Erdöl-Industrie hortet auf hoher See

Angesichts der auf niedrigstem Niveau verharrenden Ölpreise wird die Ölindustrie nervös. In den größten Supertankern der Welt bunkert sie Erdöl und wartet auf bessere Zeiten am Markt.

von Bente Löhndorf
News

Datum: 11.11.2015 13:35

Angesichts der auf niedrigstem Niveau verharrenden Ölpreise wird die Ölindustrie nervös. In den größten Supertankern der Welt bunkert sie Erdöl und wartet auf bessere Zeiten am Markt.

Weltweit übersteigt die Erdölproduktion den tatsächlichen Bedarf, die Überkapazitäten treiben den Preis in den Keller. Die Wirtschaft freut sich über die niedrigsten Erdölpreise seit 1981, da der Preisverfall des Rohstoffs im letzten Halbjahr wie ein Konjunkturprogramm wirkt. Indes wird die Ölindustrie unruhig und wird angesichts des Überangebots an billigem Erdöl kreativ. Informationen der Nachrichtenagentur Reuters zufolge mietet sie verstärkt Supertanker an, um die eigenen Ressourcen auf hoher See zu lagern bis die Marktpreise sich auf einem höheren Niveau wieder stabilisiert haben.

Supertanker im Sonderangebot


Der größte unabhängige Ölhändler Vitol soll laut Schifffahrts- und Frachtmaklerkreisen die TI Oceania gebucht haben, die mit einem Fassungsvermögen von knapp einer halben Milliarde Liter als der größte Supertanker gilt. Auch Trafigura und der Energiekonzern Shell sollen mit der Save Synergy und der "Xin Run Yang" und "Xin Tong Yang" Tanker in ähnlichem Format gemietet haben. Da die Schiffe zumeist älteren Baujahrs sind und die Mietverträge über bis zu 12 Monate laufen, hätten die Unternehmen besonders günstige Mietkonditionen aushandeln können. Demzufolge liegen die Mieten mit 40.000 Dollar pro Tag etwa 20.000 bis 30.000 Dollar unter dem Durchschnitt.

Preisanstieg vorerst nicht in Sicht


Bisher sind nach ersten Schätzungen Lagerkapazitäten auf See zwischen 12 und 15 Millionen Barrel vermietet worden. Laut Reuters gibt es jedoch weitere Anfragen. Auch wenn Analysten vermuten, dass die Lagerung den Ölpreis zumindest zeitweise auf den Märkten stabilisieren könnten, ist ein Ende der niedrigen Ölpreise vorerst nicht abzusehen. Bis zum Jahresende 2014 war der Ölpreis auf unter 50 Euro gefallen, der leichte Anstieg zum Jahresbeginn wird jedoch lediglich als Gegenreaktion auf den langen Abwärtstrend gewertet.
Ölhändler greifen nicht zum ersten Mal auf die schwimmenden Lagestätten zurück. Bereits beim letzten Ölpreisverfall 2009 hatten sie Tanker mit über hundert Millionen Barrel Lagerkapazität angemietet.

Quelle:
Handelsblatt
Spiegel