Nachhaltigkeit & Innovation

Zugebaute Weltmeere: Auch Ozeane leiden unter versiegelten Flächen

/ Sven Ebbing

Wasser und Wellen, so weit das Auge reicht – so stellen wir uns die Weltmeere vor. Doch einen immer größeren Teil der Meeresfläche belegen Fischzuchtanlagen, Häfen und Tiefseekabel. Ein Forscherteam hat nun erstmals genaue Zahlen zusammengetragen: 32.000 Quadratmeter des Meeresgrundes sind bebaut, mit steigender Tendenz. Und: Die menschlichen Bauwerke sind meist dort angesiedelt, wo es die maritimen Ökosysteme am wenigsten verkraften.

Die Studie, die ein Forscherteam rund um die Ökologin Ana Bugnot von der Universität Sydney im Fachmagazin „Nature Sustainability“ veröffentlicht hat, zeigt, dass der Meeresgrund auf einer Fläche fast so groß wie Baden-Württemberg versiegelt ist. Das ist zwar nur ein Bruchteil der insgesamt 360 Millionen Quadratkilometer Erdoberfläche, die von Ozeanen bedeckt sind. Allerdings beeinflussen die Bauwerke die Tier- und Pflanzenwelt auch in weiter entfernten Gebieten. Vor allem die Lage von Häfen oder Bohrinseln entlang der Küsten ist oft problematisch, denn in der Nähe des Ufers ist die Artenvielfalt im Meer am größten. Der potenzielle Schaden, den Lärm, Giftstoffe oder veränderte Strömungen dort verursachen können, also auch.

Häfen beeinträchtigen Meeresbewohner am stärksten

Während Fischzuchtanlagen bzw. Aquakulturen, wie sie vor allem an Chinas Küsten zu finden sind, laut der Studie mit 71 Prozent mit Abstand die größte Fläche bedecken, beeinträchtigen Häfen das Leben im Meer durch Lärm und Verschmutzung am stärksten. Auch Tiefseekabel und im Meer verlegte Öl- und Gaspipelines haben einen großen Einfluss auf Flora und Fauna. Weil die Versiegelung der Weltmeere seit Jahren stark zunimmt und sich in den nächsten Jahren noch beschleunigen könnte, fordern die Studienautoren die Politik auf, die negativen Auswirkungen von menschlicher Infrastruktur im Meer stärker zu berücksichtigen und den Schutz der Ozeane zu verbessern.

Vergleichsweise wenig Fläche beanspruchen Offshore-Windräder, die weltweit eine wichtige Rolle bei der Umstellung auf Erneuerbare Energien spielen können. Dadurch soll bekanntlich der Klimawandel abgemildert werden, der für den Anstieg der Meeresspiegel verantwortlich ist. Statt für den Hochwasserschutz jedoch weitere Flächen mit Betonwällen oder Wellenbrechern zu versiegeln, sind natürliche Alternativen wie Mangroven, Salzwiesen und Korallenriffe die weitaus bessere Wahl. Sie schonen das empfindliche Ökosystem, das unter Wasser und Wellen verborgen ist.

Quellen:
Artikel zur Bebauung der Meere auf Sueddeutsche.de
Artikel zur Bebauung der Meere auf Scinexx.de
Original-Studie auf Nature.com

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