Entscheidung: Prokon wird zur Genossenschaft

Nach anderthalb Jahren der Unsicherheit haben sich die Inhaber der Genussrechte auf der Gläubigerversammlung für eine Überführung des insolventen Unternehmens Prokon entschieden. Damit wurden sowohl die Übernahme des Windkraftunternehmens durch den Energiekonzern als auch eine Zerschlagung der Firma abgelehnt. Mehr als 35.000 Genussrechtsinhaber stimmten dafür, Prokon ab Ende des Jahres als größte Energiegenossenschaft Deutschlands weiterzuführen.

von Bente Löhndorf
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Datum: 11.11.2015 14:05

Mit einem Genussrechtskapital von 800 Millionen Euro wurde die für die Entscheidung benötigten 640 Millionen Euro locker erreicht. Das Amtsgericht Itzehoe hat den Insolvenzplan für Prokon bereits bestätigt. Das Insolvenzverfahren könne aufgehoben werden, wenn der Gerichtsbeschluss rechtskräftig und die Prokon-Genossenschaft in das Genossenschaftsregister eingetragen wird.

Thomas Banning, Vorstandsvorsitzender im Bündnis Bürgerenergie, wertete die Entscheidung als „Meilenstein in der Geschichte der Bürgerenergie“. Aufgrund der geänderten gesetzlichen Rahmenbedingungen und einer daraus resultierenden Verunsicherung waren die Zahlen der neu gegründeten Bürgerenergiegenossenschaften im letzten Jahr rückläufig gewesen. Darum sehen viele die Entscheidung der Prokon-Genossenschaft als Zeichen und Aufbruchsignal. Banning lobte die Entscheidung der Genussrechteinhaber: „Sie können zukünftig mitbestimmen, wenn es um die weitere Entwicklung von Prokon geht, und sie haben die besten Voraussetzungen, auf Dauer betrachtet persönlich mehr zu erhalten, als wenn sie die Alternative angenommen hätten.“

Nach den Kalkulationen des Insolvenzverwalters Dietmar Penzlin werden die Gläubiger mit der Umwandlung Prokons in einer Genossenschaft rund 58 Prozent ihrer Forderungen wiedersehen. Die Insolvenzquote ergibt sich daraus, dass die meisten Genussrechtsinhaber etwas mehr als 23 Prozent ihrer Forderungen in Mitgliedsrechte an der künftigen Prokon eG umwandeln können. Anleger, die sich gegen eine Beteiligung bei der Genossenschaft aussprechen haben Anspruch auf die Auszahlung künftiger Verwertungserlöse in der Höhe von ebenfalls 24,4 Prozent. Diese Erlöse sollen sich aus den Darlehensforderungen Prokons gegenüber einem Palettenwerk in Torgau sowie Wäldern in Rumänien ergeben.

Zudem werden die meisten Genussrechtsinhaber das Recht erhalten, Prokon-Anleihen zu einem Zinssatz von 3,5 Prozent zu erwerben. Das Erwerbsrecht entspricht nach der Kalkulation der Insolvenzverwalter weiteren 34,4 Prozent der Genussrechtsforderungen. Gläubiger, die dieses Erwerbsrecht nicht erhalten, werden stattdessen eine Barauszahlung in derselben Höhe von 34,5 Prozent bekommen.

Mit der finalen Entscheidung ist ein großer Schritt für das Ende des aufsehenerregenden Insolvenzverfahrens getan. Zu Beginn des Jahres 2014 war Prokon zahlungsunfähig geworden, nachdem binnen kürzester Zeit viele Anleger ihre Investitionen zurückforderten. Prokon-Gründer und Unternehmenschef Carsten Rodbertus hatte mit dem Versprechen auf Renditen von 6 Prozent und mehr insbesondere Privatanleger vom Kauf der Genussrechte überzeugt, obwohl Verbraucherschützer Geschäftsmodell seit Jahren anzweifelten. Der Zusammenbruch kam somit für viele nicht überraschend. Dennoch dürften die rund 100.000 Anleger, unter denen 75.000 Genussrechteinhaber sind, sich über das absehbare Ende eines der größten Insolvenzverfahren in der deutschen Geschichte freuen.

Quelle:
neueenergie.net
Spiegel
Süddeutsche