weg an erneuerbaren Energien vorbei. Diese können unseren Energiebedarf derzeit alleine nicht decken.

Verflüssigtes Erdgas für mehr Energieunabhängigkeit

Welche Alternativen für russisches Gas gibt es noch? Mehr Erdgas könnte, zum Beispiel, aus Norwegen und Nordafrika kommen. Eine weitere Möglichkeit wäre verflüssigtes Erdgas, das sogenannte LNG aus den USA und Katar. Darauf setzt nun auch Deutschland. Mehrere Anlagen sind geplant und teils schon im Bau - das erste in Wilhelmshaven an der Nordseeküste. Mit diesen Projekten macht die Bundesregierung Tempo beim Ausbau der deutschen LNG-Infrastruktur. Da die Koalition am Kohle- und Atomausstieg festhält, braucht Deutschland zunächst weiter Gas im Zuge des Übergangs zur gewünschten Umstellung auf erneuerbare Energien. Laut der Bundesregierung hat Flüssiggas den Vorteil, dass es auch in weit entfernten Ländern gekauft und per Schiff transportiert werden kann. Der Rohstoff gelangt auf Schiffen in sogenannte LNG-Terminals, wo er weiterverarbeitet wird. Umweltverbände kritisieren jedoch die Flüssiggas-Projekte, insbesondere die Ausbaupläne der LNG-Infrastruktur. Zudem widerspreche die Nutzung von LNG den Klimazielen der Bundesregierung. Die Verflüssigung von Gas zu LNG und der Transport seien sehr energieintensiv und könnten teils klimaschädlicher sein als die Kohlenutzung. Ein weiteres Problem: Die meisten LNG-Lieferungen sind an langfristige Verträge gebunden. Würden somit die verstärkten Lieferungen aus anderen Ländern – zum Beispiel aus den USA – für eine allgemeine Unabhängigkeit Deutschlands im Energiebereich sorgen?

Langfristig helfen nur erneuerbare Energien

Der Preis der Unabhängigkeit von russischem Erdgas scheint hoch zu sein. Auch für die Umwelt - ob Fracking-Gas aus den USA für LNG-Transporte oder die längere Verbrennung von Braunkohle. Experten halten zunächst einen Ausstieg aus dem russischen Erdgas auch kurzfristig für machbar. Dies bedeutet aber neue Belastungen fürs Klima, steigende Preise und mögliche neue Abhängigkeiten von anderen Ländern. Aus diesem Grund ist es umso wichtiger, den Ausbau erneuerbarer Energien massiv zu beschleunigen und vorhandene Potenziale zu nutzen.

 

Quellen:

Tagesschau
Bild.de

 

 

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