Elektroautos als intelligente Stromspeicher

Autos werden nicht mehr nur an ihren Pferdestärken gemessen sondern immer mehr auch an ihrer Umweltverträglichkeit. Große Hoffnungen setzt die Forschung in Elektroautos. Jetzt könnten sie vielleicht auch ein weiteres drängendes Problem lösen, indem sie als Energiespeicher fungieren.

von Bente Löhndorf
News

Datum: 11.11.2015 13:36

Während die dena erst kürzlich ihre Forderung nach dem zügigen Ausbau von dringend benötigten Stromspeichern wiederholt hat, tüfteln ausgerechnet Autobauer an Technologien, die Pumpspeicherkraftwerke obsolet machen könnten. Um die benötigte Speicherfunktion zu erfüllen müssen Elektroautos in der Lage sein, Energie in beide Richtungen zu leiten und diese nicht nur aufzunehmen sondern auch wieder abzugeben. Anlagen für erneuerbare Energien können wetterbedingt nur zu bestimmten Zeiten Strom produzieren, diese fallen jedoch nicht zwangsläufig mit den Spitzenlasten im Netz zusammen. Entsprechend gerüstete Elektroautos könnten die überschüssige Energie aufnehmen und somit die Nachfrage stabilisieren und das Netz entlasten.

Schon heute ist Strom günstiger als Kraftstoff. Wenn künftig jedoch die Strompreise flexibel auf Angebot und Nachfrage auf dem Strommarkt reagieren, könnten intelligente Autos ihren Akku zu Überlastzeiten mit besonders günstigem Strom aufladen und einen Teil des verteuerten Stroms bei akuten Energieengpässen wieder abgeben. Damit wäre es darüber hinaus auch automatisierter Stromhändler, der in der Garage arbeitet und Geld verdient.

SchwarmStrom in der Testphase


Mit VW und Lichtblick SE haben sich zwei finanzkräftige Partner mit entsprechendem Know-How zusammengetan, um die Zukunftsvision zu testen. In einem einjährigen Forschungsprojekt mit Namen INEES (Intelligente Netzanbindung von Elektrofahrzeugen zur Erbringung von Systemdienstleistungen) werden 20 Testkunden in Berlin mit VW E-up! ausgestattet, die über die entsprechende Hard- und Software verfügen. Mit den neuen SchwarmBatterien soll sichergestellt werden, dass die Mobilität des Fahrzeugs im Bedarfsfall sichergestellt ist. Per App lassen sich Fahrten im Voraus planen und festlegen, welchen Anteil der Ladekapazität der Fahrzeugbatterie für das Netz zur Verfügung gestellt werden soll. Die von Lichtblick entwickelte Plattform SchwarmDirigent vernetzt eine Vielzahl von Batterien zu einem großen Energiepool, der an den Energiemarkt angeschlossen ist und die Vermarktung übernimmt. Das Pilotprojekt wird vom Bundesministerium für Umwelt, Naturschutz, Bau und Reaktorsicherheit gefördert und wurde von der Bundesregierung zum "Leuchtturm der Elektromobilität" erklärt.

Zukunftsmusik mit Potenzial


Uwe Leprich, Leiter des Instituts für ZukunftsEnergieSysteme, fordert Geduld bis zur marktreifen Entwicklung der Technologie: „Es wird noch lange dauern, bis ein Akku stark genug ist, die Mobilität des Fahrers zu garantieren und auch noch Energiedienstleistungen zu übernehmen.“ Elektroautos als flexible Speicher seien Zukunftsmusik, die frühestens in 15 bis 20 Jahren durchsetzbar seien, wenn intelligente Stromnetze ausgebaut sind. Um Pump- und Druckluftspeicher zu ersetzen müsse das Konzept zudem auch bei anderen Technologien angewendet werden können, um genügend Speicherkapazität zur Verfügung zu stellen.
Die SchwarmBatterien könnten jedoch die Nachfrage nach Elektroautos steigern, wenn sie durch den Kauf- und Verkauf von Strom nicht nur günstig tanken sondern auch selbstständig Geld verdienen. Somit könnten die heute verpönten Umweltsünder in Zeiten erneuerbarer Energie zu den Musterknaben an grüner Mobilität und Strommanagement werden.

Quelle:
Welt
emobilserver.de
Spiegel
DENA