Preisrückgang für Strom und Gas in der ersten Jahreshälfte

Der sinkende Börsenpreis drückt die Strom- und Gaspreise auch für Verbraucher. Obwohl der Trend sich in der zweiten Jahreshälfte fortsetzen wird, bleibt die Preisgestaltung für 2016 vor allem aufgrund von Abgaben und Steuern unklar.

von Bente Löhndorf
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Datum: 11.11.2015 14:05

Nach einem konstanten Preisanstieg über 14 Jahre zahlen Verbraucher erstmals wieder weniger für Strom und Gas. Im ersten Halbjahr sind die Strompreise, nach Berechnungen von Vergleichsportalen je nach Region um ein bis drei Prozent gesunken. Beim Gas fiel der Preisrückgang weniger stark aus. Verbraucherschützer nehmen die Konzerne in die Kritik und monieren, dass die Gastarife die Preisentwicklung der Börse nicht widerspiegeln.

Abwärtstrend mit regionalen Unterschieden


Laut Bundesverband der Energie- und Wasserwirtschaft (BDEW) kostet eine Kilowattstunde Strom für Privathaushalte derzeit unter 29 Cent. Für eine vierköpfige Familie mit einem durchschnittlichen Jahresverbrauch von 4000 Kilowattstunden bedeute das aktuelle Preisniveau eine Ersparnis von 15 Euro im Vergleich zum Vorjahr. Bei kaum veränderter staatlicher Besteuerung ist der Preisrückgang vor allem auf die gefallenen Beschaffungskosten für Versorger zurückzuführen. Da der Börsenpreis weiter unter Druck steht, erwarten Preisbeobachter, dass sich der Abwärtstrend auch im zweiten Halbjahr fortsetzen wird.

Obwohl ein genereller Trend zum Rückgang in der Preisgestaltung besteht, machen sich in Bezug auf die Höhe des Preisverfalls regionale Unterschiede bemerkbar. Während der Strompreis im Osten in den ersten sechs Monaten im Schnitt um ein Prozent abgenommen hat, sind es im Westen rund zwei Prozent. Vor allem in Bremen und Bayern ist der Preisrückgang mit 3,8 und 3,1 Prozent besonders hoch. Die geringste Entlastung gab es hingegen in Sachsen, wo der Landesdurchschnitt nur um 0,5 Prozent absank.

Auch Gaspreise gehen leicht zurück


Auch die Gaspreise sind seit Jahresbeginn um 1,6 Prozent gesunken. Für Verbraucherschützer fällt dieser Preisrückgang allerdings zu knapp aus. Nur jeder vierte der 700 Gas-Grundversorger hat laut Udo Sieverdings von der Verbraucherzentrale NRW bisher die Preise gesenkt. Dabei sind „die Einfuhrpreise wieder auf das Niveau von 2010 gesunken“, erklärt Sieverding. Demnach müssten pro Haushalt und Jahr Einsparungen von rund 100 Euro möglich sein.

Kostenrisiko durch staatliche Abgaben für 2016


Obwohl sich der Börsentrend wahrscheinlich fortsetzen wird, dürfte es in der zweiten Jahreshälfte noch einmal spannend werden. Der Börsenpreis macht schließlich nur knapp die Hälfte des Strompreises aus. Rund 52 Prozent entfallen auf Steuern und Abgaben, die Ende des Jahres für 2016 bekannt gegeben werden. Während bei der EEG-Umlage nur geringe Korrekturen zu erwarten sind, halten Fachleute für die Netzentgelte im kommenden Jahr einen Anstieg für wahrscheinlich. Der teure Netzausbau wird von den Netzbetreibern auf die Verbraucher umgelegt und ist schon heute teilweise für deutliche regionale Preisunterschiede verantwortlich.

Auch die Klimaschutzpläne von Wirtschaftsminister Sigmar Gabriel könnten eine Verteuerung für Verbraucher mit sich bringen. Die Überführung von Braunkohlekraftwerken in die Kraftwerksreserve und eine wesentlich höhere Förderung der Kraft-Wärme-Kopplung könnte nach Schätzungen des NRW-Wirtschaftsministers Garrelt Duin einen Preisanstieg von 0,5 Cent je Kilowattstunde bedeuten.

Quelle:
Handelsblatt
Spiegel