Allianz zieht sich aus Kohlegeschäft zurück

Umweltschützer halten Divestment als wichtige Strategie für den Klimaschutz. Die Allianz-Versicherung ging kurz vor dem Klimagipfel von Paris voran und verkündete den Rückzug aus dem Kohle-Anlagengeschäft.

von Bente Löhndorf
News

Datum: 23.12.2015 17:00

Kurz vor dem Pariser Klimagipfel setzte der Versicherungskonzern Allianz ein Zeichen und verkündete, sich aus dem Anlagengeschäft von Kohleenergie zurückzuziehen. Im ZFD-Magazin Frontal 21 erklärte Chefinvestor Andreas Grube: „Wir werden nicht mehr in Bergbau- und Energieunternehmen investieren, die mehr als 30 Prozent ihres Umsatzes beziehungsweise ihrer Energieerzeugung aus Kohle generieren.“ Der Schritt soll ein Zeichen „an unsere Branche und an die Kapitalmärkte“ sein.

Nach Berechnungen der Umweltorganisation Urgewald gehört die Allianz bisher auf den globalen Märkten zu den größten Kohleinvestoren. Binnen der kommenden sechs Monate will der Konzern betroffene Aktien verkaufen, entsprechende Anleihen sollen nicht verlängert werden. Insgesamt handelt es sich um ein Gesamtvolumen von vier Milliarden Euro. Stattdessen möchte das Unternehmen künftig verstärkt in erneuerbare Energien investieren. Bis heute hat sie etwa zwei Milliarden Euro in die Windenergie gesteckt, diese Ausgaben sollen über die nächsten Jahre verdoppelt werden.

Divestment statt Investment


Der Rückzug eines der größten Vermögensverwalter weltweit aus der Kohleenergie wird als wichtiger Schritt in Richtung Divestment gesehen. Unter dem Schlagwort argumentieren Umweltschützer für einen Investitionsstopp bei fossilen Energien. Je mehr Unternehmen sich ihren Werten der Energiebranche entledigen, desto besser für das Klima, so die Logik. Insbesondere Kohlekraft steht in der Kritik, weil sie besonders umweltschädlich ist. Die Forderungen treffen vielerorts auf Gehör: Der französische Versicherer Axa will schon länger aus dem Kohlegeschäft aussteigen; Städte, Universitäten und Banken in den USA und Europa ziehen ebenfalls vermehrt ihr Geld ab.

Jennifer Morgan hält Divestment, also die Lösung eines Unternehmens von Aktien, Anleihen oder Investmentfonds, die unter ökologischen oder ethischen Gesichtspunkten fragwürdig sind, für eine notwendige Maßnahme um den Klimawandel in den Griff zu bekommen. „Divestment ist nicht nur Symbolpolitik,“ sondern sei hoch dringlich.

Noch immer ein Milliardengeschäft


Doch noch immer stecken weltweit viele Milliarden Euro in Kohleminen und -kraftwerken. Die Umweltorganisation Urgewald schreibt in ihrem Bericht „Europas größte Klimakiller“: Abgesehen von der Allianz seien „bei keiner Bank und keinem anderen Investor Bemühungen (zu) erkennen, die Finanzierung der Kohleindustrie ernsthaft einzuschränken“.
Nach ihren Berechnungen ist die Deutsche Bank in den vergangenen Jahren mit 3,3 Milliarden Euro der größte deutsche Braunkohlefinanzierer gewesen. Die Commerzbank liegt nur knapp dahinter und ist gemessen an der Bilanzsumme im Verhältnis stärker an den fossilen Energien beteiligt. Im Gegensatz zur Allianz sind sie jedoch nur geringfügig unmittelbar an den Kohleunternehmen beteiligt. Sie engagieren sich überwiegend durch Kredite und Anleihen.

Quellen:
Süddeutsche Zeitung
Zeit
www.greenpeace-magazin.de