CO2-Steuer und Kohleausstieg: Die wichtigsten Debatten beim DENA-Energiewendekongress 2018

Der diesjährige Energiewendekongress der Deutschen Energie-Agentur DENA in Berlin ist vorbei. Wir werfen einen Blick auf die wichtigsten Diskussionen und Themen und begutachten die Gewinner des Energy Efficiency Awards.

von Sven Ebbing
News

Datum: 29.11.2018 17:14

Zwei Tage lang, am 26. und 27. November, diskutierten rund 800 Teilnehmer mit 70 Referenten über die brennenden Zukunftsfragen der Energiepolitik. Vier der zentralen Themen: die Klimaziele für 2030, der Kohleausstieg, die mögliche Bepreisung von CO2-Emmissionen und die Energiewende von unten.

Das strittige Thema CO2-Steuer, die viele als geeignetes Mittel zur Senkung des Ausstoßes von Klimagasen ansehen, beschäftigte mit SPD-Umweltministerin Svenja Schulze und Auftaktredner Peter Altmaier, seines Zeichens Bundeswirtschaftsminister, zwei prominente Teilnehmer aus der Politik. Schulze erinnerte an eine Vereinbarung mit der französischen Regierung, sich gemeinsam für einen CO2-Mindestpreis in Europa einzusetzen. Die Debatte über eine CO2-Steuer habe gerade erst begonnen, so Schulze. Aus dem Finanz- und Wirtschaftsressort weht Schulze und ihren Kollegen auf Länderebene ein rauer Wind entgegen. Wirtschaftsminister Altmaier sagte beim DENA-Kongress, dass steigende Preise für Benzin und Heizöl nicht vermittelbar seien – eine Einschätzung, die auch Finanzminister Olaf Scholz teile. Neue, strengere Vorgaben auf EU-Ebene seien nicht vorgesehen, zunächst müsse man die eigenen Anstrengungen für den Klimaschutz weiter verstärken. Wichtig sei vor allem, dass der Netzausbau endlich vorankomme und es neben der Energie- auch eine Wärmewende geben.

RWE-Chef kritisiert Kohlekommission

Strittig wurde es erwartungsgemäß auch beim Auftritt des Chefs von RWE, Rolf Martin Schmitz. Er kritisierte Mitglieder der Kohlekommission, die zurzeit noch über ein genaues Szenario für den Kohleausstieg berät. Einige Mitglieder seien mit der Komplexität der Frage, wie der Kohleaussteig geregelt werden soll, überfordert. Die endgültige Entscheidung treffen allerdings Bundestag und Bundesrat und nicht die Kommission, die laut SPD-Energiepolitik Bernd Westphal aber einen gesellschaftlichen Konsens herbeiführen solle. Schmitz forderte eine Perspektive für die Kohle über einen Zeitraum von 20 Jahren. Ob es am Ende so kommt, ist fraglich. Die Antwort gibt es voraussichtlich Anfang nächsten Jahres: Die Kohlekommission hat das Datum für ihren Abschlussbericht gerade auf Februar 2019 verschoben.

Digitale Energieprojekte gewinnen Award

Im Rahmen des Energiewendekongresses wurde auch in diesem Jahr der Energy Efficiency Award an Unternehmen verliehen, die sich besonders um Energieeffizienz verdient gemacht haben. Preisträger in der Kategorie „Energiewende 2.0“ wurde der Kupferleiterhersteller Aurubis. Die bei der Produktion der Kupferleiter anfallende Abwärme nutzt Aurubis selbst für die Kupferelektrolyse und stellt einen Teil auch für die Beheizung der Hamburger HafenCity zur Verfügung.

In der Kategorie „Energieeffizienz: von clever bis digital“ gewannen der Frankfurter Flughafenbetreiber Fraport und die Energieffizienz-Dienstleister von MeteoViva. Gemeinsam haben beide Unternehmen den Energiebedarf für das Heizen und Kühlen der Fraport-Firmenzentrale mithilfe eines digitalen Simulationsmodells optimiert.

Auch ein Start-Up war unter den Gewinnern: In der Kategorie „Energiedienstleistungen und Energiemanagement“ hatte das indische Unternehmen Smart Joules die Nase vorn, das in einem Krankenhaus in der Hauptstadt Delhi ein digitales Energiemanagementsystem installiert hat. Dieses zeigt an, wenn Anlagen beispielsweise zu viel Energie verbrauchen. Auf dieser Grundlage kann das Krankenhaus seine Energiebilanz maßgeblich verbessern.