Greenpeace will Braunkohle? – Strategische Spiele

Normalerweise kennt man Greenpeace als Organisation, die sich überall und meist sehr engagiert für den Klimaschutz und die Umwelt einsetzt – vor allem in letzter Zeit, als es vermehrt um die Rolle der Kohle in der Energieversorgung ging. Im Fall von Braunkohlekraftwerken von Vattenfall fährt man nun eine neue Strategie.

von Matthias Epkes
News

Datum: 11.11.2015 14:12

Derzeit wird über den Verkauf der Braunkohlekraftwerke und der dazugehörigen Tagebauten des schwedischen Energiekonzerns Vattenfall diskutiert. Während der Diskussion war es das größte Anliegen der Umweltschützer den Kaufinteressenten Mibrag, die Mitteldeutsche Braunkohlegesellschaft, deutlich zu zeigen, dass Braunkohle keine Zukunft habe und sich ein Kauf nicht lohne. Die Gesellschaft habe keine Lust mehr auf Kohleenergie und Gewinne seien mit der Energiequelle auch mehr als fraglich. Neben Mibrag hat auch der tschechische Energiekonzern CEZ Interesse bekundet.

Doch nun werden Mibrag und CEZ aus Sicht von Greenpeace nicht zum Feind, die dem Klimaschutz im Wege stehen, sondern zu direkten Konkurrenten, denn Greenpeace erwägt offenbar selber die Braunkohlesparte Vattenfalls zu erwerben. Der Hintergrund des Interesses liegt aber nicht darin, nach einem Kauf die Kraftwerke weiter zu betreiben, sondern sie schlichtweg einfach still zu legen. Dadurch könnten die Kraftwerke kein weiteres CO2 emittieren und das Klima belasten. Dann würde Greenpeace selber das verwirklichen, was sie selber schon lange von den großen Energiekonzernen fordern.

Der Wert der Kraftwerksanlagen und Tagebauten liegt allerdings im Milliardenbereich. Kaum vorstellbar, dass eine nichtstaatliche Organisation diese Summe aufbieten könnte, auch wenn verschiedene Finanzierungsstrategien vorhanden sind. Wie das Geld genau aufgebracht werden soll, ließ die Chefin der Organisation, Annika Jacobson, offen. Bei Greenpeace hofft man aufgrund der finanziellen Hürden auf die schwedische Regierung. Diese drängt Vattenfall - zugleich auch Staatskonzern - bereits seit Längerem dazu, sich von dem umweltschädigenden Energiesektor zu trennen. Auch wenn es eine clevere Idee ist, Kraftwerke kurzerhand einfach aufzukaufen und stillzulegen, um somit aktiv den Ausstoß von CO2 zu verhindern, bleibt abzuwarten, wie es mit den Angestellten weiter gehen würde.

Quellen:
Süddeutsche Zeitung
www.manager-magazin.de