Vergessene Kohlekraftwerke schönen Klimabilanz

Aufgrund einer Datenpanne fehlen in der deutschen Klimabilanz die Emissionswerte zweier Steinkohlekraftwerke. Die Korrektur könnte die Diskussion über die CO2-Reduktion weiter befeuern.

von Bente Löhndorf
News

Datum: 11.11.2015 14:04

Schon die aktuellen Klimabilanzen sehen nicht rosig aus. Um die selbst gesteckten Klimaziele noch zu erreichen, mussten bisher 37 Millionen Tonnen CO2 bis 2020 eingespart werden. Dieser Wert muss nun allerdings um acht Millionen Tonnen erweitert werden. Schuld ist eine Datenpanne beim statistischen Landesamt Nordrhein-Westfalen, dessen Beamte die Inbetriebnahme zweier Steinkohlekraftwerke im Jahr 2013 übersehen hatten. Seitdem wurden laut einer vertraulichen Analyse des Bundesverbands der Energiebranche (BDEW) für diese Kraftwerke Duisburg-Walsum und in Lünen keine Daten an die entsprechenden Behörden übermittelt, berichtet das Nachrichtenmagazin DER SPIEGEL.

Die Fehlmenge dürfte die Diskussion um Maßnahmen zur Reduktion der Treibhausgase weiter anfachen. Seit Monaten ringen Wirtschafts- und Energieminister Sigmar Gabriel und Umweltministerin Barbara Hendricks (beide SPD) um eine Lösung der Frage, wie die Klimaschutzziele noch erreicht werden können, ohne die Wirtschaft zu sehr zu schädigen. Um weiteren Diskussionen um Gabriels letzten Vorschlag über eine Klimaabgabe zu entgehen, so spekuliert der SPIEGEL, versuche die Energiebranche, die Datenpanne zu vertuschen. In einer internen Analyse des BDEW heiße es, die fehlenden Zahlen sollten schnellstmöglich nachgetragen, jedoch auf eine "laute Veröffentlichung" verzichtet werden. Dieser Vorwurf wird vom Verband in einer Stellungnahme jedoch zurückgewiesen: Der BDEW habe das Problem aufgedeckt und wolle es nicht vertuschen.

Quelle:
Spiegel