Politik & Wirtschaft

IAEA: Klimakrise nur mit Atomstrom zu verhindern

Der Chef der Internationalen Atomenergieorganisation betont die Bedeutung der Atomenergie, um Klimaziele zu erreichen. Auch wenn die Organisation ein großes Gewicht in der Diskussion um die Nutzung der Atomenergie besitzt, sollte man sie in Sachen Klimawandel nicht ernst nehmen.

Aussagen von Rafael Grossi, seines Zeichens Chef der Internationalen Atomenergieorganisation (IAEA), erhielten kürzlich einiges an Aufmerksamkeit. Nach seinem Dafürhalten ist ein Erreichen der ambitionierten Klimaziele nur mit Atomenergie zu erreichen. "Jeder Weg zur Erreichung der im Pariser Abkommen festgelegten 2-Grad-Schwelle ist ohne Atomkraft nahezu unmöglich, wenn nicht unmöglich.", so Grossi deutlich. Die Organisation mit Sitz in Wien ist keine staatliche Behörde und vor allem bekannt durch seine Überwachung militärisch genutzter Atomenergie, für die sie 2005 unter anderem mit dem Friedensnobelpreis ausgezeichnet worden ist.  

IAEA: Mehr oder weniger eine Atom-Lobby

Zweifelsohne ein gewichtiger Akteur im atomaren Weltgeschehen, dennoch sind Grossis Aussagen vor dem Besuch in Deutschland und vor den Diskussionen um ein Endlager für abgebrannte Brennelemente so unnötig wie irrelevant. Zunächst sollte man bedenken, dass sich die Organisation neben der wichtigen Überwachungsfunktion als Förderer der Atomenergie für Frieden, Gesundheit und Wohlfahrt sieht und dementsprechend fördert. Es ist also mehr als verständlich, dass Grossi keine „Atomkraft? Nein Danke“-Sonne am Revers stecken hat. Er betont die Vorteile der Atomkraft, lässt aber natürlich den entscheidenden Aspekt der Endlagerung eher im Verborgenen. Man habe ein Problem verschoben, bis es unmöglich sei, es nicht anzugehen, so seine Aussage. Das klingt irgendwie nach nichts.

Zudem wirkt die Diskussion im Vorfeld seines Deutschland-Besuchs eher deplatziert. Deutschland schaltet in spätestens zwei Jahren auch den letzten Atommeiler aus und versorgt sich dann komplett frei von Kernenergie. Das Problem einer Endlagersuche nimmt Deutschland mit in die nächsten Jahrzehnte. Deutschland sei mit seiner Energiepolitik auf einem einzigartigen Sonderweg, so der Argentinier Grossi.

Bundesumweltministerium: Atomenergie ohne Klimaschutz-Beitrag

Immerhin kamen schnell Reaktionen aus verschiedenen Richtungen, die diesen Aussagen entgegentreten. So sagte die Parlamentarische Staatssekretärin des Bundesumweltministeriums, Rita Schwarzelühr-Sutter (SPD) der dpa, dass die Atomenergie keinen nennenswerten Klimaschutz-Beitrag beisteuere. Außerdem betonte sie die erheblichen Risiken sowie Kosten der Atomenergie. Ähnlich kommentiert es auch der Ökostrom-Anbieter Greenpeace Energy, der über Grossi meint, er würde „energiepolitisch entweder hinterm Mond oder nur noch in seiner eigenen Filterblase“ leben. Hinterm Mond lebt die Atom-Organisation freilich nicht, allerdings ist sie ebenfalls von Interessen gesteuert. Daher sollte man den Aussagen generell wenig Bedeutung beimessen. Schade nur, dass die Aussagen über die bekannten Nachrichtenagenturen verbreitet wurden.

Die Vergabe des Friedensnobelpreises wurde 2005 von verschiedenen Umweltverbänden stark kritisiert, da der Ausbau der Kernenergie nicht mit der Auszeichnung vereinbar sei.

Weitere Quellen:
Handelsblatt zur Stellungnahme des Bundesumweltministeriums
Die Statuten der Internationalen Atomenergieorganisation
PM Greenpeace Energy zu Aussagen des IAEA-Chefs

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