Politik & Wirtschaft

Waldrodung durch Tesla zeigt deutsche Doppelmoral

Für die neue Gigafabrik von Tesla werden viele Hektar Kiefernforst gerodet. Auch wenn die Freude über das neue Tesla-Werk vor allem in der Politik groß ist, regt sich – relativ erwartbar – Widerstand in der Bevölkerung. Dieser ist mal wieder typisch deutsch.

Wir Deutschen führen eine seltsame Beziehung zu Klima und Umwelt. Wenn es um den Schutz von Klima und Umwelt geht, halten wir uns für besonders bewusst, nicken uns gegenseitig zu und betonen, dass man da doch was machen müsse. Sobald es an die konkrete Umsetzung geht, tun wir uns wiederum deutlich schwerer. Seien es die Stromtrassen, die den Windstrom aus dem Norden in den Süden bringen sollen oder regenerative Ideen wie Photovoltaik- und Windkraftanlagen: Gefühlt gibt es zu jedem neuen Projekt eine Bürgerinitiative gratis dazu. „Nimbys“ („Not in my backyard“) werden deren Anhänger oftmals eher abwertend benannt. Anders gesagt: Umwelt- und Klimaschutz gerne, aber hier lieber nicht. Die Argumente der Initiatoren mögen hier und da nachvollziehbar sein, doch tragen die Diskussionen manchmal seltsame Blüten.

Mit der Doppelmoralkeule gegen Wald-Rodung durch Tesla

Nun also der Protest gegen die Waldrodung für das neue Tesla-Werk. Ein Artikel des Tagesspiegels zeigt, wie wichtig bereits die Namensgebung des Stückchens Waldes ist, dessen Rodung fällig ist. Da ist von „Kiefernmonokultur“ und „Kiefernplantage“ sowie „minderwertiger Kiefern-Forst“ oder schlicht „Wald“ die Rede. Die Bezeichnung scheint nicht unwichtig zu sein, weil man danach bewertet, wie wichtig dieser 92 Hektar große Wald sein könnte. Dass Tesla dreimal so viele Bäume an anderer Stelle pflanzen möchte, interessiert vor Ort dagegen kaum jemand.

Genauso wenig interessiert es die Menschen vor Ort (gilt auch für viele andere sonst in Deutschland), was wir mit unserem Verhalten unseren Wäldern, aber auch den Wäldern in anderen Teilen der Welt antun. Der Klimawandel hat großen Einfluss auf die Situation unserer Wälder, aber Elektrofahrzeuge statt fossiler Energie in der Mobilität finden wir doof. Soja- und Palmölplantagen, für die gewaltige Flächen an Regenwäldern (das sind richtige Wälder) gerodet werden müssen, könnten durch geänderten Konsum fast überflüssig werden, aber dafür sind wir zu bequem.

Auch wenn die Anträge zum Rodungsstopp der Grünen Liga Brandenburg und des Vereins für Landschaftspflege und Artenschutz in Bayern e.V. verständlich sind, zeigen sie wieder nur, dass man hierzulande jeden Paragrafen zweimal umdreht, um den klimaschädlichen Status Quo nicht zu verändern, in anderen Ländern allerdings kein Problem hat, auch mal Fünfe gerade zu lassen. Es birgt eine große Doppelmoral, wenn man hier für einen „Nicht-Wald“ alles in Bewegung setzt, während man bei Produkten, die irgendwo auf der Welt wirklich für Schäden sorgen, bestenfalls mit den Achseln zuckt.

Trinkwasser durch Tesla in Gefahr?

Doch kommen wir zu einem Aspekt, der in der Diskussion etwas untergegangen ist und doch erstmal wichtig erscheint. Der ansässige und verantwortliche Wasserverband Strausberg-Erkner (WSE) betonte in einer Pressemitteilung Mitte Januar, dass die Wasserversorgung und Schmutzwasserentsorgung nicht gesichert seien. Man betone, es könnte zu umfangreichen und schwerwiegenden Problemen kommen. Im von Tesla gewünschten Zeitrahmen könne eine Trinkwasserversorgung nicht gewährleistet werden. Tesla selbst gibt an, man bräuchte bis zu 372.000 Liter Wasser pro Stunde – allerdings nur zu Spitzenzeiten.

Das brandenburgische Umweltministerium gab nach Anfrage des Spiegels an, dass man zuversichtlich sei, das Problem der Trinkwasserversorgung zu lösen. Wie auch das Online-Magazin schreibt, ist es allerdings nicht ungewöhnlich, dass ein regionaler Wasserverband Probleme sieht, wenn so eine Riesen-Fabrik gebaut werden soll. Die weitere Tatsache, dass das Werk teilweise auf Trinkwasserreservoirs gebaut wird, mag vielleicht ebenfalls kritisch klingen, allerdings bedeutet das lediglich, dass beim Bau des Werks bestimmte Voraussetzungen und Bedingungen erfüllt werden müssen. Auf Reservoirs zu bauen, ist nicht untersagt.

Klima- und Umweltschutz vs. Bequemlichkeit

Es ist sicherlich nicht falsch oder verwerflich auf bestimmte umweltrechtliche Bestimmungen zu achten und zu bestehen, allerdings werden oftmals Mittel und Wege gesucht, um irrationale Ängste vor Veränderungen im eigenen Umfeld zu begründen. Nur funktioniert Klimaschutz so nicht. Es reicht nicht, darauf zu hoffen, dass irgendwo was getan wird, damit sich die Situation verbessert.

Weitere Quellen:
Artikel des Tagesspiegels zur Waldrodung und Tesla
Beitrag des Manager-Magazins zu Tesla-Plänen
Mitteilung der Bundesregierung zu Auswirkungen Klimawandel auf den Wald​​​​​​​

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