Beschluss zum Klimaschutz: Setzen die G7 ein Ausrufe- oder Fragezeichen?

Laut Abschlussbericht des Treffens auf Schloss Elmau haben sich die G7-Staaten darauf verständigt, bis 2050 die Energiewende umzusetzen und die Dekarbonisierung der Weltwirtschaft in diesem Jahrhundert abzuschließen. Dies soll als starkes Signal für die Ende des Jahres in Paris folgenden Verhandlungen um ein globales Klimaabkommen gelten. Klimaschützer dürften auf den ersten Blick erfreut sein, eine erfolgreiche Umsetzung bleibt jedoch abzuwarten.

von Carolin Lonnes
News

Datum: 06.01.2017 12:55

Bis 2050 wollen die G7 ihre Energieversorgung weitgehend auf erneuerbare Energien umgestellt haben. Bis dahin sollen die globalen CO-Emissionen bereits auf ein Drittel der Menge von 2010 gedrückt werden. Um die Erderwärmung zu begrenzen seien „tiefe Einschnitte bei den Treibhausgasemissionen nötig“, so lautet einer der Sätze des Abschlussdekrets des G7-Treffens und bedeutet einen Abschied von Kohle, Öl und Gas, sollten nicht andere Technologien wie die CO2-Speicherung erneut in Betracht gezogen werden.

Zum ersten Mal globale Zielvorgaben


Die festgelegten Vorgaben des Abschlussberichtes sind als Ziele formuliert und keinesfalls rechtsbindend, dennoch ist es das erste Mal, dass die Energiewende und die Dekarbonisierung der Weltwirtschaft auf die weltweite Agenda kommen und sich alle G7-Staaten dazu verpflichten. Dementsprechend werden die neu vereinbarten Ziele von Klimaschutzorganisationen als Erfolg gewertet.

Wichtiges Signal – ob Taten folgen bleibt ungewiss


„Elmau hat geliefert“, lobte dementsprechend der Greenpeace-Energiefachmann Tobias Münchmeyer, „mit ihren Beschlüssen stimmen die G7 endgültig den Abgesang auf die Kohle an.“ Auch der Naturschutzbund Deutschland (Nabu) erklärte: „Es ist ein wichtiges Signal für den internationalen Klimaschutz, dass die G-7-Länder vor Ablauf des Jahrhunderts den Ausstoß von Treibhausgasen auf Null reduzieren wollen.“

Doch in die erste Euphorie mischten sich auch erste Zweifler an der konkreten Umsetzung der formulierten Ziele. So kritisierte der Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND) kritisierte, die Aussagen des Abschlusskommuniqués zum Klimaschutz und zum Schutz der Gesundheit blieben weit hinter den Erfordernissen zurück. Die erneut wiederholte Ankündigung, die Erderwärmung unter zwei Grad Celsius halten zu wollen, widerspreche dem tatsächlichen Handeln der G-7-Staaten. „Die G-7-Industrieländer sind für ein Viertel der weltweiten CO2-Emissionen verantwortlich, der Ausstieg aus fossilen Energien wurde jedoch vertagt“, sagte der BUND-Vorsitzende Hubert Weiger. „Das wird dem Ernst der Lage nicht gerecht.“

Unverbindlichkeit gleichermaßen Segen und Fluch


Den unverbindliche Charakter der Zielvorgaben von Elmau hatte Frankreichs Außenminister Laurant Fabius, der die Weltklimakonferenz in Paris im Dezember leiten soll bereits letzte Woche gerechtfertigt: Dadurch würde der US-Kongress als gefürchtete Bremse für einen Weltklimavertrag umgangen. Dieser muss internationalen Verträgen stets zustimmen, Absichtserklärungen könnte die US-Delegation in Paris hingegen risikolos zustimmen.
Gleichzeitig bleibt so aber einmal mehr fraglich, ob der jetzige Klimabeschluss von Elmau tatsächlich als Meilenstein gesehen werden kann. Vor der letzten entscheidenden Weltklimakonferenz von Kopenhagen vor sechs Jahren hatten die G8-Staatem schließlich ähnlich ambitionierte Klimaziele verabschiedet. Dort konnte sich dann aber doch global bindende Vorgaben geeinigt werden.

Weitere interessante Artikel zum Thema:
Bonner Klimakonferenz als letzter Wegbereiter für Pariser Gipfel
Der steinige Weg zum Pariser Klimagipfel
Klimaabgabe adé? – Grüne appellieren an Merkell

Quellen:
Spiegel
energiezukunft.eu
FAZ