Verbraucherthemen

CO2 in der Ernährung: Noch ein Siegel für Lebensmittel?

Im vergangenen Oktober sorgte der schwedische Hersteller für die Milchalternative Oatly mit einer Petition für Aufsehen. Darin forderten die Initiatoren eine verpflichtende Angabe von CO2-Werten auf Verpackungen. Ob gute Promo oder nicht - mittlerweile finden sich auf einigen Lebensmittelverpackungen auch Siegel zur Klimaneutralität. Den Verbrauchern „droht“ eine weitere Siegelflut.

Mittlerweile gibt es kaum ein Lebensmittelprodukt im Supermarkt, welches nicht irgendein Siegel trägt. Egal ob es die bekannten Siegel wie der gelb-grüne Stempel für vegetarische und vegane Produkte oder die verschiedenen Bio-Zertifikate sind. Viele Menschen vertrauen darauf und geben als Kaufgrund das Vorhandensein bestimmter Standards bei der Produktion an. Dass nun Produkte auch in puncto Klimabilanz ein eigenes Siegel bekommen ist der gestiegenen Sensibilität für Klimafragen in Gesellschaft und Politik zu verdanken. So gesehen war es kein Wunder, dass Oatly mit seiner Kampagne Aufsehen erregen konnte.

Wirtschaft nutzt CO2-Siegel für größeren Absatz

Das große Problem mit den Siegeln ist die Glaubwürdigkeit. Den bekannten Vertretern wie „bio“ und „vegan/vegetarisch“ kann in der Regel vertraut werden, da entweder bestimmte gesetzliche Richtlinien eingehalten werden müssen oder unabhängige Dritte die Produkte und Herstellungsprozesse im Auge behalten. Schwieriger wird es bei Siegeln, die sich die Wirtschaft selbst gibt und deren Transparenz nicht immer zweifelsfrei nachgewiesen werden kann. So dienen das bekannte Siegel der Deutschen Landwirtschafts-Gesellschaft (DLG) oder das QS-Zeichen der Agrar- und Ernährungswirtschaft laut Verbraucherzentrale vor allem der Absatzförderung bzw. gehen nur in geringem Maße über die gesetzlichen Bestimmungen hinaus.

Klima-Produkte = prima Absatz?

Dass nun auch Hersteller auf die Idee kommen, dass Klima-Siegel dem eigenen Geschäft zuträglich sein könnten, verwundert durch den Klimadiskurs nicht wirklich. Doch was heißt Klimaneutralität bei Lebensmitteln? In einem Beitrag des SWR zum Thema zeigt sich, dass viele Verbraucher mit dem Begriff „klimaneutral“ nur wenig anfangen können. Klimaneutralität bedeutet nicht, dass ein Unternehmen keinerlei klimaschädliche Gase emittiert. Denn egal wie nachhaltig ein Hersteller arbeitet, er wird nicht zaubern können und bei der Produktion keinerlei CO2 emittieren. Sie können zwar im eigenen Herstellungsprozess wie beispielsweise beim Transport für mehr Nachhaltigkeit sorgen, aber komplett ohne Emissionen wird es nicht gehen. Daher investieren Unternehmen in Klimazertifikate, die durch verschiedene sozial-ökologische Projekte Emissionen einsparen sollen. Dadurch kann ein Unternehmen Klimaneutralität erreichen.

Auf welche Siegel trifft man und welche sind wirklich nachhaltig?

Vorsicht ist bei Siegeln geboten, die die Konzerne sich selbst gegeben haben. Über ihre Verlässlichkeit lässt sich insgesamt wenig sagen, weil es keine externe Partei gibt, die diese Verfahren überprüft. Anbieter von Klimazertifikaten wie Carbon Footprint oder Stop Climate Change sind da bereits vertrauensvoller. Allerdings ist auch hier Vorsicht geboten. Das liegt zum einen daran, dass es bislang kaum einheitliche Verfahren gibt, um die CO2-Bilanzen von Produkten zu erstellen, zum anderen fehlt eine Vergleichbarkeit zwischen den vielen unterschiedlichen Anbietern von Klimazertifikaten. Weiterer Kritikpunkt der Verbraucherschützer: Die Begriffe rund um „Klimaneutralität“ sind nicht klar definiert oder geschützt.

Menschenverstand statt Siegel: CO2 kann man simpel einsparen

Da sich Nachhaltigkeit und Klimaschutz „gut“ verkauft, wird es sicherlich auch künftig vermehrt Siegel auf den Produkten geben. Dabei braucht es diese Siegel gar nicht, um sich weitgehend klimafreundlich zu ernähren. Wer künftig bei der Ernährung mehr zu einer guten Klimabilanz beitragen möchte, muss die gängigen Tipps befolgen. Dazu gehört – auch wenn es vielen schwerfällt – eine Reduzierung der tierischen Produkte. Zudem können Konsumenten aufgrund der Transportwege auf Regionalität sowie Saisonalität bei Obst und Gemüse achten. Ebenfalls wichtig: Viele Lebensmittel werden im Haushalt in den Müll geschmissen. 2015 wurden sieben Millionen Tonnen allein in deutschen Haushalten weggeworfen. Beim Trinkwasser sollte man auf Leitungswasser setzen, da nicht wenige Mineralwasser aus den Supermärkten große Wege zurücklegen müssen. Außerdem ist die Qualität in Deutschland auf hohem Niveau, der Preis dagegen vergleichsweise winzig. Wer diese Tipps beherzigt, kann zumindest im Bereich der Ernährung bereits einiges richtig machen.

Weitere Quellen:
Beitrag der Verbraucherzentrale zur Vertrauenswürdigkeit von Lebensmittelsiegeln
Tipps des GEO Magazin zu CO2-Einsparung bei Lebensmitteln
WWF zu Fleisch und Milchprodukten
Artikel der ZEIT zu Lebensmittelverschwendung
 

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