Agora Energiewende vermutet 2016 erneuten Anstieg der EEG-Umlage

In gut einem Monat verkünden die Netzbetreiber die EEG-Umlage für 2016. Experten vermuten schon jetzt einen leichten Anstieg, weil der Strompreis an der Börse immer weiter sinkt.

von Bente Löhndorf
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Datum: 11.11.2015 14:10

Wer gehofft hatte, mit der erstmaligen Senkung der EEG-Umlage im letzten Jahr wäre eine Kehrtwende erreicht, hat sich vermutlich getäuscht. Nach Einschätzungen der Agora Energiewende wird die Ökostromumlage 2016 auf ein neues Rekordniveau von 6,4 bis 6,6 Cent je Kilowattstunde steigen. In diesem Jahr war die Umlagenhöhe von 6,24 auf 6,17 gefallen, weil sich in den Vorjahren Rücklagen von 2,8 Milliarden Euro gebildet hatten.

Verbraucher zahlen für sinkende Strompreise


Grund für die Erhöhung ist ausgerechnet der sinkende Börsenstrompreis. Da Ökostromproduzenten ein fester Abnahmepreis zugesichert wurde, bezahlen Verbraucher über die EEG-Umlage die Differenz zwischen dem Börsenstrompreis und dem garantierten Ökostrompreis. „In dem Maße, wie die Großhandelsstrompreise sinken, steigt die EEG-Umlage“, sagt Dr. Patrick Graichen, Direktor von Agora Energiewende. Der Thinktank berät unter anderem die Bundesregierung in energiepolitischen Fragen. Auch die Netzbetreiber, die Mitte Oktober die Umlage für 2016 festlegen werden, rechnen mit einer Umlagenerhöhung.

Für einen durchschnittlichen Haushalt mit einem Jahresverbrauch von 3500 Kilowattstunden bedeutet dies einen Anstieg der Stromrechnung von 216 auf 231 Euro. Hinzu kommen weitere , wenn auch niedrigere, Umlagen für die Energiewende, wie die KWK-Umlage zur Finanzierung der Erzeugung von Strom und Wärme in einem Kraftwerk (Kraft-Wärme-Kopplung), die 2016 ebenfalls um etwa 10 Euro je Haushalt steigen wird. Damit erhöht sich die Jahresendabrechnung eines Durchschnittshaushalts um 25 Euro.

In Summe kaum Veränderung


Im vergangenen Jahr war den Berechnungen ein Strompreis von 3,567 Cent zugrunde gelegt worden. Aufgrund der großen Überkapazitäten an der Börse und des steten Baus neuer Wind- und Photovoltaikanlagen ist der Preis jedoch etwas darunter geblieben und hat die EEG-Reserven noch leicht nach oben auf 3,2 Milliarden Euro gesteigert. 2016 wird Schätzungen zufolge der Börsenstrompreis um weitere 9 Cent auf etwa 3,25 Cent je Kilowattstunde sinken. Dadurch bleibt die für Stromverbraucher entscheidende Summe aus Börsenstrompreis und EEG-Umlage weitestgehend konstant. „In summa müssen die Stromverbraucher daher nicht mehr zahlen als heute, wenn die Stromanbieter hier ehrlich rechnen“, meint Dr. Patrick Graichen.

In der Vergangenheit lag jedoch genau hier ein Problem. Die Versorger ernteten viel Kritik dafür, dass sie die sinkenden Börsenstrompreise nicht an ihre Kunden weitergaben und Strom nur überteuerten Tarifen verkauften. Da sich viele Stromhändler zu diesem Jahr mit höheren Preisen auch schon für das kommende Jahr eingedeckt haben, könnten einige damit den Anstieg der EEG-Umlage kompensieren, ohne die Preise nochmals anzuheben. Inwieweit sie dazu in der Lage sind, hängt von ihrer Bezugsstruktur ab. Dennoch bleiben auch dem Kunden über den Anbieterwechsel Handlungsspielräume, mit denen sie häufig ihre Stromrechnung deutlich verkleinern können.

Quelle:
FAZ
Spiegel