Deutschland sorgt sich um Tihange und Doel – Erneuerbare Energien mit Rekordwert

In Belgien sind die Atomkraftwerke Tihange und Doel wieder ans Netz gegangen – unter großem Protest. Nach einem erneuten Brand wurde ein Reaktorblock von Tihange prompt wieder runtergefahren. Vor allem Deutschland macht sich aufgrund der Nähe der Anlagen Sorgen. Derweil steigen die Erneuerbaren Energien hierzulande auf ein Rekordniveau.

von Matthias Epkes
News

Datum: 22.12.2015 16:08

Für großen Protest hat bereits die Inbetriebnahme der beiden belgischen Atomkraftwerke Tihange und Doel gesorgt. In der Vergangenheit lieferten die beiden Kraftwerke statt nutzbaren Strom vornehmlich Stoff für aufgeladene Diskussionen über den Komplettausstieg aus der Atomkraft. Die Atomaufsicht bemängelte hierzu die zahlreichen feinen Haarrisse in den Reaktorwänden. Allein in Doel fanden sich bis zu 16000 davon. Fast schon symptomatisch brach wenige Tage nach dem Hochfahren in Tihange ein Brand aus. Im nicht-nuklearen Teil der Anlage sei dies geschehen und zudem schnell gelöscht worden, so der Betreiber Electrabel. Dennoch beruhigt es die Menschen, die bei einem GAU betroffen wären, nicht besonders. Die Folgen wären für das Bundesland Nordrhein-Westfalen beispiellos. Aachen probte in der vergangenen Woche den Ernstfall. Über die Verteilung von Jod-Tabletten an die Bevölkerung, die in einem Notfall die Schädigung der Schilddrüse verhindern soll, wird diskutiert. Erstaunlicherweise sind die Bewohner in unmittelbarer Nähe trotz der Vorkommnisse erstaunlich gelassen. Allerdings profitieren die Anwohner vom Arbeitgeber Atomkraft. Zusätzlich ist der Umgang mit Atomkraft anders als in unserem Land.

Größere Zwischenfälle für Atomausstieg in Belgien?


Belgien sieht derzeit noch keine andere Wahl. Eigentlich wollte man mit einem Ausstiegsplan bis 2025 alle atomaren Kraftwerke stilllegen – einige Reaktoren bereits in diesem Jahr. Allerdings sind die Laufzeiten um 10 Jahre bis 2025 in diesen Fällen verlängert worden. Der Grund: Man hat Sorge, in einigen Momenten ohne Strom dazustehen. Belgien ist in Sachen Atompolitik seinem vermeintlich großen Bruder recht ähnlich. Auch in Belgien macht die Atomkraft mehr als die Hälfte der Energieproduktion (2011) aus, andere fossile Energieträger machen darüber hinaus über ein Drittel aus. Die erneuerbaren Energien kommen dagegen auf einen mickrigen Anteil von 9,3 %. Die Vorhaben zum Ausbau der Erneuerbaren liegen deutlich unter den Plänen der EU (Ziel für 2020: Belgien 13%, EU gesamt 20%). Damit sich Belgien von der Atomkraft schneller trennt, sind paradoxerweise weitere Zwischenfälle nötig.

Erneuerbare Energien steigen auf Rekordwert in Deutschland


Die Sorge vor größeren Unfällen in Belgien wird Deutschland wohl weiterhin begleiten. Immerhin ist man 2025 selber komplett aus der Atomkraft ausgestiegen. Erfreulich sind dazu die Zahlen zum Anteil der erneuerbaren Energien, die der Bundesverband der Energie- und Wasserwirtschaft nun veröffentlicht hat. Demnach hat die Stromproduktion durch grüne Energie 2015 einen neuen Rekordwert von 647 Milliarden Kilowattstunden erreicht (2014: 627 Mrd.). Durch diesen Anstieg ist der Anteil auf der gesamten Stromproduktion auf 30% gestiegen.
Grund für den Anstieg seien der Bau von zusätzlichen Anlagen sowie gute Witterungsverhältnisse. Besonders gestiegen ist der Anteil der Windenergieanlagen von 9,1 auf 13,3 %. Der Großteil der Energieversorgung wird allerdings immer noch von Kohleverstromung erzielt (42,2 %). An dieser Stelle ist nicht nur die Politik gefordert, die bei ihrer Kohlepolitik auf Unternehmens- und Arbeitnehmerinteressen achten will. Auch der Verbraucher kann mit einem Wechsel zu Ökostrom den Wandel unterstützen. Laut Monitoringbericht 2014 der Bundesnetzagentur lag der Anteil von Ökostromtarifen bei nicht einmal 17% aller Haushalte.

Quellen:
Zeit
Handelsblatt
gtai.de
bdew.de
Westdeutscher Rundfunk