E.on spart Steuern und fordert Millionen

Viele Arbeitnehmer in Deutschland kennen das ungute Gefühl, wenn sie auf ihre Gehaltsabrechnungen blicken. Gefühlt ist der Betrag, der auf das eigene Konto überwiesen wird, immer zu klein. Grund dafür sind meistens Steuern. So ähnlich wird man auch in den oberen Etagen des großen deutschen Energiekonzerns E.on gedacht haben.

von Matthias Epkes
News

Datum: 11.11.2015 13:43

So hat man durch die Tochterfirma DutchDelta Sàrl in Luxemburg Millionen Euro an Steuern gespart. Durch ein komplexes Netz an Leihgeschäften wurden Gelder zwischen Deutschland, Luxemburg, Großbritannien und den USA transferiert.

Steuer-Dickicht aus Milliardenbeträgen


Die Informationen sind Ende letzten Jahres durch die „Luxemburg Leaks“ bekannt geworden. Dabei wurden Dokumente zwischen Steuerbehörden und Unternehmen durch Whistleblower an Journalisten gegeben. Auch andere Unternehmen wie die Deutsche Bank, Amazon, Apple und einige weitere fielen negativ auf.

E.on transferierte Milliarden-Beträge mittels Krediten über Standorte in USA, Großbritannien und Deutschland. Zentrales Unternehmen bei diesen Aktionen ist dabei die luxemburgische Tochterfirma. Das Hauptaugenmerk liegt bei diesem Geschäftsprinzip dabei auf dem Ansammeln von Schulden, die den Gewinn schmälern sollen. Dadurch muss das Unternehmen weniger Steuern bezahlen. Aber auch in Luxemburg selbst wurde kräftig gespart. Obwohl DutchDelta Sàrl mit Milliarden umgeht, sind hier wenige 37.000 Euro Vermögenssteuer fällig.

AKW-Moratorium und „Bad Bank“ als Einnahmequelle


Ausgaben an den Staat wurden so vermieden und im Gegenzug forderte der Energieversorger vom Bund Millionen Euro Schadenersatz. Nach dem Unglück von Fukushima 2011 wurde in Deutschland ein drei monatiges Moratorium beschlossen. In dieser Zeit wurden sieben Atomkraftwerke stillgelegt - darunter auch Kraftwerke von E.on. Für den entstandenen finanziellen Schaden fordert der Stromkonzern nun 380 Millionen Euro. Aber auch sonst regte sich gegen die damaligen Pläne der Bundesregierung schnell Widerstand bei den großen Energieversorgern. Vattenfall war der erste Stromkonzern, der Klage gegen Deutschland eingereicht hat. Auch E.on zog mit einer Verfassungsbeschwerde nach.

Mittlerweile sind die Energiekonzerne bereit, auf Schadenersatzforderungen zu verzichten, wenn man sich mit der Regierung auf eine Stiftung für die Abwicklung der Atomkraftwerke einigen könnte. Diese Stiftung – umgangssprachlich auch „Bad Bank“ genannt – soll mit über 30 Milliarden Euro durch die vier Versorger gefüllt werden. Im Gegenzug geht die Verantwortung und Abwicklung der Atommeiler auf die Bundesregierung über. Kritisiert wird hierbei, dass der aktuelle Atomausstieg kaum zu kalkulieren sei und auch hier die endgültigen Kosten nicht abzusehen seien. Diese würden dann am Ende beim Verbraucher hängen bleiben.

Quellen:
NDR
Tagesschau.de
Handelsblatt
Spiegel
Süddeutsche Zeitung