Deutsche Stromkonzerne: Wer zahlt den Atommüll?

Jahrelang haben die Betreiber von Deutschlands Atomkraftwerken von dem risikoreichen Geschäft profitiert. Nun, wo die goldenen Zeiten vorbei zu sein scheinen und der Ausstieg aus der Atomenergie bevorsteht, versucht man sich aus der Verantwortung zu stehlen: Deutschlands Energieriesen wehren sich gegen die Kostenbeteiligung für die Endlagersuche. Sie haben Widerspruch beim Bundesamt für Strahlenschutz eingelegt.

von Bente Löhndorf
News

Datum: 07.11.2014 11:29

Veto gegen kostspielige Zukunftspläne


Die vier großen Stromkonzerne RWE, Eon, EnBW und Vattenfall haben Widerspruch gegen ihre Kostenbeteiligung an der langwierigen und kostspieligen Endlagersuche eingelegt. „Uns liegen Widersprüche für 2013 und 2014 vor", erklärte ein Sprecher des Bundesamtes für Strahlenschutz der Nachrichtenagentur dpa. Eine Begründung für den Widerspruch seien die Betreiber jedoch schuldig geblieben. Der Berliner tageszeitung zufolge geht es bei der Zahlungsverweigerung um 230 Millionen Euro für die Endlagerprojekte Gorleben und Schacht Konrad.

Im Atomgesetz ist verankert, dass alle Kosten, die für die Endlagerung des Atommülls entstehen, anteilig von den Produzenten des Mülls übernommen werden müssen. Schacht Konrad bei Salzgitter wird derzeit zum Endlager für schwach- und mittelradioaktiven Atommüll ausgebaut, der Salzstock Gorleben wird noch auf seine Tauglichkeit für die Lagerung von hochradioaktivem Atommüll erkundet. Allein in Gorleben stecken bereits 1,6 Milliarden Euro von den Betreibern.

Die vier großen Energiekonzerne wollen Kosten für Atommüll abwälzen


Schätzungen zufolge könnten sich die Kosten für ein Endlager auf 10 bis 30 Milliarden Euro belaufen. Hinzu kommen die nicht unerheblichen Kosten für den Rückbau der Atomkraftwerke, die auf rund eine Milliarde Euro pro Anlage geschätzt werden. Der Vorstoß gehört zu einer Reihe von Ideen, die die Atomkraftwerksbetreiber zuletzt hervorgebracht haben, um die schwer einschätzbaren Langzeitkosten der Atomkraftnutzung gering zu halten. Im Frühling hatten die Konzerne ihr Konzept von einer Atom Bad Bank vorgestellt; eine Stiftung, in die die Atomkraftwerksbetreiber rund 36 Milliarden Euro einzahlen würden um von dem Risiko eventueller Kostensteigerungen befreit zu sein. Erst vor einer Woche verklagte zudem RWE den Bund und das Land Hessen auf Schadensersatz für die Gewinnausfälle während des Atommoratoriums.

Quellen:
FAZ
Sächsische Zeitung
Der Spiegel