Politik & Wirtschaft

Steinkohlekraftwerk Datteln IV geht im Sommer 2020 ans Netz

Die Erneuerbaren Energien wuchsen 2019 auf ein Rekordniveau. Mittlerweile haben sie sogar die Kohleverstromung auf den zweiten Platz in der Stromerzeugung verdrängt. Wenn es um das Einhalten von Klimazielen geht, ist das mehr als wünschenswert. Etwas seltsam mutet dann die Meldung vom Energiekonzern Uniper an, dass das Steinkohlekraftwerk Datteln IV voraussichtlich 2020 ans Netz gehen soll.

Das nordrhein-westfälische Kraftwerk Datteln liegt am Dortmund-Ems-Kanal und wurde bereits in den 60er Jahren in Betrieb genommen, damals noch mit 3 Kraftwerksblöcken. Diese Blöcke sind allerdings bereits seit 2014 stillgelegt, nachdem die Betriebsgenehmigung ausgelaufen war. 2007 wurde mit dem Bau von Datteln IV begonnen. Für das neue Kraftwerk ist eine Bruttoleistung von 1100 Megawatt (MW) geplant und damit mehr als dreimal so viel, wie die früheren Kraftwerksböcke zusammen. 400 MW davon sollen allein für die Deutsche Bahn bereitgestellt werden. Insgesamt wurden 2017 in Deutschland 22.800 MW durch Steinkohle produziert.

Der Bau der Anlage und die Inbetriebnahme haben sich immer wieder verzögert. Zum Einen wurde wiederholt der Bebauungsplan durch Gerichte für unwirksam erklärt. Zum Anderen gab es immer wiederholt Proteste aus der Gesellschaft. Umweltverbände wie der BUND haben bereits 2007 sowie 2008 Klagen gegen die Planfeststellung sowie die immissionsschutzrechtliche Genehmigung eingereicht und Recht bekommen. Dennoch geht das Kraftwerk nun ans Netz, was unter anderem auch den Bemühungen der Stadt Datteln, der Landespolitik und dem Ruhrverband Ruhr (RVR) zu „verdanken“ ist. Selbst die rot-grüne Regierung unter Hannelore Kraft (SPD) hat sich 2012 für eine Inbetriebnahme ausgesprochen. Auch der aktuelle Ministerpräsident Armin Laschet (CDU) argumentiert, dass man ältere, ineffizientere Kraftwerke dank Datteln IV ausschalten könne. Allerdings gibt es derzeit keinerlei Planungen, ältere Kraftwerke im Zuge der Inbetriebnahme zu schließen.

Woher bekommt das Kraftwerk Datteln IV seine Steinkohle?

Aber Datteln IV hat ein nicht ganz unwichtiges Problem. Das Kraftwerk wird mit Steinkohle betrieben. Das Problem daran: In Deutschland wurde 2018 die letzte Steinkohle gefördert. Deshalb stellt sich die Frage, wo die künftige Steinkohle für das Kraftwerk herkommen soll. Steinkohle muss oftmals einen weiten Weg hinter sich legen, bevor sie hier verfeuert werden kann. Insgesamt wurden 2017 51 Millionen Tonnen Steinkohle importiert. Den Löwenanteil macht dabei Russland mit 19 Mio. Tonnen aus. Sowohl russische als auch deutsche Umweltschützer kritisieren den Abbau in Russland, da es sich um eine ökologische Katastrophe handele. Zudem ist die Gesundheit der in der Nähe wohnenden Menschen stark eingeschränkt. Der Vorwurf lautet, dass die Steinkohle nur deshalb so günstig sei, weil in anderen Ländern bestimmte umwelt- und gesundheitsschutzrechtliche Bestimmungen umgangen werden. In Datteln werden künftig wohl 9.000 Tonnen täglich verfeuert, sehr wahrscheinlich auch mit billiger Kohle aus Russland.

Datteln IV konterkariert deutsche Klimaziele

Weiterhin ist die Inbetriebnahme des neuen Kraftwerks problematisch für die Glaubwürdigkeit der Bundes- sowie Landesregierung, die für die Zukunft einen Ausstieg aus der Kohleverstromung sowie klimaneutrale Ziele für 2050 anstreben. Auch wenn der Betreiber Uniper betont, dass das Kraftwerk mit modernsten Standards errichtet worden ist und bei besonderen Laständerungen im Stromnetz für entsprechenden Ausgleich sorgen kann, stößt dieses Kraftwerk bis zum (geplanten) Ausstieg aus der Kohle 30 Millionen Tonnen CO2 aus, so der BUND. Auch die Kohlekommission, die im 2018  über den Kohleausstieg diskutieren sollte, hat dazu geraten, auf das neue Kraftwerk zu verzichten.

Datteln IV wird wohl dennoch ans Netz gehen – nach 13 Jahren „Bauzeit“ und 1,5 Milliarden Kosten. Nicht mit eingerechnet die Umweltfolgekosten. Das alles, um dann nur 18 Jahre im Betrieb zu sein.

Weitere Quellen:
Artikel aus dem Handelsblatt zu Datteln IV
Mitteilung des BUND
Artikel des Spiegel zur Abschaltung von Kraftwerken
Uniper's Stellungnahme zum Steinkohlekraftwerk Datteln

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