Netzausbau: Bürgerkampf gegen Stromkonverter

Seit Monaten kämpfen die Bewohner des Rhein-Kreises Neuss in NRW gegen ein Herzstück der Energiewende. Ein großer Stromkonverter soll für den weiteren Netzausbau im Kreisgebiet gebaut werden - sehr zum Ärger der Ortsansässigen.

von Bente Löhndorf
News

Datum: 12.11.2014 11:57

Ende September traf nun der Netzbetreiber Amprion erste konkrete Aussagen zu der Anlage, indem er einen von den Regionalpolitikern selbst vorgeschlagenen Standort in Kaarst als Präferenz für den Bau des geplanten Stromkonverters nannte.

Bürgerprotest gegen Netzausbau-Großprojekt


Für den Ausbau der deutschen Stromnetze wird ein Konverter benötigt, der den Wechselstrom aus dem Norden in Hochspannungsleitstrom umwandelt, der in den Süden weitergeleitet wird. Für die geplante Stromtrasse von Emden nach Phillipsburg in Baden Württemberg soll dies im Rhein-Kreis Neuss geschehen – in einem Stromkonverter, der nach Plänen von Amprion der größte Europas werden soll. Die Anlage soll möglichst nahe der bereits vorhandenen Umspannanlage in Meerbusch-Osterath errichtet werden, in den der umgewandelte Strom eingespeist werden soll. Die Anwohner, zwölf neu gebildete Bürgerinitiativen und NRW-Kommunen fürchten, dass die bis zu 14 Fußballfelder umfassende Anlage mit 20 Meter hohen Industriehallen zu nah an Wohnhäusern stehen würde. Sie fürchten Folgen für ihre Gesundheit durch Elektrosmog und massive Wertminderung von Grundstücken.

Zu Beginn der Planung standen 20 mögliche Standorte in der Diskussion für das umstrittene Großprojekt. Im Juni hatte Amprion die Auswahl bereits auf sechs Orte eingeschränkt, bei der Tagung des Planungs- und Umweltausschusses der Kreistages Grevenbroich im September äußerte der Netzbetreiber nun erstmals eine Präferenz und sorgte für verhaltenes Aufatmen im gut gefüllten Saal. Amprion sprach sich für Kaarst als Favoritenstandort aus, nicht wie befürchtet für Meerbusch-Osterath. Seit dem Bekanntwerden des geplanten Bauprojekts zum deutschen Netzausbau kämpfen Anwohner und Politiker für einen Standort in möglichst weiter Entfernung zu den umliegenden Wohngebieten.

Flächennutzung – von Kiesabbau zu Stromumwandlung?


Vertreter von Amprion hatten in der Ausschusssitzung neue Prioritäten formuliert und sich der Argumentation der Protestgruppen angeschlossen: "Der Abstand zur Wohnbebauung ist ein sehr wichtiges Kriterium." Das nun bevorzugte Baugrundstück bei Kaarst war vom Rhein-Kreis selbst als Ergänzung zu den 19 Vorschlägen von Amprion ins Rennen gebracht worden. Es liegt im Gleisdreieck zwischen der A57, der Bahn und der L 30 und somit knapp 1,3 Kilometer von der nächsten Wohngegend. Die Fläche sei "mit Blick auf den Abstand zur geschlossenen Wohnbebauung am besten geeignet, sofern man deren Widmung als BSAB-Fläche außer Acht lässt", erklärte Amprion. Derzeit ist der Bereich für den Kiesabbau ausgeschrieben. Die Bezirksregierung hält die Umwidmung der Fläche allerdings für möglich, sodass dies kein Ausschlusskriterium wäre.

Die nun für erste Erleichterung sorgende Entscheidung für den Standort des umstrittenen Konverters ist derweil noch nicht endgültig gefallen. Sieben Standorte sollen noch weiter untersucht werden, zudem muss im Planungsausschuss im November zunächst die rechtliche Möglichkeit zur Regionalplanänderung geprüft werden.

Quellen:
Rheinische Post
WDR
Rheinische Post