Ein Zeichen gegen Trumps Klimapolitik: Global Climate Action Summit sagt der Erderwärmung den Kampf an

Vor wenigen Tagen ging in San Francisco die Klimakonferenz Global Climate Action Summit zu Ende. Zu dem Treffen kamen 5000 Vertreter von Wirtschaft, Stadt- und Regionalverwaltungen, Wissenschaft und Gesellschaft aus aller Welt, die sich im Kampf gegen den Klimawandel an der Spitze sehen. Wir geben einen Überblick über die wichtigsten Ergebnisse und Diskussionen.

von Sven Ebbing
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Datum: 02.10.2018 16:54

Eingeladen hatte der als Klimaschützer weltweit angesehene kalifornische Gouverneur Jerry Brown, vor allem um vor dem UN-Klimagipfel in Polen im Dezember für mehr Klimaschutz zu werben und einen Kontrapunkt zur Klimapolitik von US-Präsident Donald Trump zu setzen.

Rollt man die Veranstaltung von hinten auf, steht ein eindringlicher Appell an Entscheidungsträger auf der ganzen Welt: „Der Klimawandel ist eine Bedrohung für die ganze Menschheit, und sie kann nur durch eine weltweite gemeinsame Anstrengung abgewendet werden“, heißt es im Abschlusskommunqiué. Konkret werden alle Staaten aufgefordert, ihre Anstrengungen für den Klimaschutz bis 2020 zu intensivieren, um das Zwei-Grad-Ziel des Pariser Abkommens nicht zu verfehlen. Außerdem sollten jetzt langfristige Pläne entwickelt werden, die den Weg zu Netto-Null-Emissionen bis zur Mitte des Jahrhunderts weisen, also einer quasi emissionsfreien Gesellschaft. Außerdem sollen Klimaschutzanstrengungen auf regionaler und lokaler Ebene bestmöglich unterstützt werden.

Hundertfache Klimaschutz-Bekenntnisse

Auch dem Namensbestandteil „Action“ wurde das Treffen gerecht. Unter dem Strich stehen mehr als 500 Verpflichtungen zu mehr Klimaschutz zwischen den unterschiedlichsten Partnern. Ein Überblick liest sich durchaus beachtlich: So haben mehr als 100 Bürgermeister, Staatslenker und Geschäftsführer versprochen, dass ihre Städte, Staaten und Firmen bis spätestens 2050 klimaneutral sein werden und das 1,5-Grad-Ziel aus dem Pariser Abkommen erreichen. Darunter befinden sich neben Berlin und Baden-Württemberg, dessen Ministerpräsident Winfried Kretschmann ebenfalls gekommen war, Metropolen auf allen Kontinenten. Weitere 60 politische und wirtschaftliche Entscheidungsträger haben angekündigt, bis 2030 einen vollständig emissionsfreien Transport von Waren und Personen zu ermöglichen. 488 Unternehmen haben sich darüber hinaus dazu verpflichtet, auf wissenschaftlicher Grundlage basierende, ambitionierte Klimaziele zu erreichen, darunter befindet sich ein Fünftel der Fortune Global 500-Liste, auf der die 500 größten Firmen der Welt - gemessen an ihren Einnahmen - aufgeführt sind.

Die Powering Past Coal-Allianz, eine Gruppe von Staaten, Städten und Unternehmen, die sich zum Kohleausstieg bekennen, konnte gleich zehn neue Mitglieder begrüßen. Darunter befinden sich auch die Balearen, Rotterdam und Hawaii. Und auch in einzelnen Branchen wurden in San Francisco Übereinkünfte getroffen: So haben die Häfen in Antwerpen, Barcelona, Hamburg , Los Angeles, Long Beach, Rotterdam und Vancouver ambitionierte Ziele vereinbart. Unter anderem soll der Frachtumschlag vollständig dekarbonisiert und die Entwicklung von Treibstoffen für Schiffe unterstützt werden, die wenig fossile Brennstoffe enthalten. Die Bemühungen könnten sich auch in anderer Weise auszahlen: Sollten alle Ankündigungen in die Tat umgesetzt werden, könnten bis 2030 bis zu 65 Millionen neue „CO2-arme“ Jobs entstehen.

