Milliarden-Schulden in der Fracking-Industrie: Platzt die Öl-Blase?

Es ist noch gar nicht lange her, da befand sich die amerikanische Fracking-Industrie im Höhenflug. Die umstrittene Methode, bei der tiefgelegene Gesteinsschichten mit einem Chemikalien-Sand-Gemisch aufgebrochen werden, machte die USA zu einer Öl-Supermacht und Farmer, die ihr Land an Bohrfirmen verkauften, zu Millionären. Geld für ständig neue Löcher floss in schnell verfügbaren Strömen, denn niedrige Zinsen und hohe Renditen lockten großzügige Investoren an.

von Victoria Schöndelen
News

Datum: 25.02.2016 17:45

Der große Boom ist jetzt vorbei: Die Öl-Schwemme auf dem Weltmarkt hat zu einem radikalen Preissturz geführt, täglich werden überschüssige 1,8 Millionen Fass gefördert. Besonders der amerikanische Markt bekommt diese Entwicklung zu spüren: Die Zahl der Bohrlöcher hat sich seit Ende 2014 um 68 Prozent verringert, 86000 Menschen haben dadurch ihren Job verloren. Jüngst verkündeten die drei größten Förderfirmen, ihre Investitionen um 40 bis 66 Prozent zu kürzen.

Dämpfer für Fracker


Jetzt horchen auch die Finanzmärkte auf: Von den rund 277 Milliarden Dollar, die amerikanische Banken an Fracking-Firmen verliehen haben, bewertet die US-Bankenaufsicht 34 Milliarden Dollar als „zweifelhaft oder verloren“. Die Banken reagieren auf diese Einschätzung mit erhöhten Rücklagen, besonders groß ist die Verunsicherung an den Anleihemärkten: Wegen der gestiegenen Ausfallrisiken verlangen die Investoren mittlerweile so hohe Zinsen wie auf dem Höhepunkt der Finanzkrise von 2008. Ein erster auf Hochzinsanleihen spezialisierter Fonds mit einem Wert von 800 Millionen Dollar musste bereits schließen. Die Summen, um die es geht, sind im Vergleich zu anderen Geschäften an der Wall Street zwar eher gering, könnten aber einen gefährlichen Prozess in Gang setzen: Wirklich kritisch wird es dann, wenn die sogenannten Schrottanleihen der Ölfirmen auch alle anderen Hochzinsanleihen in Verruf bringen. Erste Anzeichen gibt es bereits: Die Kurse fallen, etwa 15 Prozent aller Papiere sind laut Rating-Agentur Standard & Poor’s notleidend. Zwar rechnen die meisten Analysten nicht mit einer ähnlich verheerenden Kreditkrise wie 2008, die tatsächlichen Konsequenzen sind allerdings noch unwägbar. Dem Fracking-Hype in den USA haben diese Entwicklungen aber definitiv einen Dämpfer versetzt.

Quellen:
Stern
FAZ