Tarifrechner: Ärger für Care-Energy

Es kommt immer dicker für Care-Energy: Nach verspäteten und fehlerhaften Abrechnungen sowie der nicht gezahlten EEG-Umlage in Millionenhöhe flatterte dem Versorgungsunternehmen mit Sitz in Hamburg jüngst auch noch eine Abmahnung de Bundesverbands der Verbraucherzentralen ins Haus. Diesmal ist es der hauseigene Onlinetarifrechner, der ins Visier geraten ist: Seine angezeigten Ergebnisse suggerieren dem Kunden angeblich einen Gesamtpreis, der letztendlich so nicht stimmt.

von Redaktion
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Datum: 10.08.2016 10:07

Wie bei gängigen Vergleichsportalen üblich, gibt der Kunde auch beim Tarifrechner auf der Homepage von Care-Energy seinen Jahresverbrauch, die Haushaltsgröße und Postleitzahl an. Im nächsten Schritt werden dann unterschiedliche Tarife gelistet, der günstigste steht ganz oben. In einem von den Verbraucherzentralen konkret geprüften Fall (Privathaushalt in Berlin mit einem jährlichen Stromverbrauch von 3500 Kilowatt) liegt der niedrigste Tarif mit dem Namen Care-Energy Transparent bei sehr günstigen 157 Euro im Jahr – im Vergleich zum Grundversorger wäre das eine Ersparnis von stolzen 937 Euro. Klickt man sich nun durch den Bestellvorgang, wird dem Nutzer stets der anfangs genannte Preis angezeigt, weitere Bedingungen oder Einschränkungen gibt es scheinbar nicht.

AGBs decken versteckte Kosten auf


Ein richtiges Schnäppchen, möchte man meinen, doch der Preis entpuppt sich laut Test als eine Mogelpackung: Denn tatsächlich fallen weitere Kosten an, die allerdings erst nach der aufmerksamen Lektüre der AGBs ersichtlich werden. Diese entfallen auf die „Energiekostenoptimierung beim Onlineangebot Tarifrechner“, wie hoch der Tarif dadurch letztendlich ist, bleibt jedoch unklar. „Der beanstandete Tarifrechner gibt den Preis nicht vollständig wieder. Verbraucher müssen aber die tatsächlichen Preise sofort erkennen können, bevor sie einen Vertrag schließen, und nicht erst die AGB studieren müssen“, erklärt Kerstin Hoppe, Rechtsreferentin beim Bundesverband der Verbraucherzentralen, die aktuelle Abmahnung. Das Unternehmen hat jetzt bis zum 12. August Zeit, eine Unterlassungserklärung abzugeben – andernfalls droht eine Klage.

Große Netzbetreiber kündigen Geschäftsbeziehungen


Unter den Negativschlagzeilen der vergangenen Jahre und Monate leidet nicht nur das Image von Care-Energy, sondern auch die Wirtschaftlichkeit des Unternehmens: Tennet und 50 Hertz, zwei führende Netzbetreiber in Deutschland, haben bereits ihre Geschäftsbeziehungen zu dem Unternehmen abgebrochen. Daraufhin erhielten etliche Kunden von Care-Energy ein Schreiben, das ihnen mitteilte, dass sie fortan automatisch in die Grundversorgung fallen. Um doppelte Zahlungen zu vermeiden, raten Verbraucherschützer betroffenen Kunden, ihre Verträge außerordentlich zu kündigen und sich einen neuen Stromanbieter zu suchen.

Quellen:
n-tv.de
morgenpost.de