„Das Grüne Gas-Label stellt sicher, dass alle Verarbeitungsstufen des Biogases berücksichtigt werden“ – Interview zum Schwerpunktthema

Umweltfreundliche Bio-und Ökogas-Tarife sind für den Verbraucher nicht immer auf den ersten Blick erkennbar. Im Interview mit dem Energieverbaucherportal erklärt Christian Knops, Experte für die Grünes-Gas Zertifizierung des Vereins Grüner Strom Label e.V., worauf es bei Biogas-Produkten ankommt und warum das Gütesiegel so wichtig ist.

von Redaktion
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Datum: 04.05.2018 17:07

ENERGIEVERBRAUCHERPORTAL: BIOGAS ODER ÖKOGAS? VIELLEICHT KÖNNEN SIE NOCHMAL SAGEN; FÜR WAS SICH DER VERBRAUCHER ENTSCHEIDEN SOLLTE UND WARUM.

Knops: Das mit den Begrifflichkeiten ist leider kompliziert, da es keine exakten, gesetzlichen Definitionsvorgaben gibt. Daher steht jedem Energieversorger frei, sein Gasprodukt so zu nennen, wie er will: Ökogas, Biogas, Klimagas – da gibt es mehrere Möglichkeiten. Wir nutzen den Begriff Biogas. Damit ist Gas gemeint, welches aus biogenen Reststoffen (Grünschnitt, Küchenabfälle) oder nachwachsenden Rohstoffen (Energiepflanzen) gewonnen wird.

Der Erdgasvorrat ist endlich. Deswegen müssen wir auf dem Weg hin zu einer regenerativen Energieversorgung nach Lösungen suchen, Gas erneuerbar herzustellen. Weit verbreitet in der Branche sind Kompensationsmodelle, in denen als Ausgleich für den Verbrauch von Erdgas beispielsweise Bäume gepflanzt werden. Die nachhaltige Wirkung dieser Kompensationen ist jedoch höchst fragwürdig. Zielführender ist die Verwendung biogener Reststoffe oder Energiepflanzen bei der Gewinnung von Biogas.   

WARUM EIN GRÜNES-GAS-LABEL? WAS KANN DER GASNUTZER ERWARTEN?

Knops: Das Grünes Gas-Label stellt sicher, dass alle Verarbeitungsstufen des Biogases berücksichtigt werden. Das beginnt beim Substrat, sozusagen dem Rohstoff für Biogas, über die eigentliche Biogasproduktion bis hin zum Verbrauch. Dieser komplexe Vorgang wird in einem Label vereint. So kann der Verbraucher nachhaltige Produkte direkt erkennen und sicher sein, bei wem eine ganzheitliche umweltverträgliche Biogasproduktion nachgewiesen ist.  

WAS IST DER VORTEIL VON REGIONALER BIOGAS-PRODUKTION AUS IHRER SICHT?

Knops: Sie bietet sowohl ökologische als auch ökonomische Vorteile. Wenn der Bioabfall lokal gesammelt, in einer Biogasanlage vor Ort aufbereitet und die Gärreste auf dem heimischen Acker ausgebracht werden, entsteht ein geschlossener Kreislauf - aus der Region für die Region.   

LAUT IHRER WEBSEITE BEKOMMEN VERSORGER MIT EINEM ANTEIL VON 10 PROZENT BEREITS DAS LABEL. IST DAS NICHT ZU WENIG?

Knops: Der Großteil der Produkte auf dem Biogasmarkt enthalten weniger als 10 Prozent Biomethan. Das liegt daran, dass reines Biogas kostenintensiver ist als Erdgas. Ein 100-Prozent-Produkt rechnet sich deshalb in der Regel für die Anbieter nicht.  Im Unterschied zu vielen anderen Produkten auf dem Markt muss bei uns die Beimischquote klar ausgewiesen sein. Die Transparenz  für Verbraucherinnen und Verbraucher ist sehr wichtig für uns. Wir betrachten den 10 Prozent Anteil als Einstieg in eine regenerative Wärmeversorgung. Wenn es die Marktlage zulässt, hoffen wir auf einen höheren Anteil.  

BIOMASSE IST HIER UND DA AUCH IN DER KRITIK. WELCHE ROLLE SPIELT SIE IHRER MEINUNG ANCH BEI DER ENERGIEWENDE?

Knops: Unser Label wird von führenden Umweltverbänden getragen und deren Position ist eindeutig. Biogas aus biogenen Reststoffen ist ein guter Energieträger und unterstützt die Energiewende, da hier ungenutzte Energiepotenziale nutzbar gemacht werden.  

Bei der Nutzung von Nachwachsenden Rohstoffen muss das differenzierter betrachtet werden. Der Konsens hierzu ist unser Kriterienkatalog. Ausschlusskriterien sind Gentechnik, Umnutzung von Grünland und Monokulturen. Biogas lässt sich natürlich am effektivsten in Kraft-Wärme-Kopplung nutzen. Das ist ein Ziel, auf das wir hinarbeiten müssen. Biogas ist einer der wenigen erneuerbaren Energieträger, der speicherbar und somit unabhängig von der Wetterlage eingesetzt werden kann. Insgesamt ist für eine erneuerbare Energieversorgung ein gesunder Mix aus verschiedenen Erneuerbaren Energien wichtig, sodass man die jeweiligen Vorteile am besten nutzen kann.  

WORAN LIEGT ES, DASS DER GASMARKT SO WENIG BEACHTUNG FINDET?

Knops: Ich denke, dass da gerade ein Wandel stattfindet. Ökostrom ist mehr Leuten ein Begriff als Biogas, wobei gerade beim Ökostrom anzumerken ist, dass es große Qualitätsunterschiede und viel Etikettenschwindel gibt. Verbraucher, die sich mit Ökostrom beschäftigen, denken dann auch schnell über ihren Wärmeenergieverbrauch nach.  

LETZTE FRAGE: BRAUCHT ES WEITERE POLITISCHE REGELUNGEN IM BEREICH BIOGAS UND WENN JA, WELCHE?

Knops: Definitiv. Wir brauchen langfristige und stabile Rahmenbedingungen für Biogasanlagenbetreiber. Nur so können sich wirtschaftlich tragbare Geschäftsmodelle entwickeln und erfolgreich Investitionen getätigt werden. Aktuell steht es um den Biogasmarkt nicht gut, weil der Betrieb von Anlagen wirtschaftlich riskant ist. Das liegt einzig und allein an den Rahmenbedingungen und ist politisch so gewollt.

VIELEN DANK FÜR DAS INTERVIEW!

 

SCHWERPUNKTTHEMA: GRÜNER GASMARKT

Nach und nach entdeckt der Gasmarkt sein grünes Gewissen. Allerdings mit Tücken: So lösen diverse Begrifflichkeiten Verwirrung bei Verbrauchern aus. Besonders der Unterschied zwischen Ökogas und Biogas ist oft nicht klar. Das Energieverbraucherportal wirft im April mit seinem Themenschwerpunkt einen genaueren Blick auf die unterschiedlichen Gasprodukte, liefert Details zu den Technologien und nimmt die Zertifkate genauer unter die Lupe.

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