DHL- Elektrowagen erobern deutsche Städte – Umweltgedanke oder Imagekampagne?

Die Deutsche Post DHL Group möchte ihre komplette Lieferflotte in den nächsten Jahren durch Elektroautos ersetzten. Die Elektrowagen stammen aus einer eigenen Produktion. Auf den ersten Blick ein extrem ambitioniertes Vorreiterprojekt.

von Christina Schröder
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Datum: 14.12.2016 11:32

So wird es auch in vielen Expertenkreisen gesehen: Die Post wurde bereits mit Preisen für E-Mobilität (eCarTec Award) und einem Nachhaltigkeits-Award (ECO Honor Award) ausgezeichnet. Damit ist das Unternehmen in der Nutzung alternativer Antriebe der Konkurrenz einen großen Schritt voraus. Denn DPD, Hermes und auch UPS kamen mit ihren alternativen Antriebsprojekten nie über eine Testphase hinaus.

DHL-Streetscooter gegen CO2-Ausstoß


Hergestellt werden die zwei Meter breiten, kastenförmigen Autos von der Streetscooter GmbH. Das Tochterunternehmen der Post ist ein ehemaliges Startup von Studenten der RWTH Aachen. Nachdem der Großkonzern mit keinem Autohersteller auf einen Nenner kam, kaufte DHL das Jungunternehmen und fing an, selbst Elektroautos zu produzieren.

Das sind die Fakten, mit denen DHL überzeugen will: Mit bereits 2000 Streetscootern hat sie in einigen Städten in Deutschland für eine geringere CO2-Ausschüttung gesorgt. Pro Elektro-Lieferfahrzeug sollen jährlich drei Tonnen CO2 eingespart werden. Laut Post-Vorstand Jürgen Gerdes entspricht das 10 500 mit CO2 gefüllten Badewannen. In einer Stadt wie Köln sorgen zukünftig 66 neu eingesetzte Fahrzeuge für jährlich 198 Tonnen CO2-Ersparnis gegenüber den Diesellieferfahrzeugen (man stelle sich diese Anzahl, nämlich 693 000 gefüllte Badewannen vor!).

Nach der Nacht an der Ladestation auf dem Post-Gelände – durch die ausschließlich grüner Strom fließt – kommt das Elektromobil 50 bis 60 Kilometer weit. Das klingt zwar nicht viel, aber es reicht für eine Postbotenschicht von sechs bis sieben Stunden mit Stopps in geringer Entfernung.

„Grünes“ Konzept oder lukratives Geschäft für neue Nutzfahrzeuge?


Ganz uneigennützig ist das Projket indes nicht: Durch die eigene Produktion der Autos entsteht neben dem Umweltgedanken auch ein lohnendes Geschäft für den ehemaligen Staatsbetrieb. Geschäftsführer Frank Appel winkt ein zweites Standbein als Autohersteller zwar ab, doch hört man Paketvorstand Gerdes zu, schwärmt dieser von einem Gegenentwurf zur Tesla-Philosophie. Es habe schon Nachfragen von Firmen und auch Kommunen gegeben. "Derzeit prüfen wir einige Rahmenkonditionen wie die Garantiebedingungen", verriet Gerdes dem Spiegel.

Ab 2017 werden wir mehr wissen, denn laut Nachrichtenagentur Reuters erklärte ein Post-Sprecher den geplanten Einstieg in den Verkauf an Dritte ab nächstem Jahr. Über eine Expansion ins Ausland wird auch spekuliert.

Von der Entscheidung der Vermarktung des Streetscooters hängt letztendlich auch die deutschlandweite Umstellung auf Stromtank der insgesamt rund 45.000 Zustellfahrzeuge ab.
Die „alten“ Paketwagen werden bis zum Ende ihrer Lebensdauer weitergefahren. Allerdings können die Wagen nicht eins zu eins ersetzt werden. Eineinhalb Elektro-Scooter fassen den Stauraum eines Dieselfahrzeug. Der Postkonzern ist aber gerade in der Entwicklung eines größeren Modells, das dem Standardlieferwagen mit 20 Kubikmetern in nichts nachstehen soll.

Fest steht: Das Unternehmen ist ein Vorreiter, der die Verbesserung der Ökobilanz in Deutschland mit seinen Streetscootern zukünftig beeinflusst. Durch die schnelle Verbreitung in vielen Städten wird das Projekt realistisch und nutzbringend umgesetzt. Der Umweltgedanke in Kombination mit gleichzeitiger Imagepflege und gewinnbringender Geschäftsidee könnten Deutsche Post DHL Group zu einem Erfolgsprojekt werden.

Quellen:
Welt
heise.de
Rheinische Post
ecomento.tv
ecomento.tv
ecomento.tv
emobilitaetonline.de
eco-performance-award.com
Welt