Teure Nachtspeicheröfen – das ineffektivste Heizsystem

Ein Heizsystem, das den günstigeren Nachtstrom ausnutzt, erfreute sich einst großer Beliebtheit. Heute gelten Nachtspeicheröfen als das ineffizienteste Methode zum Heizen. Dabei könnte das Prinzip mit flexiblen Strompreisen bald wieder aktuell werden.

von Bente Löhndorf
News

Datum: 11.11.2015 14:11

Nachtspeicheröfen - aus energietechnischer Sicht ein Relikt aus de Vorzeit. Dennoch nutzen noch immer über eine Millionen Haushalte in Deutschland die Stromfresser zum Heizen. Steigende Nachtstrompreise haben das Heizsystem unrentabel gemacht. Doch weder der Anbieterwechsel noch die Entsorgung der Heizanlagen sind schnell erledigt. Gleichzeitig ist das Prinzip der Kostentreiber ein mögliches Zukunftsmodell für flexible Strommärkte in Zeiten von erneuerbaren Energien.

Nachstrom verliert seinen Wettbewerbsvorteil


Im Gegensatz zu herkömmlichen Heizsystemen werden Nachtspeicheröfen nicht mit Öl oder Gas sondern mit Strom betrieben. Der im Inneren der Öfen befindliche Stein wird nachts aufgeheizt und gibt über den Tag verteilt seine Wärme an die Raumluft ab. Das System gilt nach heutigen Standards jedoch als besonders klimaschädlich und ineffektiv und ist aufgrund seiner Energieintensität zu einem wahren Kostentreiber mutiert. Das liegt vor allem daran, dass sich die Preise für Tag- und Nachtstrom angleichen. Früher produzierten Kraftwerke tags- und nachtsüber gleichermaßen Strom, obwohl in der Nacht die Nachfrage der Verbraucher drastisch sinkt. Daher bieten Versorger ihren Nachtstrom mit starken Preisnachlassen gegenüber dem Nachtstrom an, um nicht auf dem überflüssigen Strom sitzen zu bleiben.

Allerdings hat die Stromerzeugung sich in den letzten Jahrzehnten gewandelt. Der einst so günstige Nachstrom ist seit 1995 von 4,5 auf 17 Cent je Kilowattstunde gestiegen. Mit der Verdreifachung des Preises hat sich der Nachtstrom dem Preisniveau des Tagstroms angenähert, der sich im gleichen Zeitraum „nur“ von 17 auf 25 Cent um die Hälfte gestiegen ist. Peter Blenkers von der Verbraucherzentrale Nordrhein-Westfalen schätzt, dass eine Wohnung mit 80 Quadratmetern im Jahr auf einen Verbrauch von 12.000 Kilowattstunden kommt. Das entspricht etwa dem vierfachen Strombedarf eines Zwei-Personen-Haushalts.

Verbraucher in der Nachstromfalle


Normalerweise ist Verbrauchern mit überhöhten Strompreisen der Wechsel zu einem günstigeren Versorger zu raten, da insbesondere der Verbleib beim Grundversorger häufig mit hohen Stromrechnungen einhergeht. Doch Kunden mit Nachtspeicheröfen haben häufig keine andere Wahl als ihren Strom weiter von den örtlichen Stadtwerken zu beziehen. „Nachtstrom bietet in den allermeisten Fällen nur der Grundversorger an“, sagt Blenkers von der Verbraucherzentrale NRW. „Und in einen regulären Stromtarif zu wechseln, der nicht zwischen Tag- und Nachtstrom unterscheidet, lohnt sich für den Kunden nie.“
Experten raten dennoch zu einem Preisvergleich. Wenn der Kunde wenig Nachtstrom verbraucht, etwa weil er nicht nur mit Strom heizt, kann der Wechsel zu einem regulären Tarif trotz allem sinnvoll sein.

Wechsel zu anderen Heizsystemen lohnt sich


Zusätzlich ist der Wechsel zu einem anderen Heizsystem auch eine Überlegung wert. Nachtspeicheröfen sind ein aussterbendes Modell, obwohl die Bundesregierung das geplante Verbot 2013 wieder gekippt hat. Wer seine Nachtspeicherheizung gegen einen modernen Brennwertkessel und dazu eine Solarthermie-Anlage errichtet, wird mit mindestens 2000 Euro vom BAFA bezuschusst. Der Vermieter kann die Kosten auf die Miete umlegen. Für den halten sich die Zusatzkosten auch in Grenzen, da durch eine Umstellung auf Gas- oder Öl-Heizungen ein Drittel weniger Heizkosten anfallen.
Dennoch scheuen viele Hauseigentümer den Umstieg, auch weil die Entsorgung mit Aufwand verbunden sein kann. Alte Nachtspeicheröfen können Schadstoffe wie Asbest, Chromat (Chrom VI) oder PCB enthalten. Vor der Entsorgung muss daher die Schadstoffbelastung abgeklärt werden. Kosten und Aufwand bewirken, dass die Zahl der Nachtspeicheröfen von 2006 bis 2010 nur um zwei Prozent zurückgegangen ist.

Mögliches Comeback durch Energiewende?


Obwohl das veraltete Heizsystem aufgrund seiner Ineffektivität stark in der Kritik steht, ist der Grundgedanke, den günstigen Nachtstrom auszunutzen heute wieder hochaktuell. Mit dem steigenden Anteil der erneuerbaren Energien ist das Stromangebot aufgrund von Witterungsschwankungen stark fluktuierend und nicht mehr so gut steuerbar. So deutete sich an, dass zukünftig nachts wieder Strom erzeugt werden wird, der auf wenig Abnehmer trifft. Die Lösung wäre ein flexibler Strompreis, der sich nach Angebot und Nachfrage richtet und vermutlich gerade in der Nacht sinken würde. Die EnBW prüft über einen Pilotversuch, ob Nachtspeicheröfen dann wieder eine Alternative im Dienste das Einspeisemanagements darstellen könnten. Die moderne Variante wären intelligente Zähler, die die energieintensiven Gerätschaften im Haushalt steuern und Waschmaschine, Spülmaschine und Co. nur bei günstigen Strompreisen in Betrieb nehmen.

Quelle:
Welt
energie-experten.org
Stuttgarter Zeitung
bafa.de