Energieeffizienz: Deutschland kann nicht schritthalten

Seit der Jahrtausendwende hat Deutschland kaum Fortschritte bei der Entwicklung der Energieeffizienz gemacht. Die im europäischen Vergleich unterdurchschnittliche Entwicklungsrate sollte mindestens verdoppelt werden, um eine erfolgreiche Energiewende zu schaffen.

von Bente Löhndorf
News

Datum: 11.11.2015 13:58

Deutschland gilt beim Thema Energieeffizienz schon lange als Vorreiter. Erst im vergangenen Jahr wurde die Bundesrepublik vom amerikanischen ThinkTank ACEEE zum Spitzenreiter gekürt, neueste Auswertungen zeigen Deutschland im europäischen Vergleich immerhin auf Platz 4. Doch der Thron wackelt massiv. Nach einer aktuellen Studie des Frauenhofer Instituts für System- und Innovationsforschung (ISI) haben andere Länder beim Energieeffizienzfortschritt Deutschland längst überholt. Während Lettland, Polen und Rumänien große Bemühungen für mehr Energieeffizienz unternommen haben, ist die Entwicklung in Deutschland auf ein besorgniserregendes Level stagniert, das den Erfolg der Energiewende bedrohen könnte.

Ost- und Mitteleuropa an Europas Spitze


Die jährliche Verbesserungsrate liegt seit 2000 hierzulande bei lediglich einem Prozent. Mindestens zwei Prozent wären nach Ansicht von Experten für eine erfolgreiche Energiewende im deutschen Stil notwendig. Dass das geht, zeigen die Daten für die vom Frauenhofer ISI ausgewerteten Energieeffizienzkodex ODEX über die Länder mit guten Fortschrittsraten. Insbesondere die fünf Spitzenreiter Lettland, Polen, Rumänien, Bulgarien und Litauen haben allerdings auch erheblichen Nachholbedarf. In den ehemaligen sozialistischen Planwirtschaften kam das Thema Effizienz dauerhaft zu kurz. Die ersten westeuropäischen Länder sind auf Platz sechs und sieben Großbritannien und die Niederlande, die jährliche Energieeffizienzgewinne von 1,9 beziehungsweise 1,85 verbuchen können. Auch sie sind jedoch von der europäischen Zielvorgabe bis 2020 insgesamt 20 Prozent weniger Energie zu verbrauchen als 1990 weit entfernt.

Konsequente Politik um Versäumnisse aufzuholen


Mit dem 18. Platz befindet sich Deutschland noch hinter dem EU-Schnitt, der bei 1,3 Prozent liegt. Der ODEX entschlüsselt zusätzlich die sektoralen Schwachstellen, da es erhebliche Unterschiede bei den Energieeffizienzfortschritten zwischen den Sektoren gibt. „Deutschland steht im Haushaltsektor auf Platz 14, beim verarbeitenden Gewerbe auf Platz 24 und im Transportsektor auf Platz 5“, berichtet Dr. Wolfgang Eichhamer vom Frauenhofer ISI. Vor allem im Industriesektor, erklärt Eichhammer weiter, sei die Entwicklung in Deutschland in den letzten 15 Jahren eher durch Strukturverschiebungen zu weniger energieintensiven Industrien gekennzeichnet gewesen, denn durch Effizienzfortschritte im eigentlichen Sinne, wie beispielsweise die energetische Optimierung von Industrieanlagen und Querschnittstechnologien wie Elektromotoren und deren Anwendung.

Dennoch sieht Eichhamer auch Potenzial zu Verbesserung in Deutschland: „Bis 2030 könnte die Energienachfrage im Vergleich zu heute noch um 25% vermindert werden. Dies ist auch nötig, wenn bis Mitte des Jahrhunderts, wie im Energiekonzept gefordert, der Primärenergiebedarf halbiert werden soll.“ Die Voraussetzungen dafür sind bereits gelegt. So belegt Deutschland mit seiner Energieeffizienzpolitik im europäischen Vergleich Platz drei. Mit einer konsequenten Umsetzung der Vorgaben und Ziele und des Nationalen Aktionsplan Energieeffizienz (NAPE), der Ende 2014 von der Bundesregierung beschlossen wurde, könnte einiges erreicht und verbessert werden. Christian Noll, geschäftsführender Vorstand der Deutschen Unternehmensinitiative Energieeffizienz e.V. (DENEFF), bekräftigt dies: „Die globale Wettbewerbsfähigkeit Deutschlands profitiert enorm von einer konsequenten Umsetzung der beschlossenen Energieeffizienzvorhaben – sowohl als Energieverbraucher als auch Anbieter von Energieeffizienzlösungen. Damit wir wieder Energieeffizienzweltmeister werden und es langfristig bleiben, braucht es aber eindeutig mehr Planungssicherheit und höchste politische Priorität für Energieeffizienz.“

Quellen:
deneff.org
Klimaretter.info