Norwegen will seinem Image als Vorreiter für Elektromobilität gerecht werden

Norwegen gilt im Bereich Klimaschutz und Energiewende bereits seit Jahren als Musterbeispiel, schließlich werden dort fast 100% des Strombedarfs durch die Nutzung Erneuerbarer Energien, insbesondere Wasserkraft, aber auch Wind, gedeckt. Auch im Verkehrssektor hat Norwegen seit Langem eine Vorreiterstellung inne. Nun plant man ab 2025 Diesel und Benziner nicht mehr zuzulassen, um dem Ziel den Klimawandel bis 2100 bei 1,5 Grad zu stoppen einen Stück näher zu kommen.

von Lina Feder
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Datum: 18.08.2016 17:06

Klimaschutz ist eines der 17 sogenannten Sustainable Development Goals der Vereinten Nationen, die 2015 beschlossen wurden und seit Anfang 2016 gelten, um auch nächsten Generationen ein Leben innerhalb der planetarischen Grenzen zu ermöglichen. Auf Grundlage des Kyoto-Protokolls wurde angestrebt, den Klimawandel bei 2 Grad über dem vorindustriellen Stand zu stoppen. Mit dem Klimagipfel von Paris Ende 2015 fiel der Beschluss, sogar ein 1,5-Grad-Ziel anzustreben. Das erfordert für alle Länder gleichermaßen ein schnelles und durchdachtes Umdenken und Handeln in verschiedenen Bereichen wie etwa der Energie und dem Verkehrsbereich – Norwegen zeigt sich in dieser Hinsicht vorbildlich.

Musterbeispiel Norwegen im Verkehrssektor


Ein großer Anteil der Norweger fährt bereits jetzt ein Elektromobil – in keinem anderen Land Europas kommen so viele alternative Fahrzeuge auf eine Person wie dort. Insbesondere weil die Regierung Elektromobilität mit Abgabefreiheit und Steuererleichterung in den letzten Jahren stark gefördert hat, stieg die Attraktivität,sich bei einer Neuanschaffung gegen ein Fahrzeug mit Verbrennungsmotor zu entscheiden. Dies hat jedoch für Norwegen erhebliche Steuereinbußen zur Folge. Aus diesem Grund sollen nach und nach die bisherigen Anreize durch einen einmaligen Zuschuss ersetzt werden, der dann auch mit der Zeit geringer wird bis Elektromobilität auch ohne Anreize genug Anklang findet.

Keine Benziner und Dieselfahrzeuge mehr ab 2025


Der Beschluss ab 2025 keine Elektromobile mit Verbrennungsmotor mehr zuzulassen, wird im ersten Halbjahr 2017 diskutiert, erscheint aber wahrscheinlich. Das bedeutet für bisherige Autos mit Verbrennungsmotor nicht das sofortige Aus – sie dürfen weiter fahren, bis sie altersbedingt durch Elektromobile ersetzt werden müssen.

Zusätzlich plant die Regierung Norwegens bereits die weitere Umplanung des Verkehrssektors, nicht nur Autos sollen emissionsfrei fahren, auch Schiffe und Fähren stehen nach der Umsetzung der Verbannung von Verbrennungsmotoren auf dem Umstrukturierungsplan. Gleichzeitig sollen Flugzeuge mehr Biotreibstoff verwenden.

Lösung für Deutschland?


Auch Deutschland hatte ambitionierte Ziele hinsichtlich Elektromobilität. Ziel der Bundesregierung waren 1 Mio. Elektrofahrzeuge bis 2020 auf den deutschen Straßen, bis 2030 sogar 6 Mio. Die Realität sieht anders aus: Seit 2010 wurden knapp über 50.000 zugelassen. Elektromobilität ist nicht attraktiv genug, denn fehlende Anreize und Lademöglichkeiten sowie die geringe Reichweite machen die Fahrzeuge für viele uninteressant.
Mögliche Probleme bei der Umsetzung

Länder wie Norwegen und Deutschland müssen sich schnell den verschiedenen Anforderungen stellen, die mit dem Elektromobil kommen. Vor allem, wenn Autos mit Verbrennungsmotoren vom Markt verschwinden sollen.

Probleme bestehen hinsichtlich der Lademöglichkeiten in jedem Land. Es erfordert bei Reisen und auch einfachen Fahrten genaue Planungen, wo das elektrisch betriebene Fahrzeug aufgeladen werden kann, um nicht liegen zu bleiben. Hierfür benötigt man eine schnelle Umstrukturierung der Infrastruktur. Um das Elektromobil für jeden attraktiv zu machen, müssen außerdem schnelle Lademöglichkeiten für Jedermann geschaffen werden. Gerade Haushalten in Mehrfamilienhäusern und ohne Garage fehlt häufig die Möglichkeit ihr Auto auf der Straße zu laden. Dadurch wird ein Elektromobil für Interessenten nicht nutzbar.
Damit Elektrofahrzeuge tatsächlich schadstofffrei fahren, müssten sie mit Erneuerbaren Energien geladen werden. Das ist in Norwegen bereits möglich, in Deutschland ist der Ausbau zwar auf einem guten Weg, aber noch lange nicht so weit wie das skandinavische Beispiel.
Fürs erste stellen vielleicht Hybridfahrzeuge die attraktivere und einfachere Lösung da, bis genügend Innovationen hinsichtlich Lademöglichkeiten und Dauer auf dem Markt sind.

Quellen:
Spiegel
nationale-plattform-elektromobilitaet.de