Nachhaltigkeit & Innovation

Clevere Idee: Grüner Strom dank Winddrachen

/ Sven Ebbing

Winddrachen bereiten Kindern auf der ganzen Welt Freude. Doch die Fluggeräte können mehr als zum Spaß durch die Luft zu sausen - grüne Energie produzieren zum Beispiel. Ein Unternehmen aus Hamburg betreibt in einem Dorf in Schleswig-Holstein die erste Flugwindkraftanlage in Deutschland. Es sieht so aus, als würde es nicht die letzte bleiben.

Spricht jemand von Windkraftanlagen ist klar: Die Rede ist von Windrädern, die zu Lande oder auf dem offenen Meer Luftströme in elektrische Energie umwandeln. Mit der Bezeichnung Windkraftanlage könnten bald aber auch genauso gut Konstruktionen mit großen, aus Stoff bestehenden Drachen gemeint sein, die ebenfalls Strom herstellen. Nämlich dann, wenn das bisher noch als Pilotprojekt betriebene Vorhaben des Hamburger Unternehmens SkySails Schule macht.

Bis zu 120 Quadratmeter großer Drachen

Wie eine Flugwindkraftanlage aussieht, kann man in Klixbüll in Nordfriesland erfahren. Dort steht die besagt Pilotanlage von SkySails inmitten von Äckern und Feldern. Schon bald soll sie Energie ins reguläre Stromnetz einspeisen. Die Idee dahinter ist so simpel wie clever. Ein bis zu 120 Quadratmeter großer Drachen – in Klixbüll ist er auffällig rot-weiß gestreift – hängt an einem Seil, das sich bis zu 800 Meter ausrollen lässt. In solchen Höhen weht gerade an und vor der Küste so gut wie immer eine steife Brise.

Die Winde treibt durch die Bewegungen des Zugseils einen Generator an, der Strom erzeugt. Wie ein Jojo wird der Drachen nach gewisser Zeit unter deutlich geringerem Energieverbrauch automatisch wieder eingeholt, ehe es von vorne losgeht und der Gleitschirm sich wieder in die Lüfte schwingt. Wie der Vorgang in Aktion aussieht, zeigt ein Video auf der Webseite von SkySails.  

Vorteile gegenüber Windrädern

Zwar produziert die Höhenwindanlagen nur etwa 200 Kilowatt, wo moderne Windräder schonmal auf die 15- bis 20-fache Leistung kommen. Die Windproduktion mithilfe von Drachen ist also eher Ergänzung als Alternative. Allerdings können prinzipiell auch ganze Windparks mit Höhenwindanlagen zu Lande und auf dem Wasser gebaut werden. Vorteilhaft ist jedoch vor allem, dass Flugwindkraftanlagen deutlich leiser und kleiner sind als Windräder. Außerdem kommen sich die Winddrachen (die anders verwendet sogar Containerschiffe kraftstoffsparend über die Weltmeere ziehen können) durch ihre veränderbare Position nicht mit Vogelschwärmen ins Gehege.

Die Technik scheint so ausgereift, dass durch auffällige, durch die Luft sausende Drachen schon in wenigen Jahren zum gewohnten Bild an deutschen Küsten zählen könnten. Zunächst kommen sie aber an einem Ort weit, weit weg vom nordfriesischen Klixbüll zum Einsatz. Der Inselstaat Mauritius hat sich vor wenigen Tagen eine Flugwindkraftanlage gesichert und will sie schon im kommenden Sommer ans örtliche Stromnetz anschließen, um seine Energiewende ein kleines Stück voranzutreiben.

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