Kalifornien will Klima-Satelliten im All

Kaliforniens Gouverneur Brown ließ es sich bei seinem Heimspiel nicht nehmen, seinen Bundesstaat erneut als Klima-Pionier zu präsentieren. So kündigte er an, dass Kalifornien in Zusammenarbeit mit dem Entwickler Planet Labs einen Satelliten konzipieren und ins All schicken wolle, der mit hoher Präzision die größten Verursacher von Klimagasen ausfindig machen kann. Auf diese Weise sollen Maßnahmen gegen  zu viel CO2 viel genauer als bisher geplant und umgesetzt werden können. „Während die Wissenschaft weiter attackiert wird und die Bedrohung durch den Klimawandel wächst, starten wir unseren eigenen verdammten Satelliten“, sagte Brown. Er hatte vor drei Jahren zusammen mit Baden-Württembergs Ministerpräsident Winfried Kretschmann die Initiative Under2Coalition aus der Taufe gehoben, die inzwischen etwa 1,3 Milliarden Menschen aus über 40 Nationalstaaten und rund 40 % der Weltwirtschaft auf sechs Kontinenten repräsentiert. Dementsprechend untermauerte auch Kretschmann in seiner Rede das baden-württembergische Klimaschutz-Engagement.

Harrison Ford kritisiert Trump

Für einen Höhepunkt des dreitägigen Treffens sorgte Indiana-Jones-Schauspieler Harrison Ford. Seit 20 Jahren engagiert er sich für die Rettung der Natur und der indigen Völker auf der Erde. In seiner emotionalen Rede in San Francisco sagte er, Klimaschutz könne nur gelingen, wenn die Amazonas-Regenwälder nicht mehr abgeholzt, Feuchtgebiete nicht mehr zerstört und geschützte Flächen der indigenen Völker nicht mehr ausgebeutet würden. Auch nahm er indirekt Bezug auf US-Präsident Trump und warnte davor, Menschen zu wählen, die wissenschaftliche Ergebnisse infrage stellten und die Forschung verunglimpften. Neben Ford waren unter anderem der Schauspieler Alec Baldwin und der Sänger Dave Matthews zu Gast auf dem Action Summit.

Politiker und Geschäftsleute fordern mehr Führungs- und Gestaltungswillen

Auf einem hochrangig besetzten sogenannten Talanoa-Dialog diskutierten Staatschefs und Repräsentanten aus Wirtschaft und Zivilgesellschaft darüber, wie sich eine emissionsfreie Gesellschaft verwirklichen lässt. Sie forderten politische Verantwortungsträger auf, beim Klimaschutz globaler und langfristiger zu denken, kollektive Anstrengungen und innovative Anstrengungen zum Schutz des Klimas anzuschieben und für die bestehenden Klimaschutzziele ausreichend Ressourcen zur Verfügung zu stellen. Führungskräfte in der Wirtschaft wurden ermuntert, Nachhaltigkeit und Klimaschutz verstärkt als wichtigen Faktor für Wachstum und Wettbewerbsfähigkeit zu betrachten. Investoren müssten Unternehmen, die in Sachen Klimaschutz voranschreiten, stärker unterstützen. Zivilgesellschaftliche Akteure sollten mahnende Stimmen für politische und wirtschaftliche Entscheidungsträger bleiben, jedoch auch die Gesellschaft im Blick haben, um Verhaltensänderungen im Sinne des Klimaschutzes zu forcieren.

Ob die Signale aus San Francisco angekommen sind, wird sich auch auf der UN-Klimakonferenz in Polen im Dezember zeigen.