Gasfeld Groningen: Fluch und Segen eines der größten Gasreservoirs Europas

Die Niederlande sind den meisten hierzulande vorrangig durch ihr Königshaus, Käse und Tulpen bekannt. Doch sie gehören auch zu den Ländern mit den größten Gasreserven. Davon möchte das Land profitieren und fördert große Mengen des Rohstoffes. Allerdings birgt dieses Vorhaben auch ein gefährliches Risiko.

von Matthias Epkes
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Datum: 11.11.2015 13:53

Seitdem in der Region rund um der Stadt Groningen unweit der Grenze zu Deutschland Gas gefördert wird, ereigneten sich weit mehr als 1000 kleinere Erdbeben. Die meisten Beben sind nur sogenannte Mikrobeben mit der Stärke 2 auf der Richterskala, einige Beben liegen leicht darüber. Solche Mikrobeben sind in der Regel kaum spürbar. Im Alltagsgeschehen nimmt man sie in vielen Fällen gar nicht wahr. Allerdings können auch diese von Zeit zu Zeit zu einem Problem werden. So wurden bereits mehr als 35000 Häuser beschädigt. Türen stehen schief, Fenster lassen sich schlecht schließen, kleinere Risse werden sichtbar und größer, zehntausende Häuser müssen verstärkt werden. Haben die Bewohner an einer Stelle Bruchstellen festgestellt und repariert, entstehen an anderer Stelle wieder neue. Ein Kampf gegen Windmühlen als Folge der Förderung von einem fossilen Energieträger.

Die Schäden überschreiten so schnell die Milliarden-Grenze und ein Ende ist nicht in Sicht. Zudem könnte es für die Anwohner im Nordosten des Landes noch schlimmer kommen. Nach einer Studie des Königlich-Niederländischen Meteorologischen Instituts (KNMI) könnte es in Zukunft Erschütterungen geben, die die Stärke 4 bis 5 erreichen. Dann könnten die Schäden deutlich größer auftreten.

Eines der größten Gasfelder


Die Niederlande besitzt eines der größten Erdgasfelder der Welt. Ein solch großes Vorkommen, bedeutet meistens auch wirtschaftliche Prosperität und eine lang gesicherte Zukunft. Doch Stimmen werden laut, dass die Gasförderunternehmen die Risiken durch entstehende Erdbeben klein geredet haben, so behauptet es zumindest das Dutch Safety Board, eine unabhängige Untersuchungsbehörde. Um die steigende Zahl von Erdbeben in den Griff zu bekommen hat jetzt die niederländische Regierung entschieden, deutlich weniger Gas fördern zu lassen. Dennoch dürfen im ersten Halbjahr noch 16,5 Milliarden Kubikmeter gefördert werden. Im vergangenen Jahr wurden in den Niederlanden noch 57,3 Milliarden Kubikmeter aus der Erde geholt.

Auswirkungen auch im deutschen Grenzland spürbar


Auch Deutschland blickt mit Sorge auf die Entwicklungen im Nachbarland. Vor allem im norddeutschen Raum wurden Erdbeben verzeichnet, die vermutlich mit der lokalen Förderung von Erdgas zusammenhängen. In Niedersachsen wurde 2013 durch das Landesamt für Bergbau, Energie und Geologie ein Erdbebendienst eingerichtet. Allerdings sind die in Deutschland vermuteten Gasvorkommen deutlich kleiner. Dennoch bringen die Erdbeben gerade in den Diskussionen um das Thema Fracking zusätzlichen Gesprächsstoff.

Quellen:
Rheinische Post
haz.de
Spiegel
TAZ